Aber ein Weheschrei ging zugleich durch die ganze Ansiedelung, denn das Schlimmste, was sie bis jetzt gefürchtet, war eingetroffen. Droben an dem Petite-Jeanne war Einer der jungen, damals mit fortgegangenen Leute als Krüppel heimgekehrt, und wie ein Lauffeuer zog sich die Unglücksbotschaft durch die Hütten, daß jener ganze, so hinterlistig fortgelockte Trupp nach Vicksburg hinabgeschleppt sei. Dort hatten sie es möglich gemacht, die belagerte Stadt in der Nacht zu gewinnen, aber sie kamen gerade im letzten Augenblick, wo die Stadt selber schon an ihrer Rettung verzweifelte. Sturm folgte auf Sturm. Drei Tage und drei Nächte lang kam kein Schlaf in die Augen der Vertheidiger, und da man die junge, ausgeruhte Mannschaft am Unerbittlichsten dabei verwandte, hatte sie auch natürlich die furchtbarsten Verluste aufzuweisen.

Vom Fourche-la-Fave allein waren sieben todt geblieben. Unter ihnen Gustav – Klingelhöffers einziger Sohn, und die Todesbotschaft traf den alten Mann ins Herz. Selbst die Nachricht hörte er von da an mit Gleichgültigkeit, daß mit dem Fall Vicksburgs die Rebellion der Sesesch den Todesstoß erhalten habe, denn die Unionisten befanden sich jetzt im Besitz der großen Wasserstraße des Mississippi und hatten damit die Einschließung des ganzen südlichen Gebiets vollendet. Allen jenen rebellischen Staaten war jetzt die Verbindung mit dem Ausland vollständig abgeschnitten und nicht einmal den so nothwendigen Proviant, wie z. B. Schlachtvieh, das sie sonst unbehindert aus Arkansas bezogen, konnten sie mehr bekommen. Ihre Unterwerfung war von nun an keine Frage mehr, sondern nur eine Sache der Zeit geworden, während der Norden auch mit raschem Entschluß seine Truppen in den Westen sandte, Arkansas selber oder doch die wenigen Hauptplätze besetzte, und ein Heer Neger nach Texas hineinwarf, um auch dort die Rebellion zu vernichten und den Rebellen damit die letzte Stütze, den letzten Zufluchtsort zu nehmen.

Zu spät! – Der furchtbare Schlag war gefallen – gefallen auf viele viele Häupter – der Sieg mit zu theuerem Blut erkauft worden und stumm, ja fast gleichgültig sah man den kommenden Ereignissen entgegen.

Aber die Bewohner der Fourche sollten trotzdem selbst aus ihrem Schmerz aufgerüttelt werden, denn ihre schlimmste Zeit war noch nicht überstanden, und eine Gefahr drohte ihnen, an die sie bis jetzt kaum gedacht.

Vor wenigen Tagen war die Countystraße entlang ein Bataillon Unions-Truppen gegen Little Rock marschirt, um sich dort mit General Steene zu vereinigen. Ein paar Pferde aus der Range schienen dabei abhanden gekommen zu sein und einige Kühe. Die Soldaten betrachteten sich ja in Feindes Land und daß die Beraubten gerade zufällig lauter gute Unionisten waren, konnten sie nicht wissen.

Da durchlief plötzlich die Schreckenskunde die Range, daß die so lang gefürchteten Jay-hawkers bei Wells oben am Fourche-la-Fave eingebrochen seien und den alten kranken Wells, auf seinem Bett selbst, todtgeschossen hätten.

Wells war einer der ältesten Ansiedler, ein schlichter einfacher Mann, der selten nur mit einem der Nachbarn verkehrte, aber deshalb doch aushalf, wo er nur irgend konnte. Dabei gab es keinen besseren Jäger und Schützen in der ganzen Range als ihn, und seine etwas gebräunte Hautfarbe, sein langes straffes schwarzes Haar ließ ihn sogar, in der Meinung der Hinterwäldler, vom indianischen Blut abstammen. Er hatte dabei ein bewegtes Leben geführt und vor langen Jahren sogar einmal, als Texas noch von wilden Indianerhorden schwärmte, einen Jagdzug dorthin allein unternommen und sich mehre Jahre dort, selbst einmal von Indianern gefangen genommen, aufgehalten. Zu seinem Unglück mußten die Verbrecher erfahren haben, daß er krank darnieder liege, sie würden sich sonst wohl kaum an ihn gewagt haben, denn daß er seinen Schuß nie fehlte, war bekannt.

Niemand war bei ihm im Haus gewesen als seine Frau und diese erzählte jetzt, daß der Ueberfall durch sechs fremde Männer geschehen sei, die sie wenigstens früher nie am Fourche-la-Fave gesehen. Nur der Eine von ihnen, und wie es schien, der Anführer der Schaar, habe ein geschwärztes Gesicht gehabt und sei ihr bekannt vorgekommen, sie wäre aber nicht im Stande, irgend einen bestimmten Namen zu bezeichnen.

Daß die Räuber mitgenommen hatten, was sie irgend gebrauchen konnten, versteht sich von selbst, besonders Well's zwei Büchsen und alle Munition, aber auch sonst noch an Fellen und Pelzwerk, was gerade da war, und außerdem eine Menge anderer Dinge, die für sie selber keinen Werth haben konnten. Die Vermuthung lag deshalb nahe, daß sie das Geraubte nach irgend einem Versteck gebracht, oder auch vielleicht durch irgend einen Zwischenhändler nach Little Rock zum Verkauf geschickt hatten.

Die alten Backwoodsmen rüsteten sich jetzt so gut sie konnten, aber was waren sie im Stand zu thun, wo sie sich einzeln nur auf ihrem von jeder Hülfe entfernten Platz im Wald befanden. Möglich war auch, daß es nur ein vereinzelter Raubzug gewesen, denn volle acht Tage lang hörte man Nichts mehr von Räubern, bis sie auf's Neue, und dies mal mit wahrhaft teuflischer Bosheit auftraten.