Auch seine beiden Sekundanten gesellten sich, unter den nämlichen Vorbereitungen, zu ihm und Beide verharrten dann wohl volle zehn Minuten, vielleicht länger, in ihrer Stellung, nur dann und wann Einer nach dem Andern einen verstohlenen Blick hinüber werfend, um die Chancen des Kampfes vielleicht zu berechnen.

Endlich warf Jones seinen Rock ab und löste sich das Halstuch, welchem Beispiel gleich darauf sein Gegner folgte. Die Sekundanten waren dabei beschäftigt, ihnen die Schuhe aus- und ein Paar Halbstiefeln anzuziehen, an denen sich, wie bei Steigeisen, scharfe Spitzen befanden, um ihr Ausrutschen auf dem Rasen zu verhindern.

Wieder eine kurze Pause. McCoole hatte ein paar Worte mit seinen Sekundanten gewechselt und die Kampfrichter wurden auf die grünlichen Hände Jones' aufmerksam gemacht, die man Anfangs für mit Handschuhen bedeckt angesehen hatte. Es scheint, daß McCoole den Verdacht geäußert, sie könnten mit einer giftigen Substanz versehen sein. Jones wurde deßhalb von dem vorhandenen Arzte, nachdem dieser sie berochen – was genau so aussah, als ob er dem Preisboxer die Hand küßte – aufgefordert, daran zu lecken. Er that das auch lächelnd und mit so augenscheinlich gutem Willen, daß jeder Verdacht schwinden mußte. Es war nur eine bei Preisboxern nicht seltene Gerbestoffmasse, mit welcher er die Hände angestrichen hatte, um die Haut fester zu machen und sie bei einem schweren Schlag nicht so leicht zu gefährden.

Jetzt wurden den beiden Kämpfern die Beinkleider ausgezogen, unter denen sie kurze Hosen und lange Strümpfe trugen. Und nun erst erhob sich Jones und dann McCoole, warfen ihre Oberhemden ab und zeigten die breite nackte Brust, wie den muskulösen Bau der Schultern.

Jones' Oberkörper war weiß und glatt, auch mehr fleischig, McCoole dagegen mit dichten schwarzen Haaren bedeckt, und so standen sie sich einen Augenblick gegenüber. Dann plötzlich schritt McCoole auf den Gegner zu und reichte ihm die Hand, die dieser nahm und hielt, während die Sekundanten jetzt auch ihrerseits die Hände über denen der Gegner kreuzten, so daß die Sechs zusammen für wenige Sekunden in einem Ring standen. Der aber löste sich sehr bald wieder, und jetzt rückte der eigentliche Moment heran, dem heute ja Alles entgegenstrebte: der wirkliche Kampf.

Beide Gegner waren noch einen Moment zu ihrem alten Stand zurückgetreten, jetzt schritt McCoole langsam wie ein Bär aus seiner Höhle vor und rascher folgte Jones seinem Beispiel. Der Letztere hielt aber ein kleines Packet Banknoten, sogenannte Greenbacks, in der Hand und forderte jetzt McCoole keck heraus, hundert Dollars gegen die seinigen zu setzen, daß er ihn zuerst zu Boden schlagen würde.

McCoole erwiederte kopfschüttelnd, daß er kein Geld mehr habe, einer der Zuschauer aber nahm die Wette auf und das Geld wurde deponirt.

Mir gefiel Jones' ganzes Auftreten nicht. Selbst die anscheinende Zuversicht, mit welcher er die Wette anbot, kam mir so vor, als ob Jemand aus lauter Verlegenheit lacht. Aber es blieb keine Zeit, weitere Beobachtungen zu machen, denn die Sache wurde Ernst. Die Sekundanten hatten Beiden noch einmal Brust und Arme abgerieben, etwa genau so, wie man ein Pferd abreibt, um seinen Muskeln mehr Geschmeidigkeit zu geben, und jetzt wurden sie, wie bissige Köter, gegeneinander losgelassen.

McCoole schien sich dabei mehr auf die Vertheidigung zu halten; er hatte wahrscheinlich zu viel von Jones' Kunstfertigkeit und Gewandtheit gehört und wollte sich nicht leichtsinnig einer Gefahr aussetzen, während Jones dagegen augenscheinlich bemüht war, den ersten Schlag anzubringen. Den führte er auch, aber McCoole parirte ihn. Beide gaben dabei ihren Armen freies Spiel, jetzt zu einem Scheinangriff ausfallend, jetzt zurückweichend, bis Jones eine Blöße McCoole's zu benützen suchte. Aber er hatte sich darin geirrt; der Schlag glitt ab und wurde rasch erwiedert, Jones parirte auch diesen und holte wieder aus, als McCoole's rechte Eisenfaust ihn gegen das linke Auge traf und wie einen Sack zu Boden warf.

Ein wahres Jubelgeheul machte die Luft erbeben. Im Nu aber sprangen die Sekundanten hinzu und hoben nicht allein Jones auf, um ihn zu seinem Stuhl zu tragen, nein, thaten auch das Nämliche mit dem völlig ungeschädigten McCoole, der es sich ruhig gefallen ließ. Beider Gesicht wurde dann rasch mit kaltem Wasser abgewaschen, Jones schon mit Blut unterlaufenes Auge besonders aufmerksam, und während das der Eine that, schob der Andere seinem Kämpfer etwas in den Mund, das wie ein Schwamm aussah und vielleicht etwas Stärkendes oder Erfrischendes enthielt. Es wurde ihnen auch nicht viel Zeit dabei gelassen, denn die Pausen zwischen den einzelnen Gängen oder rounds dürfen den hierbei gültigen Gesetzen nach nur genau 30 Sekunden dauern, wozu ein Mann mit einer Sekundenuhr in der Hand fortwährend neben dem Kampfrichter steht. Wer von den Kämpfern nach 30 Sekunden nicht wieder in der Arena steht, wird als besiegt erklärt – und wie rasch vergehen 30 Sekunden!