»Und seid Ihr auch sicher, daß er wirklich kommt?« frug Tolmer endlich, als sie wohl schon eine Stunde regungslos in ihrer Stellung verharrt hatten, aus dem Haus heraus, »hol' s der Henker, mir wird die Zeit lang, und ich fürchte fast, Gentleman John war klüger wie wir Beide zusammen.«
»Nur keine Furcht, Camerad,« flüsterte ihm sein Genosse zurück, »wenn ich nicht gewiß wüßte, daß unser Vogel auf die Leimruthe geht, hätte ich Euch wahrhaftig nicht hierher geführt. Daß ihm der Böse das Licht halte, thut er es doch nur, mich desto sicherer zu machen. Aber ich kenne ihn, den Hallunken;« setzte er mit fest zusammengebissenen Zähnen und wie mit sich selber redend hinzu, »der Rothkopf ist ihm nach und nach zu klug geworden, und daß der fragen konnte, was aus all dem Geld geworden, hat ihm nicht gefallen. Aber warte, mein Bursch – hast jetzt einen Seemann an Bord, nicht wahr, der etwa ein Schiff in offener See zu halten weiß und glaubst, du könntest den Rothkopf entbehren. Was dann aus dem hier und den Anderen auf der Insel wird, was kümmert's dich. – Willst dasselbe Spiel hier wieder spielen, das du drüben am Murray den armen Teufeln eingebrockt. O ich kenne dich, Hallunke, vergißt aber, daß der Rothkopf damals selber mit dabei war und dir in die Karten gesehen hat.«
»Dort kommt Jemand den Hang herunter,« flüsterte Tolmer, der durch eine Spalte der Wand, hinter der er versteckt lag, die offene Höhe vor sich übersehen konnte.
»Das ist er,« flüsterte Rothkopf, fast unwillkürlich zusammenfahrend, »geht es, fangen wir ihn lebendig, riecht er aber Lunte, dann haltet ihm nur um Gotteswillen sicher auf den Bug, wir sind sonst Beide verloren.«
»Fürchtet Ihr ihn?« frug Tolmer spöttisch.
»Fürchten?« brummte der Buschrähndscher ärgerlich in den Bart, »wenn Ihr, wie ich, Zeuge gewesen wäret, wie der Mann da – doch das ist vorbei,« brach er kurz ab, »und zum Plaudern keine Zeit mehr. Habt jetzt Acht – es gibt kaum einen stärkeren, und wahrhaftig keinen schlaueren und verwegeneren Burschen in sämmtlichen Colonien als den, der da so sorglos den Hügel herab in sein Verderben geht – und jetzt kein Wort mehr. Er hat ein Auge wie ein Falke und ein Ohr so scharf wie ein Känguruh – macht Euch fertig.«
Rothkopf hatte ganz recht; es gab wohl kaum einen schlaueren und verwegeneren Verbrecher innerhalb wie außer den Colonien, als diesen Gentleman John, der jetzt gerade im Begriffe stand, mit einem von seinem Raube angekauften Schiffe die Colonien zu verlassen, um jedenfalls sein Unwesen in irgend einem anderen Lande auf's Neue zu beginnen.
So glücklich und erfolgreich er aber bis jetzt, jedes Mittel gut heißend, das ihn seinem Ziele entgegen führte, diesen einen Zweck verfolgt, so sollte er sich plötzlich aus seiner geträumten Sicherheit aufgerüttelt, und der früheren Verfolgung preisgegeben sehen. Sein Lieutenant Rothkopf hatte ihn allerdings nur zu gut durchschaut; Gentleman John war seiner überdrüssig und wollte mit den Ausgewählten seiner Schaar so rasch als möglich die Känguruh-Insel verlassen. Was aus den Cameraden, von denen sich ein großer Theil erst hier zu ihm gefunden, werden würde, kümmerte ihn nicht. Selbst auf diesen Abend war die Abfahrt bestimmt. Der Schooner lag, mit Proviant und Wasser versehen, vor seinem Wurfanker, und Mr. Bloome, der Squatter, ahnte nicht, welch' gefährlichem Compagnon er einen großen Theil seines Eigenthums im Begriff war zu vertrauen.
Nur um seinen bisherigen Lieutenant zu beruhigen und die kurze Frist zu gewinnen, in der dieser mit der erhaltenen Munition zu den Uebrigen zurückkehren würde, hatte er sich dazu verstanden, ihm selber das Verlangte zu überbringen. Durfte er ja doch auch keinem seiner anderen Leute trauen, die mit Rothkopf allein gelassen, vielleicht gar gemeinschaftliche Sache mit ihm gemacht hätten.