»Gut Bob, so soll's sein. Du hast Recht, die Zeit ist danach angethan, daß wir hier Alle zusammenhalten, und ich werd' es wahrhaftig nicht sein, der den ersten Streit in die »Range« würfe. Sei willkommen.«

»So recht Jungens,« nickte der Alte, der schweigend der kleinen Versöhnungsscene zugeschaut. »Wir können hier in der That keine Uneinigkeit gebrauchen, denn wer weiß wie bald wir Einer den Andern nöthig haben, wenn das Unglück auch über uns hereinbrechen sollte. Und nun kommt herein Hendricks; das Frühstück wird gleich fertig sein, die Betsy bettelt sich nur noch da drüben die Milch von der Kuh, die ebenfalls halsstarrig zu sein scheint. Kommt Mann und drin könnt Ihr uns sagen, was Euch zu diesem Winkel von Arkansas hergeführt, denn Besuch bekomme ich verwünscht selten, wenn nicht einmal ab oder zu ein einzelnes Canoe bei mir anlegt.«

Hendricks dankte freundlich, schien aber doch noch keine rechte Lust zu haben der Einladung ohne Weiteres zu folgen, denn Betsy trat eben mit ihrem kleinen Melkkübel aus der Umzäunung und kam auf sie zu.

»Wie geht's Miß Betsy,« sagte Hendricks, ihr ein Paar Schritt entgegengehend und ihr die Hand reichend – »Sie sehen wohl und munter aus, und die Arkansas-Niederung scheint Ihnen vortrefflich zu bekommen.«

»Danke Sir,« sagte das junge Mädchen, leicht erröthend, »ich habe ja auch, Gott sei Dank, noch kein Fieber hier gehabt; Pa und Ma aber desto mehr.«

»Bah, das richtet sich Alles ein,« brummte der Alte, »wenn man sich nur erst einmal ein Bischen an die warme feuchte Luft gewöhnt hat. Das Land hier ist aber desto besser. Seht einmal die Maiskolben an, Hendricks, ob Ihr je in Euerem Leben größere getroffen habt. So lange ich und mein Junge leben bleiben, hält auch der Boden aus; in dem ist kein Vergang.«

Das Gespräch kam jetzt auf die Fruchtbarkeit der verschiedenen Distrikte, in dem die Farmer unerschöpflich sind, und Betsy war indessen in das Haus gegangen, um den Frühstückstisch zu bestellen, denn die Mutter hatte wieder einen »Anfall« des ewigen kalten Fiebers und saß, sich schüttelnd, am Camin in der Ecke, die offenen zitternden Hände gegen die Flamme ausgebreitet.

Bei dem Frühstück, das übrigens frugal genug aus etwas gebratenem Speck, warmem Weisbrod und einem Becher Kaffee oder Milch bestand, erzählte nun auch der Gast seinen Wirthen, daß er gesonnen sei, den Petite Jeanne zu verlassen, denn man wohne dorten gewissermaßen aus der Welt. Er wollte deshalb herüber an den Fourche ziehen, wo er sich schon, ein Stück weiter oben einen Platz ausgesucht habe, um eine Dampfsägemühle aufzustellen. Er hatte, wie er bemerkte, eine Masse Vieh im Walde herumlaufen, das jetzt einen nie dagewesenen hohen Preis in Little Rock brachte. Dorthin wollte er es nun, ehe er wieder zur Armee ging, treiben und verkaufen und dafür eine auf Speculation nach der Stadt gebrachte Sägemühle erstehen, die in der jetzigen Zeit natürlich kein Mensch haben wollte noch auch gebrauchen konnte, und die er unter solchen Umständen – wie er sich auch schon erkundigt – zu einem Spottpreis bekam.

Der alte Jenkins nickte dazu beistimmend vor sich hin, denn was der junge Mann da vorrechnete, hatte Hand und Fuß, während sie Nichts nothwendiger in der range brauchten, wie gerade eine schon lang ersehnte Sägemühle, die auch wahrscheinlich vortreffliche Geschäfte machen würde. Das nur war ihm dabei etwas Neues, daß Hendricks so viel Vieh haben sollte, denn der alte Hendricks, der eine kleine Farm am Petite Jeanne angelegt hatte und fast gar Nichts selber arbeitete, denn er saß den ganzen geschlagenen Tag im Hause und las in der Bibel, war blutarm – so wenigstens erzählte man sich am Fourche-la-fave. Uebrigens bestand nicht viel Verbindung zwischen den beiden kleinen Flüssen. Nicht einmal ein Weg führte vom unteren Theil der Fourche-la-fave hinüber, und irrige Nachrichten konnten deshalb wohl recht gut verbreitet sein.

Der alte Jenkins dachte auch gar nicht daran, über die Verhältnisse eines Nachbars nachzugrübeln. Das war dessen Sache, und wenn sich der Sohn Geld erworben oder Vieh gezogen hatte, desto besser. Jenkins war wahrlich nicht neidischer Natur, um es ihm zu mißgönnen. Seine eigene Arbeit durfte er aber dabei nicht versäumen, und wie sie nun das Frühstück beendet, ging er wieder hinaus, um seinen Axtstiel fertig zu schnitzen und dann dem eigenen Sohn mit der corncrib zu helfen.