Daß ihm die Polizei schon auf der Fährte sei, ahnte er allerdings nicht, trotzdem näherte er sich nur mit äußerster Vorsicht dem von ihm selber bezeichneten Hause, von dem er schon aus der Ferne seinen Lieutenant erkannte. Er trug sein Gewehr in der Hand und die versprochene Munition in einer umgeschnallten Tasche, und hing sich die bereit gehaltene Waffe erst über die Schulter, als er Rothkopf vollkommen unbewaffnet ihn erwarten sah. Nur daß dieser ruhig vor dem Hause sitzen blieb, und ihm nicht entgegen kam, erregte wieder seinen rasch geweckten Verdacht.
»Nun, Camerad,« rief er ihn an, indem er, etwa fünfzig Schritt vom Haus entfernt, Halt machte, seine Tasche auf den Boden warf und, das Gewehr im Arm, daneben stehen blieb, »da bin ich. Aber Ihr scheint es verdammt kaltblütig zu nehmen. – Hier ist Euer Pulver und Blei, das mir schwer genug geworden – ich dächte, Ihr könntet's die übrige Strecke selber tragen.«
»Dank Euch, Capitän,« rief Rothkopf, der ihn gern näher zum Haus gehabt hätte, indem er jetzt von seinem Sitze aufstand und langsam auf ihn zuging, »ich wußte im Anfang gar nicht, ob Ihr's wäret. Aber kommt herein – ich habe ein Feuer darinnen angemacht und ein Stück saftig Wallobi daran stecken – oder – habt Ihr keinen Hunger?«
Gentleman John horchte hoch auf – sein scharfes Ohr hatte das Knacken eines Hahnes – ein ihm nur zu wohlbekannter Laut – erreicht, und im Nu erkannte er die Gefahr, in der er sich befand.
»Hunger?« rief er zurück, »gewiß. Ich bin vor dem Frühstück vom Haus fortgegangen und Euer Wallobi soll mir vortrefflich schmecken. Ist sonst noch Jemand bei Euch?«
»Keine Seele,« erwiderte Rothkopf, indem er zu ihm trat und auf die am Boden liegende Tasche zuschritt.
»Gut – so nehmt Euer Pulver und Blei mit zum Haus,« sagte der Capitän, indem er sich so stellte, daß er den Lieutenant fortwährend zwischen sich und dem vermutheten Hinterhalt behielt. »Ihr hättet Euch Jemanden mitbringen sollen; das Zeug ist verwünscht schwer.«
»Allerdings,« sagte Rothkopf, die Tasche etwas lüftend und dann über die linke Schulter hängend, »doch es ist nicht so weit bis zu unserm Lager und ich werde sie schon fortbringen.«
»Rothkopf,« sagte da Gentleman John, indem er ihm vertraulich auf die Achsel klopfte, »ich habe Euch nicht umsonst hierherbeschieden – ich habe noch ein Geheimniß, das ich Euch anvertrauen möchte – wenn ich eben auf Euere Verschwiegenheit und Treue rechnen könnte.«
»Und das wäre?« rief Rothkopf, indem er überrascht zu seinem Hauptmann aufsah.