Zweites Kapitel.
Der Korb.

Für den Augenblick war die Gefahr, die dem stillen Frieden dieser Gegend drohte, abgewehrt; denn wenn auch der Major noch sein Bestes versuchte, die Zurückgebliebenen wenigstens, von denen noch dazu die Meisten auf seiner Seite standen, zu einem directen Vorgehen in diesem Sinne zu bewegen, so hatte sich doch die Meinung des Fourche-la-Fave kurz vorher zu entschieden ausgesprochen, um auf einen Erfolg hoffen zu können. Der Samen war aber einmal ausgestreut und von diesem Tag an begann eine Art von Unruhe in der ganzen Range, die man bis jetzt und so lange der Krieg währte, noch nicht gekannt hatte.

Allerdings verließ Major Rollock mit den übrigen Sesesch-Soldaten die Ansiedlung, um drüben am Petite Jeanne sein Glück und wie sich später zeigte mit besserem Erfolg zu probiren; Hendricks aber, der eine Menge Bekannte am Fourche-la-Fave hatte, blieb zurück und schien dabei auch nicht besonders durch den Wortstreit eingeschüchtert zu sein, den er mit einigen der jungen Leute gehabt. Er war ihm ungelegen gekommen, ja – noch dazu mit einem der jungen Backwoodsmen, aber er wußte auch recht gut, daß deren Blut rasch aufbrauste, jedoch auch eben so rasch wieder durch ein freundliches Wort beruhigt werden konnte.

Acht Tage waren nach der, im vorigen Kapitel beschriebenen Versammlung etwa verflossen. Der alte Jenkins stand vor seinem Haus und hieb mit seinem kleinen Beil einen Axtstiel zurecht, sein Sohn James oder Jim, wie er kurzweg genannt wurde, war nicht weit davon beschäftigt, eine neue Corncrib oder einen Verschlag, in dem der Mais eingelegt werden sollte, aufzurichten, und Betsy, seine Schwester, ein blühendes junges Mädchen von etwa achtzehn Jahren, mit frischer Gesichtsfarbe – etwas nicht sehr gewöhnliches am Fourche, und gar so lieben, kastanienbraunen Augen, quälte sich eben in einer benachbarten Umzäunung mit einer etwas störrischen Kuh ab, die sich nicht wollte melken lassen, aber doch zuletzt der ruhigen Entschlossenheit des Mädchens nachgeben mußte. Bill, ihr jüngster Bruder, kam eben mit einem Eimer Wasser vom Fluß herauf.

»Hallo the house!« rief da eine Stimme von außerhalb der Fenz die Männer an und ein Reiter hielt dort, den Niemand der mit ihrer Arbeit Beschäftigten hatte herankommen sehen.

Die Hunde schlugen jetzt an und rannten heulend und bellend gegen die Fenz, an der sie hinaufsprangen, die Gänse schnatterten, die Hühner durch die zwischen ihnen hinfahrenden Hunde erschreckt, gakerten und es war für den Augenblick ein Skandal, in dem man nicht einmal sein eigenes Wort hören konnte.

»Ruhe, Ihr Bestien,« schrie der alte Jenkins, indem er ein Stück Holz aufgriff und zwischen die Köter hin schleuderte; »wollt Ihr Frieden geben! Hallo Hendricks, Ihr seid's? Ich glaube, Ihr wäret schon lange wieder bei der Armee, rücktet mit ihr gegen New-York vor. Kommt herein, Mann, und bleibt nicht da draußen auf Euerem Pferd halten.«

»Dank Euch, Mr. Jenkins,« sagte der junge Mann, indem er von der Einladung ohne Weiteres Gebrauch machte. Die Hunde hatten ja auch gesehen, daß ihr Herr mit dem Fremden sprach, sie also Nichts mehr drein zu reden hatten, und als dieser jetzt sein Thier draußen angebunden hatte und die kleine Pforte öffnete, zogen sie sich, wohl immer noch knurrend, aber doch keine offene Feindseligkeit mehr zeigend, unter das Haus zurück.

Jim Jenkins hatte Hendricks eigentlich erstaunt und mit nicht besonders freundlichen Blicken betrachtet. Nach dem, was neulich zwischen ihnen vorgefallen, mochte er seinen Besuch nicht erwartet haben. Aber was ging er ihn an. Sein Vater hatte ihn aufgefordert, in's Haus zu kommen, er nicht, und ohne sich deshalb weiter um ihn zu kümmern, fuhr er auch ruhig in seiner Arbeit fort. Hendricks schien aber anders zu denken, denn nachdem er dem alten Jenkins die Hand geschüttelt, ging er ohne Weiteres auf Jim zu, so daß sich der junge Mann verlegen aufrichtete, und sagte mit freundlicher, ja fast herzlicher Stimme:

»Komm Jim. Die Politik hat schon manche Freunde entzweit, sie soll es aber hier nicht im Walde thun. Wir waren Beide damals aufgeregt und heftig. Jetzt haben wir kaltes Blut und ich wenigstens habe die Sache vergessen.« Er streckte ihm dabei die Hand entgegen und wenn Jim auch wohl selber schwerlich ein erstes freundliches Wort zu ihm gesagt hätte, war er doch auch wieder viel zu offener, ehrlicher Natur, eine gebotene Hand zurückzuweisen. Er schlug ein und nickte.