Das war überhaupt eine schwere Zeit für die Bewohner dieses bis jetzt so stillen und eigentlich von dem Verkehr mit der Welt abgeschlossenen Districts. Manche Hütte hatte damit den einzigen Sohn verloren und wenn sich auch einzelne dadurch zu trösten suchten, daß es eben nichts weiter als eine Musterung sei und die jungen Leute bald in ihre Heimath zurückkehren würden, im Herzen glaubten sie es doch kaum selber und ihre Befürchtungen sollten sich auch nur als zu begründet erweisen.
Woche um Woche verging, aber die Compagnie kehrte nicht wieder und die Nachricht kam ebensowenig, wohin man sie geführt, in welche Armee, ob nach dem Norden oder Süden.
Der alte Klingelhöffer hatte aber mit seiner Behauptung Recht gehabt, daß sich nicht Alle diesem Zuge anschlossen. Jenkins, Cook und die beiden Wells waren in der That zurück geblieben und zwar nicht etwa aus Feigheit, aber im Herzen der Union ergeben, wollten und konnten sie nicht gegen diese kämpfen.
Uebrigens ließ man sie nicht lange in Frieden, denn kaum waren drei Wochen nach der vorbeschriebenen Zeit verflossen, als ein Placat von dem in Little Rock befehlenden General der Südstaaten in Perryville sowohl, wie in den verschiedenen Ansiedlungen verbreitet wurde, in dem von einer Landwehr für Arkansas nicht mehr die Rede war, sondern alle waffenfähige Mannschaft, bei Drohung sofortigen Arrests, nach Little Rock selber einbeordert wurde, um sich dort zu stellen und einem besonders equipirten Arkansas-Regiment einrangirt zu werden.
Früher wäre das nun allerdings nicht angegangen, denn mit Gewalt konnte man den ganzen Fourche la Fave, wenn er einig geblieben wäre, nicht beitreiben. Züge der Nördlichen waren schon von Missouri her im Anzug und in Little Rock selber wurde jeder Mann nothwendig zur möglichen Vertheidigung der offenen Stadt gebraucht. Jetzt aber ging das leichter. Man kannte recht gut die Einzelnen, die sich bis jetzt der Einberufungs-Ordre entzogen, und kleine Patrouillen langten oben an, um sie auf ihren Farmen aufzuheben.
Der junge Cook, dessen Vater kurz vorher gestorben war, entging eines Morgens nur mit Mühe einer ihm bestimmten Ueberraschung und flüchtete in den Wald, wohin ihm natürlich die Soldaten nicht folgen konnten. Die beiden Wells mußten ebenfalls ihren Platz verlassen, Jim Jenkins durfte sich gar nicht mehr auf der, dicht am Arkansas liegenden Farm blicken lassen, weil sogar mehrmals in der Nacht Boote gekommen waren, das Haus dann in der Stille besetzt und nach ihm gesucht hatten.
Eigentlich war es wunderlich genug, daß man sich solche Mühe um ein Paar einzelne junge Leute gab, und um sie einzufangen, viel mehr andere Mannschaft verwendete. Woher hatte überhaupt der General in Little Rock so genaue Kunde von dem, was hier mitten im Wald passirte, wenn nicht irgend ein geheimer, aber mit den hiesigen Verhältnissen sehr vertrauter Feind die Säumigen denuncirt und ihre Verhaftung hartnäckig betrieben hätte? Aber wer konnte das sein? – Betsy Jenkins rieth augenblicklich auf Hendricks, doch Niemand hatte ihn seit langer Zeit in der range gesehen. Eben so wenig war er bei irgend einer Patrouille betheiligt gewesen, die man sogar, als der Verdacht erst einmal geweckt war, nach ihm gefragt hatte. Sie kannten den Namen gar nicht und meinten nur, wenn er schon damals hier in Uniform gewesen sei, befinde er sich jetzt jedenfalls drüben über dem Mississippi bei dem Heere, das eben abgeschickt wurde, um Vicksburg zu entsetzen und die Abolitionisten zurück über ihre Grenzen zu jagen.
Damit zogen sich wieder einige Wochen hin und das Gerücht wiederholte sich, daß Vicksburg gefallen sei. Aber es war so oft schon aufgetaucht, daß man es nicht weiter beachtete, noch dazu da die unmittelbare Nähe einen immer bedrohlicheren Charakter annahm. Allerdings hieß es einmal, daß von Memphis herüber ein Unionsheer rücke, um Little Rock zu besetzen und dadurch die Gewalt im Staat zu bekommen, und vom Missouri herunter sollten ebenfalls die Unionstruppen vordringen. Gegen diese hatten sich aber im Süden von Missouri wie im Norden von Arkansas Guerillas gebildet – ebenfalls Backwoodsmen, aber dem Süden ergeben, die den Feind auf jede Weise zu belästigen suchten und von den nördlichen in verächtlicher Art Bushwhackers genannt wurden – eine Bezeichnung die unserem »Buschklepper« wohl am nächsten käme.
Die Bushwhacker waren Anfangs auch wohl die reinen Guerillatrupps, wie sie sich in andern wilden Ländern ebenfalls bilden und nothgedrungen da entstehen müssen, wo man sich dem Eindringen eines Feindes widersetzen will, und doch nicht Mannschaft genug auftreiben kann, um ihm im offenen Feld die Stirn zu bieten. Daß sich aber auch Gesindel zwischen diesen ordnungslosen Schaaren fand, ist nicht zu verwundern, und besonders wurden mehrmals scheußliche Grausamkeiten nicht allein an gefangenen oder verwundeten Soldaten, sondern auch sogar an einzelnen Familien im Wald verübt, welchen Ueberschreitungen die eigentlichen Bushwhacker aber vollkommen fern standen und mit Entrüstung solche Anschuldigungen zurückwiesen.
Nichts destoweniger waren sie aber vollständig begründet, und es zeigte sich bald, daß es in der That einzelne ordnungslose oder geordnete Banden im Walde gab, die, wie uns Cooper in seinem »Spion« die »Cowboys« oder Kuhjungen des ersten amerikanischen Freiheitskrieges beschreibt, rücksichtslos bei Freund und Feind einfielen und dann wie richtige Räuber stahlen und plünderten, was sie eben bekommen konnten.