Jones stand zur bestimmten Zeit wieder auf den Füßen und McCoole gegenüber, aber es sah so aus, als ob er scheu geworden wäre, und er zeigte sich jedenfalls lange nicht so geneigt mehr, als beim ersten Gang, mit dem gefährlichen Gegner anzubinden. Desto weniger Zeit aber verlor McCoole und nach kaum einer halben Minute, in welcher Jones ein paarmal auswich, konnte er sich zuletzt nur dadurch vor einem gefährlichen Schlag des Iren retten, daß er sich wieder rasch zu Boden warf.
Neues Geheul und stürmischer Jubelruf von allen Iren und Denen, die auf McCoole gewettet hatten, erfüllte die Luft, und wieder wurden beide Kämpfer zu ihren verschiedenen Sitzen zurückgetragen und genau so behandelt als vorher – wieder standen sie sich 30 Sekunden später kampffertig gegenüber. Aber es war jetzt kaum noch ein Zweifel, wer von ihnen Sieger bleiben müsse. McCoole ging scharf und keck vor, Jones hatte alle Zuversicht verloren und nur noch eine Hoffnung – nämlich die, durch ein paar kunstgerechte Schläge die Augen des Gegners zu treffen, wonach er diesen dann leicht so lange aufhalten konnte, bis das Anschwellen der weichen Theile um die Augen ihn zeitweilig erblinden machte. Aber darin hatte er den Nachtheil, daß er wenigstens fünf Zoll kleiner als sein Gegner war und deßhalb zu hoch mit seinen Armen hinauflangen mußte. Als er so in die Höhe reichte, erhielt er einen furchtbaren Schlag in die Seite, der ihm zwei Rippen knickte, und nun war es vorüber. Noch viele Gänge hatten sie, und einmal ermannte sich Jones, hielt Stand und versetzt McCoole einen entsetzlichen Schlag gegen die rechte Seite des Kopfes, der auch aus seinem Auge Blut brachte, aber McCoole schlug ihn gleich dafür wieder zu Boden und weigerte sich sogar, von dem Kampf erregt, getragen zu werden. Er schritt selber leicht zu seinem Stuhl zurück.
Noch erhielt Jones, der Muth und Kraft verloren hatte, einen Schlag gegen den Körper, der genau so klang, als ob man mit einem Hebebaum auf einen Wollsack schmetterte, aber es bedurfte dessen kaum noch, denn bei ein paar Gängen mußte er sich zu Boden werfen, ohne nur berührt zu sein, um einem furchtbaren, nach ihm gerichteten Schlag auszuweichen. Hatte er doch die Kraft verloren, ihn zu pariren. Es war dann ein scheußlicher Anblick, wenn der überdieß nicht hübsche Bursche, mit den blutunterlaufenen Augen und bleichen Zügen, aber lächelnd zu seinem Sieger aufblickte, als ob er sagen wollte: Siehst Du wohl, dießmal bin ich Dir doch noch ausgewichen. Aber McCoole blickte nur verächtlich auf ihn nieder und schritt zu seinem Stand zurück, denn kein Schlag darf geführt werden, wenn der Gegner am Boden liegt.
Noch zwei Gänge und der entscheidende Schlag fiel. Jones war augenscheinlich zur Verzweiflung getrieben. Er fühlte, daß er nicht lange mehr aushalten könne, und machte einen verzweifelten Angriff auf den Iren. Das aber bekam ihm schlecht. McCoole war auf seiner Hut und ein Schlag gegen den Hals oder untern Theil des Gesichts – es ließ sich das in der Schnelligkeit nicht so genau bestimmen – schmetterte Jones mit solcher Gewalt zu Boden, daß ihm der Kopf auf die Seite sank.
Er wurde augenblicklich wieder auf seinen Stand getragen, aber er war nicht im Stande, sich in der kurzen Frist von 30 Sekunden zu ermannen, hatte auch vielleicht, den Hieben gegenüber, keine besondere Lust dazu. Dreißig – fünfunddreißig Sekunden verflossen, und jetzt schmetterte das Siegesgebrüll der Irländer durch die Luft, und Alles sprang jauchzend in den Ring, um den Sieger zu begrüßen – oder auch vielleicht um zusehen, wie er seinen Gegner zugerichtet habe.
