»Wollt Ihr nicht in das Haus treten?« sagte das Mädchen.

»Gleich,« erwiederte der Mann, der wie es schien, den rechten Fuß nicht gut gebrauchen konnte; indem er sich überall im Hofe umsah. »Muß mir nur erst einmal einen Platz aussuchen, wo ich mich ein wenig ausruhen kann.« Er humpelte dabei auf einen, etwa funfzehn Schritt vom Haus entfernten Klotz zu, auf den er sich setzte und dabei seinen rechten Fuß in die Höhe nahm, als ob er Schmerzen darin habe.

»Fehlt Euch etwas?« frug Betsy theilnehmend.

»Hm, nichts Besonderes, bin nur damals, als wir auf der Flucht waren, mit dem Pferd gestürzt und habe mir ein Bischen weh gethan.«

»Auf der Flucht?«

»Ja,« sagte der Mann – »die verdammten Sesesch kamen hinter uns her, und ich und der Sohn hier vom Hause –«

»Bringt Ihr Nachricht von meinem Bruder?« rief Betsy rasch – »oh Pa, hier ist ein Mann, der Jim kennt – oh habt Ihr Nachricht von ihm.«

»Weiter Nichts als einen Brief,« sagte der Fremde, indem er ein zusammengefaltetes Papier aus der Tasche nahm – »aber nein Miß,« rief er, als Betsy hastig danach greifen wollte – »habe ihm fest versprechen müssen, es nur in die Hände des alten Herrn selber abzugeben.«

»Ein Brief? ein Brief von Jim?« rief jetzt auch der alte Mann, der vor Aufregung zitternd in die Thür trat, die zwei Stufen daran hinabstieg und auf den Fremden zueilte. »Oh gebt ihn her – wie lange habe ich von dem Jungen Nichts gehört.«

Der Fremde reichte ihm jetzt ohne Weiteres das Papier, das er mit bebenden Händen öffnete. Da knallte von der Fenz herüber, und kaum zwanzig Schritt von ihnen entfernt, ein Schuß und Betsy wandte sich rasch und erschreckt dorthin. In demselben Moment aber brach auch ihr Vater, das Papier noch in der Hand haltend, wo er stand zusammen, und mit einem Angstschrei warf sich die Tochter über ihn. Aber nicht lange sollte sie sich ihrem Schmerz hingeben dürfen. Wilder Lärm störte sie auf und als sie den Blick zurückwarf, sah sie fünf, sechs Männer über die Fenz springen. Die Hunde fuhren allerdings wie rasend auf sie ein, aber ebenso viele Revolverschüsse knallten ihnen entgegen und trieben sie heulend zurück, während Einer der Burschen – der Jay-hawker mit dem geschwärzten Gesicht direct auf Betsy zusprang.