»Nein,« sagte der Schwarzbraune ganz ernsthaft, indem er ein Stück von seinem Tabak abbiß.

Der Amerikaner schüttelte mit dem Kopf. Der Abgesandte selber sah allerdings nicht so aus, als ob es in seinem Lande viel Werthvolles zu verhandeln gäbe, oder die Eingebornen irgend welche Bedürfnisse hätten. Er ging, bis auf den blauen Schurz, völlig unbekleidet, und trug auch nicht die Spur von Schmuck oder sonstigem Zierrath, viel weniger denn von Gold an sich. Lohnte es überhaupt der Mühe, sich mit diesem Volk einzulassen? Aber der Versuch mußte jedenfalls gemacht werden, denn der Weg, den sie dazu hierher gekommen, war zu weit und lang gewesen. Er brauchte auch Früchte und frisches Fleisch, um seinen Leuten eine Veränderung der Kost zu gewähren, und dann erfuhren sie dort vielleicht etwas über die benachbarten Küstenstriche, und wo es am Vortheilhaftesten sein würde, anzulaufen, um die werthvollsten Produkte dieses Welttheils einzutauschen und überhaupt zu finden.

Der Eingeborne, eine schlanke, kräftige Gestalt, der eben so hier hergekommen schien, wie er heute Morgen von seinem Lager aufgesprungen sein mochte, und nur sein schwarzes Wollenhaar in unzählige kleine Zöpfe geflochten und an den Spitzen mit einem weißen Baumwollfaden umwickelt hatte, erwartete indessen in aller Ruhe die Antwort des Kapitäns. Während er selber fast regungslos blieb, rollte er das Weiße seiner Augen nach allen Seiten des Decks. Er war sich jedenfalls seiner Würde als Abgesandter bewußt und durfte sich nichts vergeben.

Kapitän Oacutt hatte aber sein Boot ja schon bereit liegen, und es galt nur jetzt noch, die verlangten Geschenke für den König, die er allerdings nicht für nöthig gehalten, beizufügen. Das konnte rasch geschehen sein, und der Bote bekam deßhalb die Antwort, sie würden nicht versäumen, den König zu begrüßen und hofften dann einen freundschaftlichen Verkehr mit dem Lande herzustellen. Der Schwarze nickte auch bloß mit dem Kopf, drehte sich dann um, stieg die Treppe wieder hinab, und wenige Sekunden später blieb das Kanoe zurück und hielt dem Lande zu.

Zweites Kapitel.
König Zambiri.

Kapitän Oacutt ging jetzt augenblicklich daran, das auszusuchen, was er dem Oberhaupt der Wilden als Einführungsgeschenk überschicken wollte. Er zeigte sich aber nicht besonders wählerisch darin, denn er wußte aus Erfahrung, daß man einen derartigen Häuptling nicht gleich von Anfang an verwöhnen durfte, sonst wurde er gierig auf mehr, und ein einträglicher Handel war unmöglich.

Am Liebsten wäre er freilich selber mit an Land gefahren, aber er durfte als Kapitän das Schiff nicht verlassen, und sein Steuermann war wohl auf See tüchtig, und dabei keck und unerschrocken und nicht so leicht eingeschüchtert, aber doch kaum gewandt genug, wo irgend eine Form erfordert wurde. Da erbot sich Doktor Spruce, ein junger Irländer, den er als Passagier von Sydney nach der Kapstadt mitgenommen, das Boot zu begleiten, war es doch auch eine Unterbrechung der monotonen Seefahrt, und kurze Zeit danach, nachdem das Kanoe wieder zwischen den Büschen verschwand, folgte ihm die Jölle.

Uebrigens ging die Mannschaft ganz ordentlich bewaffnet; der Steuermann wie der Doktor trugen ihre Revolver, und die Matrosen hatten Jeder einen kurzen Schiffscutlaß im Boot liegen und ein doppelläufiges Pistol im Gürtel stecken, konnten sich also schon die Feinde im Nothfalle vom Leib halten.

Der Schooner drehte, wie ihn das Boot verlassen, etwas vom Ufer ab, denn sie waren dem Lande schon fast zu nahe gekommen. Er konnte ja dort auf und ab kreuzen, bis die Leute zurückkehrten und ihm Bericht abstatteten. Lohnte es dann der Mühe und hielt man sich für sicher genug, so war es noch immer Zeit, vor Anker zu gehen und einen Tauschhandel zu eröffnen. Unter der Zeit segelte das Boot mit leichter Brise dem nicht mehr so fernen Land entgegen, und es ist für den Seefahrer stets ein eigenthümliches Gefühl, in solcher Weise eine fremde, von wilden oder doch wenigstens uncivilisirten Stämmen bewohnte Küste zu betreten. Gibt man sich doch immer dadurch mehr oder weniger in die Gewalt oft sehr zweifelhafter Horden. Aber es hat auch wieder einen ganz eigenthümlichen Reiz, den Reiz der unbekannten Gefahr mit der Sehnsucht, die der Matrose stets nach festem Lande trägt, wenn er sich gar zu lange Zeit auf Salzwasser herumgetrieben. Er will wieder einmal den blauen Himmel durch Gesträuch und Baumzweige, nicht mehr durch das Gewirr seiner Taue betrachten. Er will Vögel und Frauenstimmen hören, sich an einer frischen Quelle satt trinken und die reife saftige Frucht selbst vom Ast pflücken; daß ihn dabei der Speer oder Pfeil eines Wilden bedrohen könne, kümmert ihn wenig – wenigstens nie genug, um den Versuch nicht zu wagen.

So betrachteten auch jetzt die anfahrenden Seeleute das immer deutlicher heraustretende Land mit steigendem Interesse, und nichts entging ihren spähenden Blicken. Schon konnten sie einige niedere Hütten erkennen und hielten diese Anfangs für die Hafenstadt, aber je näher sie kamen, desto mehr schob sich das Land auseinander, und nach rechts hinein öffnete sich plötzlich eine geräumige Bucht, an deren Rand, unter Palmen und hochstämmigen Laubbäumen, eine dichte Gruppe von Häusern stand.