»Gleich da drüben, hinter den einzelnen Bäumen, die Ihr dort gegen den helleren Himmel könnt abstechen sehen. Eigentlich müßten wir von hier aus schon das Licht im Innern erkennen können, aber meine Frau hat mich gewiß heute noch nicht erwartet.«
Er war, während er sprach, auf den bekannten Pfaden so rasch vorwärts geschritten, daß ihm Tolmer kaum zu folgen vermochte. Jetzt hatten sie die Gartenthür erreicht, aber auch diese war ungewohnter Weise verschlossen. Rodwell hob indeß die leichte Gatterthür aus den Angeln und führte seinen Begleiter den breiten kiesigen Gartenpfad entlang dem Hause zu, daß sie jetzt mit seinen dunklen Umrissen dicht vor sich erkennen konnten.
Hier hatten sie bald die Hausthür erreicht, an die Rodwell dreimal leise anklopfte. – Niemand antwortete ihm. Er klopfte stärker – Alles blieb todtenstill im Haus; kein Licht erschien, kein Schritt wurde laut.
»Sie kann doch noch nicht schlafen,« murmelte Rodwell vor sich hin, »es ist kaum acht Uhr –« und lauter, kräftiger schlug er gegen die Thür, daß es durch das ganze Haus dröhnte. – Umsonst. Im Haus rührte und regte sich Nichts.
Rodwell sprach kein Wort. Still und regungslos stand er an seiner eigenen Thür – an der Schwelle seines Paradieses, und wie die Ahnung etwas Entsetzlichen griff es ihm in die Seele und machte sein Blut in den Adern stocken.
Da knarrte im obern Stock, gerade über der Thür, ein Fenster, und eine ängstliche Frauenstimme rief von oben nieder:
»Wer ist da? – Sind Sie es, Master?«
»Betsey!« rief Rodwell, und holte tief Athem – es war ihm, als ob sich eine Centnerlast von seiner Seele wälze. »Oeffnet denn Niemand, und schläft mein Weib und Kind schon so fest, daß sie mich gar nicht hören?«
»Ich komme gleich hinunter und mache die Thür auf,« sagte das Mädchen und verschwand vom Fenster.
Die beiden Männer wechselten indessen kein Wort mit einander. Mit fast krampfhaftem Griff hielt Rodwell die Klinke fest in seiner Hand, bis sie im Haus die Schritte des Mädchens hörten, das langsam die Treppe herunter kam, und jetzt innen die beiden Riegel von der Thür zurückschob. Jetzt steckte sie den Schlüssel ein und schloß auf, und im nächsten Augenblick stand ihr Rodwell gegenüber.