Der Capitän kam übrigens an dem Nachmittag nicht wieder zu ihnen und sie wuschen einen Reichthum aus, den sie früher in ihren kühnsten Träumen vielleicht nicht für möglich gehalten. Das aber konnte sie natürlich nur in ihrem gefaßten Beschluß bestärken, und der morgende Abend wurde zur Ausführung desselben bestimmt. Sie konnten heute nämlich nicht mit dem Begonnenen fertig werden, und nahmen deshalb Abends etwa eine Unze mit zum Lager, doch etwas abzuliefern. Ihren Schatz ließen sie in der Grube zurück, füllten vorher aber die Ecke, in der er lag, mit Erde auf und durften ziemlich sicher sein, daß ihnen Niemand Nachts hineinging. Es war dort Loch an Loch gemacht, und wer solcherart heimlich und im Dunkeln die verschiedenen Gruben hätte revidiren wollen, würde – selbst die Gefahr abgerechnet, der er sich dabei aussetzte – im Ganzen sehr schlechte Geschäfte gemacht haben; der Zufall hätte ihn denn müssen an einen solchen Platz führen.

Am nächsten Morgen nach dem Frühstück gingen sie wieder an die Arbeit und fanden noch sehr viel Gold. Mittags nahmen sie wieder eine Unze davon mit zu ihrem Zelt, der Steuermann Jones verschaffte sich dann einen kleinen Leinwandsack, den er heimlich mit heraus an die Arbeit nahm, und in der Dämmerung wollten sie ihre Flucht mit dem erbeuteten Raub antreten.

Das Gold war schon ausgewaschen und in den jetzt ziemlich schweren Sack gethan, die Grube vollständig untersucht – eine Ader schien auch von dorten nicht abzulaufen, und was sie gefunden, sich mehr hier in einer Art von Felskessel, durch den Bach im Lauf der Jahre niedergespült und gesammelt zu haben – in der Nachbarerde, wie das so oft geht, hätten sie vielleicht wenig oder gar Nichts gefunden. Nur zum Schein arbeiteten sie jetzt noch weiter, damit sie bei einbrechender Dunkelheit nicht etwa verfolgt werden konnten. Hatten sie aber erst einmal die Nacht Vorsprung, dann wäre es, wie sie recht gut wußten, in den wilden Bergen unmöglich gewesen, ihrer wieder habhaft zu werden.

Gerade vor Dunkelwerden kam der Capitän dort vorbei, und blieb bei ihnen stehen.

»Feierabend, Feierabend«, lachte er, »seid nur nicht zu fleißig, Ihr Leute – mit einem Male können wir doch nicht reich werden. Nun wie geht es heute Nachmittag, Jones?«

»Etwas besser, Sir«, sagte der Mann, wagte aber dabei nicht, seinem Vorgesetzten, den er eben im Begriff stand zu hintergehen, ins Angesicht zu schauen. »Wir haben seit Mittag etwa wieder eine Unze gefunden, und wollten noch gern, ehe wir aufhörten, die paar Pfannen voll auswaschen. Es wird morgen früh doch nicht der Mühe lohnen, daß wir hier wieder anfangen.« Er deutete dabei auf den oben am Rande stehenden Blechbecher hin, in dem die drei Verschwornen absichtlich etwas Gold hatten stehen lassen.

Der Capitän nahm ihn auf, sah hinein, stellte ihn wieder hin und sagte:

»Nun gut Leute – vergeßt nur Nichts von dem Werkzeug, wenn Ihr heute Abend zum Zelt kommt. Dicht neben uns ist gestern Abend wieder eine Brechstange gestohlen worden. Es giebt hier oben doch mehr Gesindel, wie man eigentlich glaubt.« – Und seine Hände in die Taschen schiebend stieg er den Hügelvorsprung hinan, an dessen andrer Seite ihr Zelt lag.

»So Jungens«, sagte der Steuermann, als er ihm wieder mit den Blicken bis dort hinüber gefolgt war; »jetzt ist's Zeit. Der Alte kommt heute Abend nicht eher wieder hieher als bis es stark dunkel ist, und sie ernstlichen Verdacht geschöpft haben – und dann ist's zu spät. Donnerwetter, der Sack ist schwer«, stöhnte er, als er das verborgene Gold unter einer darüber gelehnten Steinplatte herausnahm und aufhob. »Einer allein kann das gar nicht schleppen – wir müssen's theilen. Die Leute werden überdies Verdacht schöpfen, wenn sie uns nur damit gehen sehen.«

»Ach was«, beschwichtigte ihn Ned, »wenn uns Jemand jetzt fragen sollte, wohin wir damit wollen, brauchen wir ihm ja nur zu sagen, zum Commissär, dort wird ja doch das meiste Gold hingeschafft, und das findet Jeder in der Ordnung. Uebrigens thun wir am Besten, wir kaufen uns im nächsten Laden ein paar Ledersäcke, Provisionen müssen wir ja überdies auch mitnehmen, und draußen im Walde können wir's dann theilen, daß Jeder sein Part nur zu tragen hat.«