Die Musterungen im Wald wurden aber desto eifriger betrieben, und plötzlich kam sogar der Befehl, daß in Randolf, einer kleinen Stadt in Tennessee aber an der andern Seite des Mississippi und also außerhalb Arkansas, eine Hauptmusterung abgehalten werden solle, um der Zahl der waffenfähigen Männer sicher zu sein.
Das war allerdings gegen die erste Abrede, nach der eine Verwendung der »Landwehr« nach Außen, gar nicht beabsichtigt worden. Die Verwendung selber wurde auch jetzt noch geleugnet; es sollte, den Versicherungen der Officiere nach, nur eben eine Musterung und nichts weiter sein, aber man wünsche sehr, daß sich alle jungen Leute dabei betheiligen möchten, um einen bestimmten Ueberblick zu gewinnen.
Das gab große Aufregung am Fourche-la-Fave, und wenn auch bei Vielen die Lust, sich an dem Krieg da draußen zu betheiligen, nicht besonders groß sein mochte, weil es eben gegen den eigenen Stamm ging, und die meisten der hiesigen Ansiedler gerade von den nördlichen Staaten, von Indiana und Illinois, hierher gezogen waren, so arbeitete doch auch wieder der Ehrgeiz, nicht zurückzustehen, zu Gunsten der Südstaaten, und brachte dadurch viel Leid in einzelne Familien, ohne den Gang der Ereignisse wenden, ja nur aufhalten zu können.
In Klingelhöffer's Familie herrschte ebenfalls tiefe Trauer. Der alte Mann, eine lange eherne Gestalt mit großem rothen Bart und hellblauen Augen, ging mit untergeschlagenen Armen und fest zusammengezogenen Brauen in seiner Stube auf und ab. In der Ecke saß die Mutter, ein Bild tiefer Betrübniß, die Hände im Schooß gefaltet, die guten Augen voller Thränen, die ihr unbewußt an den Wangen niedertroffen, neben ihr die Töchter, ebenfalls bedrückt, während am Fenster, den Blick auf den breiten Strom gerichtet, der einzige Sohn, ein hochaufgeschossener, kräftiger Bursch stand und wohl bleich und erregt, aber auch festentschlossen aussah.
»Ich kann nicht anders, Vater,« sagte er endlich, nach einer langen Pause, in der Niemand gewagt hatte, die Stille zu unterbrechen – »ich bin mit ihnen zusammen aufgewachsen, ich kann mich jetzt nicht von ihnen ausschließen oder ich dürfte mich ja nicht einmal mehr in den Ansiedlungen blicken lassen, ohne von den Frauen selbst verhöhnt zu werden.«
Der Alte zerbiß einen Fluch. »Und was das Weibervolk über Dich sagt, liegt Dir mehr am Herzen, als der eigene Vater, die eigene Mutter.«
»Sie werden mich Memme schelten und das willst Du doch auch nicht.«
»Nein, bei Gott nicht!« rief der alte Mann, »und wenn Du mir heute sagtest, ich halt's nicht mehr länger daheim aus – ich will hinauf in den Norden ziehn und gegen Sklaverei und für die Verfassung kämpfen, ich gäbe Dir, wenn auch mit blutendem Herzen, meinen Segen: aber daß Du mit den Sesesch die Hand an das Palladium unserer Freiheiten legen willst, daß das mein eigener, mein einziger Sohn thun will – das thut weh.«
»Und könnt' ich in den Reihen des Nordens fechten,« sagte der junge Mann wehmüthig, »wo alle meine Freunde und Schul- und Spielkameraden in den Reihen der Feinde stünden? Es wäre zu furchtbar.«
»Darum bleib. Die Musterung ist nur eine faule Lüge, um Euch erst einmal von hier fortzulocken. Sie lassen Euch nie wieder in den Wald zurück.«