»Welche Richtung nahm das Boot?« frug Tolmer, während das Mädchen dem Befehl gehorchte.
»Gerade fort am Ufer nach dem festen Lande zu,« lautete die Antwort, und froh, keiner weiteren Rede mehr stehen zu müssen, verließ das Mädchen rasch das Zimmer, riegelte die Hausthür wieder zu und stieg in ihre eigene Kammer hinauf.
Rodwell stand indessen von seinem Sitze wieder auf, erbrach den Brief, trat damit zum Licht und überflog mit stierem Blick die Zeilen.
»Da nehmt und les't,« sagte er endlich, als er wieder und wieder hineingesehen und immer noch das verhängnißvolle Blatt nicht aus der Hand legen wollte. »Nehmt nur, Kamerad, und seht auch meine Schande da Schwarz auf Weiß. Das Schlimmste wißt Ihr doch, und da Euch Gott einmal in dieser schweren Stunde zu meinem Vertrauten gemacht, erfahrt auch das Andere. Vielleicht gebrauch' ich ohnedies Euren Rath – Eure Hülfe.«
Tolmer nahm den Brief und las:
»Charles, verzeihe Deinem treulosen Weib. Ein dunkles Verhängniß zwingt mich, den Frieden Deiner Schwelle, deren Segen ich nicht mehr verdiene, zu meiden. Ich bin namenlos unglücklich, und doch nicht im Stande, von dem Manne zu lassen, der meine Seele mit magischer Gewalt umstrickt hat. Du siehst mich nie wieder. Versuche nicht, uns zu folgen. Von dem festen Lande aus schiffen wir uns nach dem Continent ein. Versage Deinem unglücklichen Kinde den väterlichen Segen nicht, und möge die Zeit einst kommen, wo Du nicht mehr mit Haß und Bitterkeit derer gedenkst, die sich einst so glücklich an Deiner Seite fühlte –
Deiner unglücklichen
Jenny.«
Tolmer reichte den Brief schweigend zurück, den Rodwell fast bewußtlos nahm und in seiner Hand zusammendrückte.
»Sie sind nach Adelaide hinüber,« sagte er mit so leiser Stimme, als ob er sich vor den eigenen Lauten fürchtete.