Rankins Haus stand etwa eine englische Meile vom Fourche-la-Fave ab, an der Countystraße nach Little Rock, da dröhnte plötzlich in dem stillen Morgen der Hufschlag rasch herangaloppirender Pferde durch den Wald.
Das sind gewiß Soldaten, rief Frau Rankins, der aber doch das Herz in der Brust zu hämmern anfing. Rankins selber, eben wach geworden, sprang, wie er war aus dem Bett und griff seine neben ihm lehnende Büchse auf. Aber die Reiter brachen schon hervor – wie ein wildes Wetter sprengten sie gegen die niedere Umzäunung an und setzten mit ihren Thieren in voller Flucht darüber hin. Das Pferd des Einen stürzte und warf seinen Reiter gegen das Haus. Der eine der Männer trug wieder das geschwärzte Gesicht.
Teufel! schrie der alte Rankins und seine Büchse fuhr empor, aber zu gleicher Zeit zerschmetterte eine Kugel seinen Arm, eine andere traf ihn in den Hals und zurücktaumelnd fing ihn seine Frau auf und bog sich jammernd über ihn.
Im Nu waren die Räuber jetzt aus den Sätteln und das Rauben und Plündern begann, wie in alter Weise, nur daß sie hier noch wilde Flüche ausstießen und den Sterbenden einen verdammten Abolitionisten nannten, dem sie schon lange aufgelauert hätten. Sie schwuren auch, daß sie nicht eher Frieden geben würden, bis sie die ganze »Range« von allen Vaterlandsverräthern gesäubert und reine Bahn für die Südstaaten gemacht hätten und schlossen dann ihre Blutarbeit wie gewöhnlich, indem sie einen Feuerbrand unter das Dach warfen, und dann direct in den Wald hineinritten.
Rankins Knaben, einem Burschen von etwa 10 Jahren, der bei Annäherung der Räuber entwischt war, und der dicht dabei im Busch auf der Lauer gelegen, gelang es zwar das Feuer wieder zu löschen, aber das angerichtete Elend konnte er nicht mehr ungeschehen machen. Der alte Rankins war todt und die Frauen erfüllten mit ihrem Wehgeschrei die Luft.
Noch an dem nämlichen Abend überfielen die Jay-hawker eine andere Ansiedlung, erschlugen den alten Hewes, dem sie gehörte, und waren im Begriff eine seiner Töchter mit in den Wald zu schleppen, als glücklicher Weise ein kleiner Trupp Cavallerie angesprengt kam und sie, zum großen Theil selbst die gemachte Beute im Stich lassend, in den Wald flüchten mußten. Allerdings setzten ihnen die Soldaten nach und es gelang ihnen auch, Einen von ihnen vom Pferd zu schießen. Die Andern entkamen aber, und die Patrouille war nicht stark genug, um sich zu weit mit ihren überdies schon ermüdeten Thieren in die Berge hinein zu wagen.
Den erschossenen Räuber kannte übrigens Niemand; er mußte mit seinen Genossen von irgend einem andern Staat oder County herübergekommen sein. Uebrigens fanden sie eine Menge Werthsachen, zwei Uhren, sechs oder acht Goldstücke und eine goldene Kette bei ihm, Dinge, die natürlich gleich als gute Beute erklärt wurden, denn die Burschen konnten Alles gebrauchen. Dann ließ man den Körper an der Straße, wohin man ihn geschleppt, liegen, damit die Nachbarn ihn betrachten und, wenn sie wollten, auch begraben konnten. Das war aber kaum nöthig, denn Wölfe gab es dort genug im Walde, die den Cadaver schon beseitigen würden.
Es schien fast, als ob die Räuber durch diese Ueberraschung eingeschüchtert wären; man hörte wenigstens lange Nichts von ihnen, bis sie plötzlich in der Nähe des Arkansas und an der Mündung des Fourche-la-fave wieder auftauchten.
Klingelhöffers alten Platz, wo er früher gewohnt, plünderten sie total aus, fanden aber glücklicher Weise den Eigenthümer nicht. Klingelhöffer selber erhielt gleich danach Botschaft von Perryville, und die Warnung, auf seiner Hut zu sein und lieber mit seiner Familie in die »Stadt« zu kommen, denn man vermuthete natürlich, daß ihm jetzt der nächste Besuch zugedacht sein würde. Der alte Mann war aber nicht dazu zu bringen, seinen Platz zu verlassen. Nach dem Tod des einzigen Sohnes lag ihm selber Nichts am Leben, und nur seine noch von Deutschland herübergebrachten Gewehre, eine Doppelflinte, eine Büchsflinte und eine Pirschbüchse brachte er in Ordnung und lud sie frisch, verbarrikadirte dann seine Fenz und schwur, daß er wenigstens fünf von ihnen unschädlich machen wollte, wenn sie es wagen sollten, die Hand an seine Umzäunung zu legen.
Sie kamen aber nicht dorthin – der Platz lag ihnen unbequem, gerade auf der Spitze zwischen dem Fourche und Arkansas. Sie konnten keine sichere Nachricht erhalten, ob nicht dort vielleicht gerade die jetzt fortwährend vorbeipassirenden Dampfer der Yankees, die häufig bei Klingelhöffer anlegten, um Hühner, Eier, oder andere Provisionen zu kaufen, Bewaffnete an Land gesetzt hätten, und durch den einen Ueberfall schüchtern, oder wenigstens vorsichtig gemacht, schienen sie keine rechte Lust zu haben, sich in diese Art von Falle, wo es nur nach einer Richtung hin einen Rückweg gab, zu begeben.