»Es ist Alles vorbei,« drängte aber der Bursche, »und die Boote rudern schon wieder an Land. Uns bleibt keine andere Zuflucht als der Busch.«

John knirschte die Zähne wild auf einander, aber das einmal Geschehene ließ sich nicht mehr ändern, die solcher Art abgeschnittene Flucht zu Wasser konnte nach dieser Richtung hin nicht mehr erzwungen, sondern mußte auf andere Weise versucht werden. Deshalb seine Waffen aufgreifend, warf er noch einen Blick auf die wild und erstaunt zu ihm aufschauende Frau, und winkte dann Broadley, ihm zu folgen.

Wie er nur vor die Hütte trat, sah er schon, daß sein Begleiter Wahrheit gesprochen. Der Schooner draußen an der Point lag, ein Wrack, vor seinem Anker, und während Bewaffnete aus einem schon gelandeten Boot an's Ufer sprangen, eilten Andere von dem Hauptstationshaus auf seine eigene Wohnung zu. Kamen sie als Freunde oder Feinde? – er hatte nicht Lust ihr Kommen abzuwarten, und flüchtete, von Broadley dicht gefolgt, mit langen Sätzen dem nächsten Dickicht zu.

Schon hatte er dieses erreicht, schon verbargen ihn die nächsten Gumbüsche den Augen der Verfolger, als dicht vor ihm eine dunkle Gestalt sich wie aus dem Boden hob, und ihm die Arme bittend entgegenstreckte. Es war Lloko, sein schwarzes Weib, den Opossum-Mantel locker um die Schulter geschlagen, die schwarzen Haare wirr die Stirn umflatternd.

»Halt!« rief sie ihm mit mehr drohend als bittender Stimme entgegen, da er fast scheu vor ihr zurückweichen und an ihr vorübereilen wollte, indem sie seinen Rock ergriff und hielt. »Halt! falscher weißer Mann – wo ist dein ander Weib, mit den bleichen Wangen und dem lichten Haar – wie? und wo ist das Kind, das Du ihr auf dem Wege todt und in den Boden gedrückt hast – wie? Wohin gehst Du jetzt? – wieder zu meinem Stamm? – nimm mich mit, nimm mich mit. Lloko hungert hier und Niemand giebt ihr zu essen.«

»Ist denn der Teufel heute in die Weiber gefahren?« rief John, mit eiserner Faust die schwache Hand der Frau ergreifend und von sich werfend. Aber schon hatte Lloko die andere in seinen Gürtel gekrallt und schrie mit wilder, gellender Stimme:

»Teufel – ja, das ist Euer Wort für Alles, was bös und schlecht –Teufel. Das ist Dein Name Gentleman John, und wenn da droben so ein Wesen wohnt –«

»Fort mit Dir!« rief zwischen den Lippen durchzischend der gereizte Räuber, und sein Faustschlag traf die Unglückliche so rauh an die Stirn, daß sie den Gürtel loslassen mußte und halb bewußtlos auf den Boden zurücktaumelte. Im nächsten Augenblick waren die beiden Männer auch im Busch verschwunden.

Gentleman John hätte übrigens nicht in so großer Eile zu sein brauchen, denn die aus der Station zu ihm hinüber Springenden waren nur Bloome und dessen Bruder gewesen, die ihr Fahrzeug im ersten Augenblick von Buschrähndschern überfallen glaubten, und den vermeintlichen Capitän zu Hülfe holen wollten. Nur zu bald sollten sie aber aus solchem Irrthum gerissen werden, denn wenn sie schon die übereilte Flucht des vermeinten Freundes stutzen machte, benahmen ihnen die rasch erkannten Uniformen der Polizeisoldaten den letzten Zweifel.

Tolmer hielt sich jedoch nicht mit langen Erklärungen auf. Er glaubte nämlich sicher, daß sich der entflohene Räuber nach dem Tode Rothkopf's auch ohne weiteres seiner Bande wieder anschließen würde, um mit dieser vereint verzweifelten Widerstand zu leisten. Wußte er doch nicht, daß ihn Gentleman John selber für einen seiner eigenen Schaar gehalten, und in jedem jetzt den Verräther glauben mußte. Hier nun lag für die kleine Truppe Polizeisoldaten der einzige Vortheil darin, die erste Ueberraschung der Buschrähndscher zu benutzen, einen entscheidenden Schlag gegen sie zu führen. Einmal zersprengt, hoffte er ihrer dann schon leicht Meister zu werden.