»Man muß aber auch schon etwas finden,« meinte der Alte dabei kopfschüttelnd, »wenn man nur das Geld wieder herausbekommen will, was man selber allein beim Heraufziehen zusetzt. Und wie hätte mir all das Gold in Australien« – fuhr er plötzlich mit viel weicherer Stimme als man dem alten Mann hätte zutrauen mögen, fort – »wohl den Verlust des Mädels da ersetzen können, wenn das mir heute zu Schaden gekommen wäre?«

Jack sah, wie Jane blutroth bei der neuen Erwähnung der Sache wurde und sprang rasch auf den letztgefundenen großen Klumpen Gold über. – Der Alte war hierbei gleich Feuer und Flamme, und es ergab sich jetzt, daß dieser wirkliche Klumpen ihm ebenfalls den letzten Gnadenstoß, mit seinem Entschluß nach den Minen zu gehen, gegeben hatte. Von nun an wurde den ganzen Abend von weiter nichts gesprochen wie von Unzen und Pfunden, Löcher graben und »claims« aufnehmen, von Licenz zahlen und Provisionspreisen, von neuentdeckten reichen Plätzen und erwarteten oder gemunkelten Diamantengruben; kurz, es blitzte und funkelte den guten Leuten den ganzen Abend wie lauter Gold und Edelstein vor den Augen herum, und als sie endlich in ein und demselben Zelte für die Nacht ihr Lager suchten, schien die Sache noch nicht besser geworden zu sein, denn der Alte versicherte Jack am nächsten Morgen, der Rücken thäte ihm noch von dem Gewichte weh, das er die Nacht aus seinem im Traum gegrabenen Loche an Gold herausgewälzt habe. Jack hatte auch geträumt, und wie er meinte, viel angenehmer und lange nicht so beschwerlich; wahrscheinlich auch von dem Golde, doch sagte er es nicht.

Der Alte schien übrigens Vertrauen zu dem jungen Mann gefaßt zu haben, und da einer allein in den Minen, bei der allzubeschwerlichen Arbeit, doch nicht so gut fortkommen kann, so beschlossen sie zusammenzubleiben und mitsammen zu schaffen; die Frauen konnten ihnen dann unter der Zeit die Wirthschaft halten, und Jack meinte, daß sie dann auch natürlich einen Antheil dafür von dem was die Männer zusammen fänden, haben müßten. Der Alte versicherte ihm, das ließe sich schon einrichten, denn der Knabe könnte ihnen ja auch von großem Nutzen sein, und ihr Plan für die künftigen Arbeiten war jetzt mit einem Mal gemacht und beschlossen. Für den Augenblick fehlte nun weiter nichts mehr als eben nur das Gold.

Jack ging, während die beiden Frauen das Frühstück bereiteten, mit dem Alten und dem Knaben aus, die Ochsen, von denen einer eine Glocke umhängen hatte, aufzusuchen und einzutreiben. Sie fanden sie auch glücklicherweise im Thal unten, und das Geschirr stand nach anderthalb Stunden etwa zum Wiederaufbruch fertig. Jack war aber dabei sehr mit seiner bisherigen Tagesarbeit zufrieden – er hatte einem hübschen Mädchen einen sehr großen Dienst erzeigt, ihr vielleicht das Leben gerettet, dabei eine höchst liebenswürdige Familie kennen gelernt, und – auch zugleich das Praktische bei der Sache nicht zu vergessen, einen tüchtigen Mitarbeiter für die Minen gefunden, und sich dort, gewiß eine Hauptsache, einen sehr angenehmen und damit auch zugleich in materieller Hinsicht vortheilhaften Aufenthalt gegründet.

Jack war, wie gesagt, mit dem Resultat des vorigen Tages ungemein zufrieden.

3.
Wie Jack die Minen fand, und wie es dort zuging.

Berge hatten sie in diesen Tag nicht mehr viel aufzuklimmen, wohl aber einzelne, ziemlich steile Höhen hinabzufahren, und es wurde wieder Abend, ehe sie die letzte Höhe, die sie vom Turon schied, erreichen konnten. Hier übernachteten sie wieder und brachen am andern Morgen, so früh sie nur das Vieh zusammentreiben konnten, auf, diesen Tag auch nicht ganz zu verlieren und sich wenigstens noch einzurichten, damit sie am nächsten gleich anfangen könnten, irgend einen für gut erkannten Ort zu bearbeiten.

Am Freitag Morgen fuhren sie denn auch den letzten Berg unmittelbar an den kleinen Fluß hinunter, und befanden sich hier gleich recht mitten im bunten und ächten Minenleben.

Auf der untersten flachen Abdachung des Hügels, der nach dem Turon hinunterlief, standen eine Anzahl schmutziger überwachsener Store oder Kaufzelte mit Waschmaschinen, Spitzhacken und Schaufeln davor, und aufgehäufte Mehl- und Zuckerkisten, und Thee und Rosinen, Seife und andere Waaren darin – darüber hin wehten verblichene englische Flaggen, und bepackte Karren, von Schaaren von Arbeitern begleitet, kamen, und leere Karren, mit magerem, hungrig aussehendem Vieh bespannt, kehrten zurück, und das Ganze bot allerdings ein bewegtes, lebendiges Bild, dem die mit Goldträumen gefüllten Köpfe der Einwanderer gewiß auch den höchstmöglichen Reiz abzugewinnen wußten.

Den Wagen ließen sie nun erst einmal vor allen Dingen am Hügelhang halten, da sie ja noch gar nicht wußten, wohin sie sich wenden sollten, und die beiden Männer beschlossen erst einmal vor allen Dingen zu recognosciren und sich die Sache anzuschauen. Fanden sie dann einen Platz, der ihnen gut schien, so konnten sie den noch geladenen Karren leicht dorthin schaffen und sich in ein oder zwei Stunden gleich häuslich einrichten.