Boyles sah auf und erkannte den noch immer in der Uniform steckenden jungen Mann nicht gleich. Die Uniform selber gefiel ihm ebenfalls nicht, denn er war mit Leib und Seele Sesesch – ja, einen Moment schien es fast, als ob er nicht übel Lust habe, wieder mit seinem Canoe zurückzukehren. Klingelhöffer selber machte aber seinen Zweifeln ein Ende:

»Kommt herauf Mann, Ihr seid hier unter Freunden und habt Nichts zu fürchten. Kennt Ihr Jim Jenkins nicht mehr?«

»Jim, bei Gott!« sagte Boyles – »das ist recht – den wollte ich gerade sprechen – das trifft sich glücklich;« er sprang jetzt die steile Sandbank mehr hinauf, als er sie stieg und stand auch wenige Minuten später inmitten der jungen Leute, die ihn wohl freundlich aber trotzdem nicht herzlich grüßten. Boyles war ihnen nie ein angenehmer Nachbar gewesen und daß er sich so ganz zur Partei der Sclavenhalter schlug, auch selber der Einzige fast in der ganzen Nachbarschaft war, der Neger hielt, konnte sie ihm nicht geneigter machen.

Von den Negern waren übrigens nur noch zwei auf der ganzen Plantage geblieben, die Uebrigen aber, sobald die Unionisten dort einrückten, nach Little Rock gelaufen. Was sollten sie jetzt noch arbeiten, wo sie freie Leute geworden waren. Boyles selber mochte auch früher wohl zwischen den einfachen Backwoodsmen ein wenig den Pflanzer gespielt, und sich etwas vornehmer als die Nachbarn gedäucht haben. Er war in der That reicher und sein Haus wohnlicher und bequemer eingerichtet gewesen als die der Uebrigen, bis die Emancipation der Neger auch ihn ruinirte, oder doch wenigstens seine großen Plantagen, deren er zwei besaß, werthlos machte.

Die eine in Missouri liegende, hatte er aber glücklicher Weise vor kurzer Zeit noch zu einem ziemlich guten Preis verkaufen können, denn gerade jetzt glaubten manche Farmer im Norden einen guten Handel zu machen, wenn sie sich ohne Sclavenarbeit im Süden niederließen. Allerdings war das erste immer ein Experiment, aber es fand trotzdem Nachahmer, und die südlichen Pflanzer, die nach dem Fall von Vicksburg die Unterwerfung des Südens mit Recht für unausbleiblich hielten, verkauften unter solchen Umständen nur zu gern.

Klingelhöffer wunderte sich allerdings, daß gerade Boyles ihm einen Besuch abstattete; denn wenn sie auch miteinander in Frieden lebten, hatten sie sich – schon ihrer verschiedenen politischen Ansichten wegen – bisher viel eher gemieden als gesucht. Er sollte aber darüber bald eine Erklärung erhalten, denn kaum betrat Boyles das Haus, als er auch schon ausrief:

»Gott sei ewig gedankt, daß ich hier brave und wackere Männer finde, die einen Freund gegen Räuber und Mörder schützen können.«

»Hallo,« rief John Wells, von seinem Stuhl aufspringend, denn er selber haßte den alten Boyles, mit dessen Sohn er auch früher einmal Streit gehabt, und nahm deshalb wenig Notiz von ihm. Seine Worte aber machten ihn aufmerksam, denn sie deuteten auf das Einzige, was in diesem Augenblick seine ganze Seele füllte – die Spur der Jay-hawker – »wißt Ihr was von den Schuften? – Haben sie Euch ebenfalls einen Besuch abgestattet?«

»Ach was,« rief Jenkins; »wir haben ja ihre Spuren in den Wald hinein verfolgt. Nach dem Mamelle werden sie hinüber sein – nicht über den Arkansas.«

»Nein,« rief Boyles rasch, – »drüben sind sie – vorgestern haben sie den Strom etwa drei Miles unterhalb in zwei großen Canoes gekreuzt – Warner, der gerade von Little Rock kam, hat sie gesehen.«