Viele stimmten freilich nicht mit in das Siegesgeschrei ein, und zwar aus dem sehr triftigen Grunde, weil sie bedeutende Summen – man sprach sogar von sehr bedeutenden, die gewettet worden – verloren hatten. So soll ein Mann allein über 50,000 Dollars auf ihn verloren haben. Nur die Gleichgültigen eilten, so rasch sie konnten, nach den schon ihrer harrenden Wagen des Extrazugs zurück, um Sitzplätze zu bekommen und die Stehplätze dießmal Denen zu überlassen, die hoch oben in den Bäumen saßen und nicht so rasch heruntergleiten konnten, und nach kaum einer halben Stunde setzte sich der Zug langsam wieder in Bewegung.
Vorher war aber schon der wieder zum Bewußtsein gekommene Jones in einen Wagen gesetzt worden und abgefahren, und als wir nach etwa zehn Minuten wieder hielten, überholten wir diesen. McCoole selber war mit im Zug, aber er stieg aus und ging zu Jones' Wagen, in welchem dieser mit verbundenem Kopf saß, und reichte ihm dort hinein die Hand.
Zugleich ging im Zug das Gerücht um, daß Jones selber eine ziemlich große Summe bei dem Kampf gewettet und verloren habe, und daß man unterwegs für ihn sammeln würde. Es dauerte auch nicht lange, so kam McCoole selber, das breite, gemeine Gesicht wohl etwas geschunden, aber sonst allem Anschein nach völlig unverletzt, durch unsern Waggon. Vor ihm ging einer seiner Sekundanten, ein Papier in der Hand, um zu Unterschriften aufzufordern, hinter ihm McCoole mit seinem schwarzen breitrandigen Hut in der Hand, um kleinere Gaben gleich einzukassiren. Aber der Erfolg scheint kein besonders glänzender gewesen zu sein, – wer auf Jones gewettet und verloren hatte, fand seinen Geldbeutel schon genug in Anspruch genommen. Wer gegen ihn gewonnen, gab wohl etwas, und eine kleine Summe kam dadurch zusammen. Es ist auch in der That eine starke Zumuthung, einem besiegten Preisboxer noch Almosen zu geben; die giebt man doch lieber einem braven, hülfsbedürftigen Arbeiter.
So endete dieser wirklich berühmte Zweikampf, der auch in der That einiges politische Interesse hatte, da er, in damaliger Zeit gerade, zwischen einem Irländer und Engländer stattfand und dadurch schon die Sympathieen der Amerikaner für den Iren erweckte. Welchen Antheil man aber daran nahm, geht schon daraus hervor, daß der Kampf etwa 16 Minuten nach elf Uhr zu Ende kam und um zwölf Uhr – ja noch einige Minuten früher – schon die Zeitungen ausgegeben und von Jungen durch die Straßen geschrieen wurden, in welchen ein zwar flüchtiger, aber doch wahrer Bericht über den Kampf gedruckt stand. Hatte man doch zu dem Zweck einen Telegraphenapparat mit dem Draht dort in Verbindung gebracht, um auch nicht einen Augenblick Zeit zu verlieren, die werthvolle Nachricht zu verbreiten und einem Jeden zugänglich zu machen.
Mir selber war das ganze Schauspiel, als überhaupt etwas Neues und in den Zweck meiner Reise einschlagend, interessant genug, aber es ist jedenfalls ein Beweis großer Brutalität, etwas Derartiges mit solchem Pomp und Spektakel und solchen Vorbereitungen zur Schau zu tragen. Uebrigens zeigten die Deutschen in Cincinnati deutlich genug, daß sie keine Freude an einer solchen Bestialität finden, denn nur sehr Wenige waren draußen, und ich bin auch ziemlich fest überzeugt, daß keiner von ihnen einen Cent auf solche Menschenschinderei gewettet hat.