Allerdings boten diese auch ein reizendes Landschaftsbild; denn das frische, saftige Grün der Baumwipfel mischte sich freundlich mit dem Graubraun der wunderlich geformten Dächer und dazwischen wirbelte der blaue Rauch langsam in die Höhe. Aber das Auge der Seeleute verließ im Moment das ländliche Bild und haftete auf einem anderen Gegenstand, der fest am Ufer und halb noch vom Gesträuch verdeckt in diesem Moment erst sichtbar wurde – einem Wrack.

Die Ueberreste eines verloren gegangenen Fahrzeugs sind für den Seemann immer von Interesse, denn unwillkürlich erinnern und mahnen sie ihn daran, daß sein eigenes Seeboot ein ähnliches Schicksal treffen kann. Hier aber drang sich ihnen unwillkürlich die Frage auf: Wie nur das Wrack dort hingekommen, wo es lag? Denn gestrandet konnte es an jener Stelle ganz unmöglich sein. Würde ja doch kein Seemann der Welt mit seinem Fahrzeug in diese landumschlossene und ziemlich seichte Bucht eingedrungen sein, ohne vorher genau zu untersuchen, wie weit er sich vorwagen könne. Ebensowenig konnte es ein Sturm, die außerdem nie in der unmittelbaren Nähe der Linie wüthen, herein verschlagen haben, denn dafür trat die eine Landspitze viel zu weit vor. Hatten die Eingebornen das Fahrzeug etwa überfallen, geplündert und hiehergeschleppt? Dann stand ihnen selber auch kein freundlicher Empfang bevor und fast unwillkürlich warf der Steuermann den Blick zurück, die Möglichkeit eines Rückzugs zu überschauen.

Dafür zeigten sich freilich im Augenblick schlechte Aussichten, denn erstlich waren sie mit der Brise eingelaufen, dann führte sie die steigende Fluth rasch in die Bucht hinein und außerdem bemerkte er auch jetzt, daß sich vier oder fünf Kanoes mit Eingebornen hinter ihnen vom Lande abgelöst hatten und ihnen folgten. Und sollten sie jetzt plötzlich Furcht zeigen? Nein! der Steuermann besaß überdieß kecken Muth genug, sich nicht durch eine, nur erst drohende Gefahr einschüchtern zu lassen, und beschloß zu thun, was er eben nicht mehr vermeiden konnte – gerade voraus zu halten, in die Bucht hinein.

Sie passirten jetzt das Wrack! Was es gewesen, ließ sich nicht leicht erkennen, denn die Masten fehlten und nur an einigen Stellen hing noch das stärkere Takelwerk unordentlich über Bord. Dem Steuermann schien es eine Brigg gewesen zu sein; er gab sich aber umsonst Mühe, den Namen heraus zu bekommen, denn obgleich es mit dem Stern der Bucht zu lag, schienen die Eingebornen das dort gewöhnlich angebrachte Namensbret entweder herausgeschlagen oder unleserlich gemacht zu haben, mußten also wissen, daß man daran das Schiff erkannt hätte, und fühlten sich also auch nicht ganz rein bei der Sache.

»Steuermann,« brummte der Doktor, als sie vorüberglitten, »dort liegt ein Memento Mori, eine Art von Todtenkopf und die alten Planken würden vielleicht viel zu erzählen wissen. Ein Glück, daß wir nicht gleich mit dem Schooner vor Anker gegangen sind.«

»Bah,« sagte der Steuermann, der sich nicht wollte merken lassen, daß er eben erst ganz ähnliche Gedanken gehabt; »vom Schooner sollen sie die Fäuste schon lassen.«

»Hm, ja – vielleicht – aber von uns?«

»Und was wäre bei uns zu holen? Nichts als heißes Blei!« lautete die ziemlich mürrische Antwort. »Zum Teufel auch, Kamerad, wenn Ihr Euch fürchtet, hättet Ihr an Bord bleiben sollen.«

»Fürchten?« lachte der Doktor; »ich habe wohl schon davon gehört, weiß aber nicht, was es bedeutet, und der Erfolg wird es lehren. Ich wäre auch der Letzte, der zurückginge, also vorwärts, Mate, wir sitzen einmal drin und müssen die Geschichte jetzt auch zu Ende führen.«

»Und dort ist die Landung!« rief der Steuermann, als er jetzt am Ufer eine Anzahl dunkler Gestalten bemerkte, die ihnen grüne Büsche entgegenschwenkten und damit zu winken schienen.