Klingelhöffer erwiderte nichts weiter. Er wischte sich die verrätherischen Tropfen aus den Augen, ging dann an seinen Tisch, suchte sich sein wenig gebrauchtes Schreibzeug zusammen, schrieb und faltete denn das Blatt.

Die Mutter war in ihrer Stellung geblieben; sie wußte ja, wie Alles kommen würde, denn mit ihr hatte der Sohn schon am Abend vorher gesprochen und ihr seinen festen Entschluß verkündet. Was er mitzunehmen hatte, war auch schon Alles eingepackt und in Ordnung – und jetzt kam der Abschied – der furchtbare Abschied bei solcher Trennung.

Die Frauen erleichterten sich auch dabei das Herz durch Thränen. Klingelhöffer selber hatte seinen ersten Schmerz bezwungen und reichte dem Sohne nur die Hand.

»So zieh' mit Gott,« sagte er dabei, aber die Worte rangen sich ihm nur mühsam aus der Kehle, – »zieh mit Gott! Du hast es nicht anders haben wollen. Dieser freien und herrlichen Constitution wegen habe ich mein Vaterland verlassen und bin mit Deiner Mutter hier herüber in den Wald gezogen. Du, mein einziger Sohn, willst die Hand dagegen erheben und sie mit stürzen helfen.«

»Vater,« bat der Sohn, »ich kann ja nicht anders. Oh, wie gern blieb ich bei Dir –«

»Ja wohl,« nickte der alte Mann, dessen Geist dadurch in eine andere Bahn gelenkt wurde – »bei mir – Niemand bleibt jetzt bei mir. Wenn sie Dich todtschießen, dann kann ich von vorn anfangen meinen Acker zu bauen – so lang' es die alten Knochen eben noch können und nachher –«

»Ich kehre zurück Vater – bald – Du sollst nicht mehr arbeiten dürfen, Du hast in Deinem Leben genug, über genug gethan. Leb' wohl. Gott schütze Dich.«

»Leb wohl,« sagte der alte Mann und drückte zum ersten Mal die Hand des Sohnes, die er noch in der seinen hielt. Da hielt sich Gustav aber auch nicht länger. Sich an des Vaters Brust werfend, faßte er ihn mit beiden Armen und eine halbe Minute wohl hielten sich die beiden Männer fest und schweigend umschlungen. Da schob der Vater den Sohn zuerst von sich ab und sagte leise:

»Du mußt fort – Deine Zeit ist um – mach's kurz.«

Noch einmal umschlang der junge Mann Mutter und Schwestern, dann sprang er hinaus – reden konnte er nicht mehr, denn Thränen erstickten seine Stimme. Draußen an der Fenz lehnte seine Büchse, die griff er auf, schwang sich in den Sattel, und war im nächsten Augenblick um den Hügel verschwunden, der den Pfad nach dem nahen Fourche la Fave zu deckte. Das Haus selber lag auf der Spitze, welche der in den Arkansas einmündende Fourche bildete, und über diesen mußte er sein Pferd bringen, um dann durch den Wald hin die nach der Mamelle führende Straße zu erreichen.