Um das Haus selber rankte sich eine förmliche Wand von Passionsblumen und andern blühenden Schlingpflanzen, an denen Australien so reich ist, und blitzend und blank schauten daraus die kleinen aber hellen, inwendig mit reinlichen Gardinen behangenen Fenster vor.
Tolmer zögerte fast den Platz zu betreten, so still und friedlich lag die liebe Wohnung vor ihm da – und sollte er da zuerst Mißtrauen und Unheil säen? – Bah – die Gegend wollte er ja gerade von ihrer Pest befreien, die Schlange aus dem Paradiese jagen, und gar willkommen mußte da sein Fuß dem Boden sein.
Rasch und entschlossen wanderte er deshalb dem Hause zu, an dessen Fenstern er vergebens die Gestalt der vorher im Busch gesehenen Frau zu erspähen suchte, und klopfte, als er die Thür erreichte, leise an. – Niemand antwortete ihm. Er klopfte lauter – Alles blieb todtenstill im Haus. Nichts desto weniger stand die Thür nur angelehnt, und er trat endlich hinein, in der Hoffnung, doch jedenfalls irgend wen von der Dienerschaft dort zu finden.
Im Vorsaal war Niemand, im nächsten unten gelegenen Zimmer aber hörte er eine Kinderstimme, und da auch diese Thür nur angelehnt war, öffnete er sie leise und sah hinein.
Mitten in dem kleinen, reinlichen Gemach stand ein Kinderbettchen, in dem ein vielleicht jähriges Kind lag, auf dem Sopha aber in der Ecke, das Antlitz in die Kissen gedrückt, das Bonnet neben sich am Boden, lag die junge Frau regungslos wie eine Todte.
Tolmer trat erschreckt zurück – er hatte nicht indiscret sein wollen und kein Recht, sich dem geheimen Kummer einer Unglücklichen aufzudrängen. Mit dem einen Ziel aber fest im Auge, konnte und durfte er auch das Haus nicht wieder verlassen, ohne Näheres über jenen Mann gehört zu haben, und leise nur wieder zurücktretend, daß die junge Frau sich nicht bemerkt glauben durfte, machte er draußen lautes Geräusch an der Hausthür, die er stark zuschlug, trat dann fest auf, den Vorsaal entlang, und klopfte endlich an die Kammerthür.
»Wer ist da?« rief in demselben Augenblick eine ängstlich erschreckte Stimme, und zugleich öffnete sich die Thür, in der dem sonst ziemlich kalten Polizeimann das reizendste Wesen entgegentrat, daß er je gesehen zu haben glaubte. Er brachte auch im Anfang wirklich nicht ein Wort über die Lippen, und fing schon an, sich selber zu ärgern, als die junge Frau, die sich zuerst gesammelt, ruhig fragte: »Was steht zu Ihren Diensten und wen suchen Sie?«
»Mr. Rodwell,« erwiderte da Tolmer, rasch gefaßt, »hab' ich vielleicht das Vergnügen Mrs. Rodwell vor mir zu sehen?«
Die Frau neigte leise ihr Haupt, ohne ein Wort weiter zu erwidern, aber ihr Blick flog indessen forschend über des Fremden Züge. Wer war er, und wo kam er so plötzlich her? –
»Und können Sie mir sagen, wo und wann ich vielleicht Mr. Rodwell treffen möchte?«