»Einen Moment, Sir – ich bin mit meinen Ketten hier unten hängen geblieben – mach' es gleich wieder los.«

Er ließ das angeblich wunde Bein Rothkopfs herunter, und während er jetzt auch mit der andern Hand nach seiner Kette faßte, brach der breite Ring unter seinem Griff wie Glas entzwei. Im Nu hatte er ihn gepallt und ausgebogen, wenn auch die scharfe Kante ihm die Finger blutig riß, und der Aufseher, dem diese plötzliche Bewegung nicht entgehen konnte, rief erstaunt aus:

»Alle Wetter, was machst denn Du da, mein Junge.«

»Ich kurire mein Bein, Sir!« lachte in diesem Augenblick John, während Rothkopf mit Blitzesschnelle in die Höhe fuhr.

»Ist es Zeit?« rief dieser.

»Fass' ihn,« lautete die einzige Antwort, und »Verrath,« schrie auch schon in dem Moment der erschreckte Aufseher, »Hülfe! Hülfe!« Und wohl hatte er Grund dazu, denn vier stärkere Arme gab es nicht in den Colonien, wie die waren, die ihn jetzt gefaßt und im Nu auf ihren Rücken geworfen hatten. Rothkopf packte ihn um den Leib, John um die Knie, und während sie, nach früherer Unterredung, den leichten Burschen als Schutz gegen sonst etwa ihnen nachgeschickte Kugeln auf ihren Nacken hoben, sprangen sie dabei in wilden Sätzen den Hang hinab und direkt auf das nächste Dickicht zu.

»Hülfe! Hülfe!« schrie des Aufsehers Stimme, aber die Soldaten durften ihren Posten nicht verlassen, weil sie ja nie wissen konnten, ob das nicht vielleicht dem gemeinschaftlichen Plan der Gefangenen galt, eine allseitige Flucht zu versuchen. Nur ihre Gewehre spannten sie und hoben sie in alter Gewohnheit an den Backen – aber schießen durften sie eben so wenig, wenigstens nach diesen Flüchtigen. Die Kugeln mußten ja fast, wo sie auch einschlugen, den Körper ihres eigenen Befehlshabers treffen.

»Hülfe – Hülfe!« tönte dessen Ruf schon tief von unten herauf, und seine Rechte hatte sich indeß vergebens bemüht, in eine seiner Brusttaschen zu gelangen und die dort steckenden Pistolen herauszubringen. Rothkopf aber litt das nicht; wie in einem Schraubstock schnürte er ihm die Arme zusammen, und als ihm die Büsche jetzt noch ohnedies in's Gesicht schlugen, war er nicht mehr im Stande, sich zur Wehr zu setzen.

Im nächsten Moment hatte ihn aber schon der niederhängende Ast eines alten Gumbaums gefaßt und riß ihn gewaltsam aus den Armen der beiden Entflohenen, während ihm der Sturz einen lauten Schrei auspreßte.

»Hier mag er bleiben,« lachte Rothkopf, »denn durch das Dickicht können wir ihn doch nicht weiter schleppen, aber seine Pistolen wollen wir uns noch ausbitten.«