»Höre, Betsy, was hat Dir der Bursche denn eigentlich gesagt? es wäre mir lieb, wenn ich's erfahren könnte.«

»Laß ihn nur, Jim,« meinte aber die Schwester, »er wird uns hier nicht wieder in's Haus kommen,« setzte dann ihr Bonnet auf, nahm ihren kleinen Korb und ging hinaus in's Maisfeld, um dort Bohnen für das Mittagsessen zu pflücken.

Drittes Kapitel.
Der erste Schlag.

Am Fourche-la-fave änderte sich in der nächsten Zeit wenig und die Bewohner desselben wußten eigentlich gar nicht, wie glücklich und unbelästigt sie bis jetzt von den Schrecken des Krieges verschont lebten, während im Osten die Brandfackel in friedliche Hütten geschleudert wurde und in Virginien besonders der Boden das darauf vergossene Blut kaum mehr einsaugen konnte. Insofern befanden sie sich aber auch am Fourche in einer peinlichen Lage, als sie die Ungewißheit quälte: denn was nur an abenteuerlichen, oft unmöglichen Dingen von der einen oder anderen Partei erfunden werden mochte, fand doch sicher seinen Weg hier her in den Wald, und hielt die Bewohner, besonders die Frauen, in einem steten Grad peinlicher Aufregung.

Uebrigens rückte ihnen der Kampfplatz auch näher, denn der Norden fing an einzusehen, daß er den Süden nie würde bezwingen können, wenn er nicht den Mississippi, die Hauptstraße des Westens und Südens, vollständig in die Hand bekam. Aber der Süden wußte das ebenfalls, und wenn auch New-Orleans genommen und in den Händen der Yankees war, den oberen Mississippi, Vicksburg und Memphis hielten die Südländer fest besetzt, und waren von hier aus im Stande ihre Heere im Osten leicht mit dem im Westen aufgekauften Vieh zu verproviantiren. Fuhr ihnen dann auch einmal ein Kanonenboot des Northerners an der Nase vorüber und bedrohte die Communication, so konnte es sich doch nie lange dort halten, und die Nord-Armee fing deshalb auch schon an ihre Macht besonders gegen Vicksburg zu entwickeln, um den Feind dadurch von allen Seiten einzuschließen.

Indessen waren die Secessionisten aber auch in diesem Theil von Arkansas gerade besonders thätig gewesen, um die Backwoodsmen zu einer compacten Masse zu organisiren und mit ihnen, wie sie recht gut wußten, eine Hauptmacht in's Feld zu stellen. Das aber scheiterte anfangs, wie wir gesehen haben, aber nicht allein daran, daß hier im südlichen Wald die meisten alten Farmer und Jäger wirklich gute Unionisten waren und von einem Krieg gegen ihre alte Verfassung gar nichts wissen wollten, sondern auch an ihrem Widerwillen, den Wald und ihre Heimath zu verlassen. Daß ein Mann westlich ziehen konnte, weiter in die Wildniß hinein, ja, das schien ihnen faßlich und kam auch oft genug vor, daß er aber zurück in die Ost-Staaten geführt werden sollte, wäre keinem auch nur im Traum eingefallen.

Der Süden mußte demzufolge anders manöveriren, und ein paar junge Officiere wurden abgesandt, die in den verschiedenen Counties den alten Plan wieder aufnehmen und eine Art Landwehr organisiren sollten – nur vor der Hand zum Schutz des Staates selber, und das gelang ihnen denn auch endlich, obgleich sich die alten Backwoodsmen noch immer aus Leibeskräften dagegen sträubten. Sie sahen weiter, als das junge Volk, und trauten den Versicherungen nicht besonders, die jetzt fortwährend ausgestreut wurden: daß nämlich der Norden in den letzten Zügen läge und jetzt nur auf eine Gelegenheit warte, um den Süden anzuerkennen und einen halbweg ehrenvollen Frieden mit ihm abzuschließen.

Der Süden hatte allerdings in vielen Schlachten, von tüchtigen Feldherrn angeführt, gesiegt, aber man schien doch die Spannkraft des Nordens unterschätzt zu haben, und im Frühjahr 63 gewann die Lage der Staaten schon ein anderes Aussehen. Memphis fiel, die nördlichen Truppen waren gegen »das Gibraltar des Südens«, gegen Vicksburg vorgerückt und hatten eine regelmäßige Belagerung begonnen, und Lee wurde im Norden so von neuen anwachsenden Heeren bedrängt, daß er der bedrohten Stadt am Mississippi nicht einmal zu Hülfe und zum Entsatz kommen konnte.

Die jungen Leute vom Fourche-la-Fave, obgleich sich Viele von ihnen noch immer zurückhielten, kamen nun schon ziemlich regelmäßig, wenigstens einen Tag in der Woche, in Perryville zusammen, um ordentlich einexercirt zu werden; denn wenn man dort im Walde auch keine »Feldschlacht« liefern konnte, mußten sie doch nothwendigerweise die verschiedenen Signale und Commandorufe kennen lernen, um eben auf alle Fälle gerüstet zu sein. Diese Uebungen wurden auch den ganzen Sommer hindurch fortgesetzt, als plötzlich ein dumpfes, freilich noch unbegründetes Gerücht durch den Wald lief: Vicksburg sei gefallen, wie sich Memphis selber schon lange in den Händen der Unionstruppen befand.

Allerdings widersprachen die südlichen Agenten dem auf das Entschiedenste und brachten selbst Zeitungen aus Vicksburg – freilich von etwas früherem Datum, in welchen aber die Belagerten noch eine vollkommen übermüthige, ja fast höhnende Sprache gegen den Norden führten. Aber die Zeitungen selber – das Papier nämlich, auf dem sie gedruckt waren, stimmte nicht recht zu der darin enthaltenen Behauptung, daß die Yankees noch nicht einmal im Stand gewesen wären, selbst ihre Communication mit dem Inland zu unterbrechen, denn man war schon in Vicksburg gezwungen gewesen, die Lettern nicht mehr auf Papier, sondern auf Tapeten zu drucken, da es an dem ersteren in der eng eingeschlossenen Stadt vollkommen fehlen mußte. Die Zeitungen hatten deshalb auch, blos auf einer Seite gedruckt und auf dem Rücken mit irgend einem Tapetenmuster, ein höchst wunderliches Ansehen und stimmten nicht zu dem Uebermuth, der sich noch immer in ihnen aussprach.