„Viertausend,“ rief der Javane, die Zähne zusammenknirschend, „was ich an mir trage, ist mein ganzes Vermögen, ich habe nicht tausend Deute mehr, sie zuzulegen.“

„Das thut mir leid,“ sagte der Amerikaner achselzuckend, „dann fürcht' ich, werd' ich den Khris behalten müssen.“

„Der Khris ist mein!“ zischte da der Javane zwischen den zusammengebissenen Zähnen durch, „du darfst ihn mir nicht vorenthalten. Hier ist dein Geld, es ist mein Alles, und ich gönne es dir, verdank' ich dir dann doch die Waffe meiner Ahnen, aber – weigere mir sie nicht.“

„Hm, ich dachte, du wolltest ihn nur für einen Freund haben,“ lachte der Yankee, „hätte ich das gewußt, wär' er mir nicht einmal um viertausend feil; aber ein Mann ein Wort, und schaffst du mir die Summe, magst du ihn haben, unter dem aber um keinen Deut.“

„Gib mir den Khris und nimm dein Geld,“ drängte der Eingeborene, „ich kann dir, bei Allah, nicht mehr geben; treibe mich nicht zum Äußersten.“

„Wo du die Dreitausend aufgetrieben hast,“ spottete der Amerikaner, „wird dir auch wohl noch ein viertes zu Gebote stehen. Es ist mein letztes Wort, und jetzt laß mich zufrieden, denn ich muß an Bord eines der Schiffe auf der Rhede fahren. Wenn du das Geld zusammen hast, so komm' morgen früh in das Amsterdam-Hotel.“

„Und du verweigerst mir ihn für dreitausend Gulden,“ frug der Javane mit leiser, von innerem Grimm fast erstickter Stimme; der Amerikaner aber, der an der ganzen Aufregung des Mannes wohl sah, daß er sein Spiel gewonnen habe, antwortete ihm gar nicht darauf, sondern schritt, sich von ihm abwendend, langsam am Ufer des Flusses nieder. – Er hätte vielleicht besser gethan, ihm den Dolch zu geben.

Etwas weiter unten stand sein Cabriolet, der braune Kutscher mit dem runden, backschüsselförmigen, vergoldeten Hut hatte ihn kommen sehen, und fuhr mitten in die Straße; Goodwin stieg langsam ein und einen flüchtigen Blick zurückwerfend, suchte sein Auge die Gestalt des eben verlassenen Eingeborenen. Dieser aber war nirgends mehr zu sehen und der Yankee, dem Kutscher in ein paar Malayischen Worten das Steueramt am Kali Besaar als Bestimmungsort nennend, lehnte sich nachlässig in dem kleinen Fuhrwerk zurück, still vor sich hinlächelnd über den vortheilhaften Handel.

Als sie den Ort erreichten, an dem sämmtliche Boote anlegen müssen, die den schmalen, zum Hafen führenden Canal passiren, ob sie nun ein- oder auswärts gehen, war die Jölle des Holländischen Capitains noch nicht gekommen, und der Yankee ging eine ziemlich lange Weile mit wachsender Ungeduld am Strande auf und ab.

Den Canal herunter kam eine kleine Praue von vier Malayen gerudert. Ein fünfter lag lang ausgestreckt und in einen schmutzigen alten Sarong gehüllt, im Spiegel des schlanken Fahrzeugs. Die Praue glitt dicht und langsam am Steindamm des Steueramts hin, dem dort postirten Beamten – einem Liplap – zu zeigen, daß sie nichts einer Abgabe Unterliegendes im Boote hätten. In der That war sie auch vollkommen leer, und nur ein Paar Fruchtbündel Bananen oder Pisang, ein Dutzend Cocosnüsse und ein Paar Körbe mit Reis und anderen Früchten lagen im Vordertheil derselben. Ein weiteres Anhalten war deshalb nicht nöthig und das Fahrzeug trieb langsam vorbei.