»Das ist das Gescheiteste« stimmte ihm Jones bei, »und damit wir uns dort nicht mit dem Golde aufhalten müssen, lauf Du Ned rasch hinüber zum nächsten Laden, kauf was wir brauchen, auch ein paar kleine leichte leinene Säcke und drei wollene Decken dazu, denn wir müssen Bettzeug mitnehmen, und geh dann damit oben zu dem großen Gumbaum hinauf, der dort drüben steht. Wenn wir Dich dort sehen, brechen wir von hier auf.«

Der Plan war soweit gut. Ned nahm zu den Einkäufen das Gold aus dem Blechbecher und noch einiges anderes, was in der Pfanne lag, und ging raschen Schrittes zum nächsten kaum einen Büchsenschuß entfernten Laden. Jones und Bob aber wurde es indessen unheimlich so lange in der Grube zu warten. Jones recognoscirte deshalb vor allen Dingen, ob er Niemand von seinen Leuten rings entdecken könne, und hob, als er die Luft rein fand, den Sack mit Gold auf den Rand der Grube. Rasch kletterten jetzt die beiden Männer ebenfalls hinaus, und während der Steuermann die Beute auf den Arm nahm und damit bergauf der bezeichneten Stelle zuschritt, schaute Bob indessen vorsichtig nach allen Seiten umher, jetzt nicht dicht vor ihrer Flucht gesehen und entdeckt zu werden. Von der übrigen Mannschaft, die keine Ahnung von dem beabsichtigten Verrath hatte, da noch besonders bei dieser Partei der Steuermann jedes Unrecht überwachen mußte, ließ sich Niemand blicken. Erst als die drei Kameraden gar nicht zum Abendessen kamen, und die vollständig eingebrochene Dunkelheit jeden Gedanken, daß sie doch noch am Ende arbeiteten, verwerfen ließ, faßte der Capitän Verdacht und ging selber zu der ihm wohlbekannten Stelle, nach seinen Leuten zu sehen. Er brauchte auch nicht lange zu forschen; das noch in der Grube gelassene Werkzeug verrieth ihm nur zu bald, daß irgend etwas nicht Gehöriges vorgefallen, und wenn ihm auch Niemand in den benachbarten Zelten, wo er sich zu erkundigen suchte, gewisse Nachricht geben konnte – denn wer bekümmerte sich dort in den Minen um den Andern, – brauchte er nicht länger daran zu zweifeln, daß sich die Leute heimlich aus dem Staube gemacht, und auch wahrscheinlich gefundenes Gold mitgenommen hätten.

Allerdings ging er, nachdem er Rücksprache mit dem ersten Steuermann genommen, augenblicklich und noch in der Nacht zu dem Polizeicommissär, diesen von dem wahrscheinlich verübten Raub und der Flucht der drei Matrosen in Kenntniß zu setzen. Am nächsten Tage wurden auch Gendarmen oder berittene Constabler nach verschiedenen Seiten hin abgeschickt, die Flüchtigen womöglich in einer der andern Schluchten, an denen gearbeitet wurde, wieder aufzuspüren. Diese wußten aber selber recht gut, daß ihnen nur ein reiner Zufall die Geflohenen hätte in den Weg und wieder in ihre Gewalt bringen können, gaben sich deshalb auch nicht die mindeste Mühe damit, und kehrten am zweiten Tag nach einem langsamen Spazierritt durch die übrigen Minen, unverrichteter Sache wieder zurück.

Die drei Flüchtigen hatten sich indessen ihren Plan ganz vortrefflich gemacht und führten ihn eben so durch. An dem bestimmten Baum traf Ned mit den gekauften Sachen zu ihnen und gab einen Theil davon an Bob zu tragen. Bald waren sie damit drin im »Busch«, wie der australische Wald stets genannt wird, im Dunkel der jetzt rasch einbrechenden Nacht verschwunden und außer jeder Gefahr, verfolgt und eingeholt zu werden.

Wohin sie gehen wollten, darüber hatten sie sich allerdings noch gar keinen Plan gemacht. Erst mußten sie aus dem Bereich des Turon sein, das andere fand sich dann von selbst, und sie hielten auch in der That nicht eher an, als bis sie, ihrer Berechnung nach, mehrere Meilen zurückgelegt und in einem dort erreichten Dickicht nicht mehr weiter konnten. Jetzt erst beschlossen sie, zu lagern, warfen ihre Last unter einen Baum, zündeten vor allen Dingen mit dort im Ueberfluß umherliegenden dürren Holz ein tüchtiges Feuer an und gingen dann erst daran, ihr Abendbrod zu bereiten und nachher ihren Raub zu theilen.

Das erste war bald geschehen. Ned hatte eine sehr zweckmäßige Wahl bei den eingekauften Provisionen getroffen und mit frischem und geräuchertem Fleisch, trocknem Schiffszwieback und Zucker und Thee konnten sie schon eine Weile im Busche aushalten. Der einzige Fehler war, daß sie an ihrem Lagerplatz kein Wasser hatten. Das ließ sich aber nicht mehr ändern, und zum Frühstück beschlossen sie, in das nächste Thal hinabzusteigen, wo sie, wenn nicht eine Quelle, doch irgendwo schon ein Wasserloch zu finden hofften.

Auf einem der untergebreiteten Leinwandstücke wurde dann das sämmtliche Gold ausgeschüttet, und die drei Matrosen, die in ihrem ganzen Leben einen solchen Reichthum noch nicht bei einander gesehen, jauchzten und jubelten um den aufgehäuften Schatz. Sie konnten den Gedanken kaum fassen, daß Alles das jetzt ihnen sei, und die wildesten, tollsten Pläne wurden unter dem alten Gumbaume entworfen, die fabelhaftesten Luftschlösser in die stille Nacht hineingebaut. Und waren das Luftschlösser? Hatten sie nicht den soliden festen Grund da vor sich liegen, und bedurfte es etwa mehr, als nur einer einfachen Berechnung, was sie etwa mit dem »gefundenen« Schatze machen könnten? Jedenfalls hatten sie wirklich Jeder mehr, als es ihrer Meinung nach bedurft hätte, ein ganzes Schiff damit zu kaufen, und das war ja doch bei ihnen Allen von je das höchste Ziel all ihrer Wünsche gewesen.

Die Theilung ging jetzt, wie man das Gold überhaupt ohne Waage theilen konnte, so gut als möglich und nach dem Augenmaß vor sich. Der Haufen wurde in drei ziemlich gleiche Theile geschieden, und dann so lange davon herüber und hinüber, hier ab- und dort wieder zugeschoben, bis sie alle drei übereinstimmten, daß es sich nicht mehr verbessern ließ. Dann drehte sich Ned ab und den Rücken dem Golde zu, und Jones frug, indem er nach Gutdünken einen der Haufen mit dem Messer berührte:

»Wer soll den haben?«

»Ich!« sagte Ned.