Oben am Fourche wohnte ebenfalls ein alter Ansiedler Hogan, der, wie es dort hieß, vor kurzer Zeit auf einem Jagdzug in den Ozarkgebirgen, eine jener Silberminen entdeckt haben sollte, von denen man sich erzählte, daß schon vor vierzig und funfzig Jahren Venetianer aus dem Osten gekommen wären, um sie heimlich zu bearbeiten. Ob etwas an der Sache war oder nicht, konnte natürlich Niemand sagen, aber wie derartige Gerüchte rasch überhand nehmen, so wollte man schon hie und da wissen, daß Hogan zu Fuß zurückgekehrt sei, weil sein Thier kaum im Stande gewesen sei, die schweren Silberstücke fortzuschaffen, die er dort zwischen den Steinen gefunden – und das gerade mußte die Räuber angezogen haben.

Hogan selber begegneten sie draußen im Wald oder lauerten ihm auch vielleicht auf und schossen ihn gleich nieder, dann hatten sie leichte Mühe mit seinem Haus, in dem sie nur die alte Frau, ein paar junge Mädchen und zwei kleine Knaben fanden. Der Platz wurde umstellt, und nun sollte die Frau bekennen, wo sie das Silber versteckt halte, das ihr Mann aus den Bergen mitgebracht habe. Die Frau beschwor zwar die Männer nicht zu glauben, was sich das Volk am Fourche-la-fave erzähle. Ihr Mann sei allerdings oben am Whiteriver in den Ozarkgebirgen gewesen, aber nur um sich einen Platz zur Ansiedlung auszusuchen. Silber habe er gar nicht gefunden und nur ein paar bunte Steine mitgebracht, mit denen die Kinder eine Weile gespielt und sie dann weggeworfen hätten. Die Steine würden auch wohl die erste Ursache zu dem Gerüchte gegeben haben, an dem aber nicht eine Sylbe Wahres sei.

Der Führer der Schaar, der wieder ein geschwärztes Gesicht trug, hielt sich, wie die Kinder später aussagten, die Zeit über an der Thür des Hauses und gab von dort aus seine Befehle. Er betrug sich gerade so, als ob er fürchte, erkannt zu werden. Der Bericht der Frau aber wurde von den Jay-hawkern mit wilden Flüchen beantwortet. Ihr Leugnen helfe ihr Nichts – man wisse genau, daß sie das Silber im Haus versteckt halte und wenn sie es nicht gutwillig herausgebe, wolle man sie schon zu einem Geständniß zwingen.

Die Frau weinte und flehte, die Kinder schrieen. Der Eine der rohen Buben nahm den ersten Knaben und schleuderte ihn mit solcher Gewalt in die Ecke, daß er dort winselnd am Boden liegen blieb, dann sprang ein Anderer zum Kamin und stieß die Kohlen mit dem Fuß auseinander und nun setzten sie die alte Frau, die in Todesangst um Erbarmen bat, auf einen Stuhl, banden sie dort fest, umschnürten ihr die nackten Füße mit einem Seil und hielten sie gewaltsam über die glühenden Kohlen.

Die Frau kreischte laut auf, die Töchter warfen sich den Räubern zu Füßen – umsonst. Die Frau sollte gestehen, wo Silber, das sie in ihrem Leben nicht gesehen, versteckt sei, und als sie endlich ohnmächtig wurde, ließ man sie los und vom Stuhle herunter fallen, und durchwühlte nun die Hütte von oben bis unten, riß die Dielen auf, grub den Heerd auf und verwandelte die ruhige stille Heimath guter friedlicher Menschen in wenigen Minuten in eine Wüste. Silber fanden sie natürlich nicht, nur den ärmlichen, schon halb zerstörten Hausrath eines Backwoodsman, und aus Wuth, mit allen Rohheiten gegen die Töchter selber, streuten sie zuletzt die glühenden Kohlen und Feuerbrände im Haus umher, schichteten das Stroh aus den Betten darauf und verließen erst den Platz, als sie sich überzeugt hatten, daß er in hellen Flammen stand.

Die Frau starb, unter den furchtbarsten Schmerzen noch in der nämlichen Nacht – die Mädchen flüchteten mit den kleineren Kindern in den Wald, weil sie die Rückkehr der Räuber fürchteten und wagten sich erst, halb verhungert, nach einigen Tagen wieder vor, um eines Nachbars Wohnung und dort Schutz zu suchen.

Jetzt folgten die Ueberfälle rasch einer dem anderen, und Rankins, ein alter Ansiedler in der Nachbarschaft, ließ sich endlich durch die dringenden Bitten der Seinen bewegen, in den Wald und den Buben aus dem Weg zu gehen, denn sie hatten schon nach ihm gefragt, und daß sie kein Erbarmen kannten, wußte man. Er ging auch und hielt sich 14 Tage lang versteckt, bekam aber draußen das Fieber und mußte, da er nicht jagen konnte, eines Abends wieder zurück, um sich Lebensmittel zu holen.

Von den Jay-hawkern hatte man die letzten Tage Nichts gehört, denn wieder waren Unions-Truppen durch gekommen, von denen eine Abtheilung sogar nach ihnen suchte, weil man vermuthete, daß sie mit den Bushwhackern in Verbindung ständen. Aber vergebens; die Verbrecher mußten über alle gegen sie beabsichtigten Bewegungen gut unterrichtet sein, denn sie ließen sich nicht eher wieder blicken, als bis sich die Truppe entfernt hatte.

Rankins war in der Zeit gerade zurückgekommen, und die Frauen drängten ihn, sein Versteck wieder aufzusuchen, aber er weigerte sich. Nur eine Nacht müsse er, wie er meinte, wieder einmal in seinem Bett schlafen, er hielte es da draußen im kalten Wald, durch den jetzt schon die Winterstürme tobten, nicht mehr aus. Lieber von den Jay-hawkern todt geschossen werden, als da draußen elend in den nassen Büschen und Zoll bei Zoll verkommen. Morgen wolle er sie wieder verlassen, aber auch in der Nähe bleiben, und so viel Kraft werde er ja doch wohl noch haben, wenigstens den Rädelsführer der Schurken von seinem Pferd zu schießen.

Die Nacht verging ruhig, und als der Morgen graute, stand die Frau auf, um Caffee zu kochen und dem Mann seine mitzunehmenden Lebensmittel zurecht zu legen.