Jim, den Revolver neben sich legend, warf sich auf ihn, riß aus seiner Tasche ein Stück derbes Seil, wie es meist alle Jäger bei sich führen, und schnürte ihm damit die Hände auf den Rücken – jetzt erst hatte er ihn sicher und nur der eine Wunsch drängte sich über seine Lippen: Oh, wäre John jetzt hier! – Aber dem Gedanken gab er sich nicht weiter hin, denn wer wußte wo der Freund jetzt war. Die Schnur reichte noch gerade aus, um den Gefangenen an einen jungen Stamm anzubinden. Nicht weit davon stand ein niederer Dogwood, dorthin schleppte er ihn und hatte sich seiner vollkommen versichert, als der bis dahin vollständig Bewußtlose seine Besinnung wieder gewann.
Aber er kümmerte sich in dem Augenblick gar nicht um ihn – und zu dem Felsblock sprang er, um von dort seinen Zügel herüber zu holen und als er jubelnd wieder zurück zu dem Gefangenen eilte, hatte sich Hendricks halb auf seinem Ellbogen aufgerichtet und starrte ihn mit stieren entsetzten Blicken an.
»Jenkins« – war Alles was sich seiner Brust entrang – »oh mein Gott!«
»Ja ruf Deinen Gott an, Schuft,« lachte aber der junge Backwoodsman, ingrimmig zwischen den zusammengebissenen Zähnen durch. »Der, zu dem Du betest, ist der Teufel, der Dich so lange beschützt hat – aber Deine Zeit ist um. Du siehst die Sonne nicht wieder.«
»Jenkins,« sagte Hendricks mit leiser, heiserer Stimme, »Ihr wollt mich doch nicht hier in der Nacht mit kaltem Blut morden.«
»Gerade recht mahnst Du mich an das kalte Blut, mit dem Du meinen armen alten Vater und den alten Wells, Rankins Hogan und viele Andere ermordet hast. Scheusal wie es kein zweites die Welt trägt – aber Deine Zeit ist um; Erbarmen hast Du von mir nicht zu hoffen.«
»Jenkins,« stöhnte Hendricks – »ich bin reich – ich habe bei Blumenthal viel Geld vergraben – es soll Alles Euer sein, wenn Ihr mich nur dorthin führt, und ich bleibe ja doch in Eurer Gewalt.«
»Dein Blutgeld, nicht wahr, um das Du auch wohl den armen Deutschen ermordet?« – knirschte Jim – »Deine Zeit ist um und Bitten oder Versprechungen helfen Dir nicht mehr.«
Noch während er sprach hatte er den starken Zügel von dem Gebiß gelöst und eine Schlinge daraus geformt. Jetzt sah er zu dem Dogwood auf – einer der Aeste zog sich gerade etwa hoch genug über dem Gefangenen hin und so, daß er ihn bequem erreichen konnte. Hendricks suchte mit der Kraft der Verzweiflung die Bande, die ihn hielten, zu zerreißen und Jim hielt dabei vorsichtig den Revolver in der Hand – doch das Seil hielt; er schob die Waffe wieder in den Gürtel zurück, und ging dann kaltblütig daran, den Riemen über den Ast zu werfen und zu befestigen.
»Jenkins,« flehte Hendricks, »seid ein Mensch! Um Gottes Barmherzigkeit willen mordet mich nicht hier im dunklen Wald – o, laßt mich nur leben, bis der Tag anbricht, nur noch eine Stunde, um meine Sünden zu bekennen. Ich habe viel verbrochen. – Ihr müßt mich hören.«