„Nun, kann der faule Bursche da hinten nicht aufsitzen, wenn er die Steuer passirt?“ rief der Liplap mürrisch.

„Ist krank,“ sagte der eine Malaye, während er sein Ruder einsetzte, und gleich darauf schoß das scharf gebaute Boot, die Strömung der Ebbe wieder erreichend, rasch das enge Fahrwasser hinab.

Der Amerikaner hatte die Leute halten sehen, aber nicht weiter auf sie geachtet, denn das schon ungeduldig erwartete Boot kam endlich den Canal nieder, hielt einige Sekunden an dem Steinwerft, wo es den Yankee an Bord nahm und passirte dann, da der Capitain nur Hühner, Früchte und einige andere Sachen zur Verproviantirung seines Schiffes bei sich führte, unbehindert nach außen.

Auf der Rhede überholten sie die Praue mit den fünf Malayen – der eine Bursche lag noch immer auf seiner Bank ausgestreckt, und die übrigen Ruderer schienen es auch nicht besonders eilig zu haben, denn sie trieben mit der ausgehenden Strömung langsam zwischen die dort vor Anker liegenden Schiffe hinein.

Die Sonne war indessen untergegangen und Goodwin blieb mehrere Stunden an Bord des Holländers, theils die bald eintretende Fluth, theils den Aufgang des Mondes abzuwarten, der Capitain frug ihn einmal nach seinem Handel mit dem Javanen, der Amerikaner aber gab eine ausweichende Antwort, besorgte, was er noch an Bord zu besorgen hatte, und verließ dann mit den Malayischen Bootsleuten, die jedes Europäische Fahrzeug für die Dauer seines Aufenthalts auf der Rhede von Batavia miethet, das Schiff, an Land zurückzukehren.

Ein aufsteigendes Gewitter schickte eben eine frische Brise vom Ufer herüber, und die Malayen mußten zu den Rudern greifen, dieser entgegenzuarbeiten; die See war aber noch vollkommen ruhig, und der Mond schien hell und klar auf die leicht gekräuselte, blitzende Fluth.

Die Lastprauen, die über Tag den Schiffen ihre Ladung zuführen, waren schon sämmtlich in den Canal zurückgekehrt; nur hie und da glitt noch ein einzelnes verspätetes Boot, eigentlich gegen das Gesetz, und dann und wann von dem Wachtschiff angerufen, durch die dort ankernden gewaltigen Fahrzeuge, und der regelmäßige Schlag der Ruder klang weit hin durch die Nacht. – Ihnen gerade entgegen kam jetzt ein solches und der Amerikaner, der hinten am Ruder saß, sah es plötzlich so dicht vor sich auftauchen, daß er kaum Zeit behielt, den Bug seines eigenen Bootes herumzuwerfen, um nicht mit dem des fremden zusammenzurennen.

„Holla, da vorn, zum Teufel, weshalb paßt ihr nicht auf!“ rief er auf Englisch ärgerlich den Begegnenden zu. Das fremde Boot veränderte seinen Cours aber nicht um eines Haares Breite, ja, folgte eher noch etwas der abweichenden Bewegung des anderen, dessen Planken es jetzt berührte und scheuerte. Die Malayen behielten in der That kaum Zeit, ihre Ruder aus den Dollen zu werfen und in Sicherheit zu bringen.

Tabée Tuwan[45]!“ rief dabei zu gleicher Zeit eine trotzige Stimme, die des Amerikaners Blut zu Eis erstarren machte, und eine dunkle Gestalt sprang, während zwei der fremden Bootsleute ihr folgten, und die beiden Fahrzeuge fest zusammenhielten, mit wildem Satz auf den Amerikaner zu.

„Hülfe! Mörder – Räuber!“ schrie dieser und riß den Khris, den er in seiner Tasche trug, heraus, sich gegen den auf ihn einspringenden Feind zu vertheidigen. Ehe er aber den Stahl aus der hölzernen Scheide bringen konnte, hatte des Javanen schmächtige doch elastische Gestalt sich über ihn geworfen und den Khris gefaßt.