Etwas weiter am Fluß oben waren mehrere Strecken noch gar nicht bearbeitet, und es sollte hier für den Augenblick zu viel Wasser sein, Löcher waren aber überall gegraben, vielleicht aber nicht vollständig untersucht. So wanderten sie bis zu einer Stelle, wo sich ein anderer Creek in den Turon ergießt, d. h. wo wenigstens seine Mündung liegt, denn der Creek selber, der Oakey – war vorkommen trocken. – Hier begann wieder neues Leben, denn an dieser Stelle hatten sich sehr viele der Zelte zusammengezogen und gewissermaßen ein kleines Dorf gebildet, in welchem mehrere Store oder Kaufzelte und die »Schlachterei« den gerade nicht anziehenden Mittelpunkt bildeten.
Die Schlachterei bestand einfach aus einem hochaufgebauten Gerüst, an dem einige dreißig ausgeschlachtete Hammel hingen, und einer, vielleicht einmal tief gewesenen Kuhle, die aber jetzt mit den Eingeweiden der Geschlachteten und Verzehrten so gefüllt war, daß sie im wahren Sinne des Wortes überzulaufen drohte, und einen pestilenzialischen Gestank um sich her verbreitete. Zelte standen wild und unordentlich dort umhergebaut, und häufig war auch nur von bloßen zusammengesteckten Büschen ein Obdach hergestellt, das die Inwohnenden wohl gegen die Strahlen der Sonne, aber gewiß nicht gegen einen recht guten gesunden Regenschauer schützen konnte.
Doch das waren häusliche Angelegenheiten, für die sich unsere beiden Wanderer jetzt noch nicht besonders interessirten – erst wollten sie sehen, wie es mit den Goldwäschereien stand; das andere fand sich später.
Auch nicht allein auf das unmittelbare Thal des Flusses, das heißt die nächsten Ufer dicht zum Wasser, beschränkte sich das Suchen der nach Gold Gekommenen: überall an den Bergen hingen sie herum, die einen mit Messern vorsichtig zwischen den Steinen und Felsspalten herumkratzend, hie und da ein sogenanntes »Nugget« (ein ächt australisches Minenwort, was auch selbst nicht von Californien herübergekommen war) herauszuklauben, die andern mit Hämmern jeden unschuldigen, ihnen aber höchst verdächtigen Quarzstein auseinanderschlagend, der ihnen in den Weg kam, um vielleicht einer heimlich darin versteckten Goldader auf die Spur zu kommen, und einen »Karr'schen Klumpen« darin zu finden.
Es gab aber auch eine Classe von Arbeitern, – und dazu gehörten keineswegs die eben Gekommenen, – die das schon alles versucht hatten, aber zu keinem besonderen Resultat dabei gekommen schienen, denn sie unterzogen sich jetzt einer viel härteren und keineswegs bedeutend lohnenden Arbeit. Sie hatten aber wenigstens den Vortheil, daß sie durch kein Wasser in ihrer Arbeit gehindert wurden, denn sie schafften oben von dem höchsten Rücken der vielleicht hundert Fuß hohen Hügel die Erde in Säcken nach dem Fluß hinunter, wo einer ihrer Compagnie an der Wiege stand und das ihm gebrachte auswusch. Der Aussage anderer nach sollten die Leute von acht bis sechzehn Shilling den Tag verdienen.
Hierzu fühlten aber unsere beiden Neuangekommenen natürlich nicht die mindeste Lust, da man schlimmer als um Tagelohn arbeiten mußte, und deshalb waren sie nicht in die Minen gekommen. Sie hielten sich also mehr nach dem Fluß hinunter, und beobachteten eine Zeitlang die hier Arbeitenden.
Dicht am Wasser stand ein Mann, ein rothwollenes Hemd über die englisch-ledernen Hosen gezogen, mit braunem breitrandigem Filzhut und groben, schwer mit Nägeln beschlagenen Schuhen. Er wusch eine Pfanne mit Erde aus, die er sich, Gott weiß woher, geholt hatte, denn in seiner Nähe war noch kein Loch gegraben. Vorsichtig schwenkte er die Pfanne hin und her und im Kreise herum, das etwa darin befindliche schwere Metall zu Boden zu bringen, füllte sie dann wieder mit Wasser, und ließ dies mit einem Theil des leichteren Kieses ablaufen. Er war dabei ungemein fröhlicher Laune, das ganze Verfahren geschah im Tact, und er sang sich dazu das alte californische Goldlied – ein klein wenig in den Worten verändert:
»Oh Susannah, don't you cry for me,
I've come here to Australia
With a washbowl on my knee,