»Gut – dann brauchen wir auch Niemand weiter. Ihr habt gehört, daß er mir morgen früh an eine bezeichnete Stelle Munition bringen will. Wo liegt Euer Gewehr versteckt?«
»Ich habe nur Pistolen bei mir,« sagte Tolmer.
»Das ist Nichts,« rief Rothkopf, »die sind nicht sicher genug, und spaßen dürfen wir nicht mit ihm. Seid Ihr ein guter Schütze mit der Flinte?«
»Ich treffe meinen Mann auf hundert Schritte mit der Kugel.«
»Gut, dann werdet Ihr ihn auch auf fünfzehn mit Rehposten nicht fehlen, und mögt dazu mein Gewehr nehmen. Jetzt geht in's Thal hinunter und lagert irgendwo am Eingang der Schlucht. Mit hinauf darf ich Euch nicht nehmen, denn Einer der Anderen könnte Euch so leicht erkennen wie ich, aber ich werde dafür sorgen, daß Euch Keiner von ihnen in den Weg läuft, und daß Ihr dort auf mich wartet, ist Euer eigener Vortheil – deshalb vertrau' ich Euch auch. Morgen früh mit Tagesanbruch bin ich an der einzelnen Casuarine, die dicht am Pfad steht. Kennt Ihr den Baum?«
»Ich habe ihn heute passirt,« erwiderte Tolmer.
»Gut denn, auf Wiedersehen,« sagte der Buschrähndscher, und schritt rasch die Schlucht hinauf, den Polizeibeamten seinem eigenen Nachdenken überlassend.
Tolmer wußte aus eigener Erfahrung, wie nützlich dieser Bursche, der sich von seinem Kameraden vielleicht mit gutem Grund verrathen glaubte, ihm werden konnte. Die Abfahrt des Schooners mochte er allerdings mit seinen Leuten leicht verhindern, der Führer der Bande aber, und Einer der schlauesten Räuber, die je die australischen Wälder unsicher gemacht, war damit noch nicht gefangen, und hätte mit einem Boot leicht wieder das feste Land erreichen können. War Gentleman John aber erst einmal in seiner Gewalt, oder überhaupt unschädlich gemacht, dann durfte er hoffen, die Andern leicht zu bewältigen, und mit der Hülfe seines neugefundenen Freundes hatte er jetzt die beste Hoffnung, dies am nächsten Morgen in's Werk zu setzen.
Verrath brauchte er hier kaum zu fürchten. Er war schon in der Gewalt des Räubers gewesen, und dessen eigener Vortheil lag mit dem seinen jetzt in einer Schale. Deshalb folgte er auch ohne Weiteres der erhaltenen Weisung und lagerte die Nacht an der ihm vom Rothkopf bezeichneten Stelle, um am nächsten Morgen bei der Hand zu sein.
Rothkopf ließ auch nicht auf sich warten. Kaum dämmerte der Tag, als ein leiser Pfiff Tolmer auf seine Nähe aufmerksam machte, und die beiden Männer schritten nach einem sehr frugalen, rasch eingenommen Mahl neben einander der von Gentleman John selber angegebenen Hütte zu. Unterwegs machte der Buschrähndscher den Polizeibeamten mit seinem Plane bekannt, und in der Hütte selber angekommen, legte sich Tolmer mit des Räubers Flinte in den Hinterhalt, während sich dieser, den Rücken gegen die dünne Rindenwand gelehnt, auf einen dort zu einer Art Bank hergerichteten Stamm setzte, und solcher Art ruhig die Ankunft seines verrathenen Chefs erwartete.