»Das Gesindel,« lachte der junge Wells, »gehört aber so viel ich weiß, nur zu Eurer Parthei, denn die Unionstruppen klagen genug über die südlichen »Bushhawker«, die einzeln oder in kleinen Banden im Wald liegen und ihren Feind nur feige aus dem Hinterhalt niederschießen.«
»Und wißt Ihr einen Guerilla-Krieg, der anders zu führen wäre?« fragte Hendricks, mit einem finsteren Blick auf den Sprecher. »Hätten sich die wackern Burschen dort nicht in den Wald geworfen und setzten sie nicht jeden Tag noch ihr Leben ein, so wären die verdammten Blauröcke lange schon zu Euch hier herunter marschirt. Freilich ist es bequemer und sicherer, hier auf der Farm zu sitzen und dann und wann einmal nach einem armen Hirsch zu feuern. Der kann nicht wieder schießen.«
»Lump Du – verbrannter!« fuhr der junge Wells empor – aber Klingelhöffer sprang jetzt selber dazwischen und rief:
»Frieden hier! wir wollen keinen Streit, wir wollen aber auch keine südländischen Werber unter uns, die uns die Jungen vom Hause fortlocken. Laßt uns abstimmen darüber. Wir haben hier fast den ganzen Fourche-la-Fave versammelt. Laßt die Leute selber entscheiden, ob sie Soldaten spielen wollen oder nicht. Ich meinestheils bin dagegen; wir sind außerdem schlimm genug daran, denn mit Little Rock haben wir fast gar keinen Verkehr mehr; zu kaufen ist Nichts im Land und was wir nothwendig zur Unterhaltung unserer Familien brauchen, müssen wir uns selber ziehen. Was sagt Ihr, Jenkins?«
»Beim Alten soll's bleiben,« erwiderte der alte Mann mürrisch. »Wir brauchen keine Zwischenträger, die uns hier sagen wollen, was wir zu thun oder zu lassen haben. Ich stimme dagegen.«
»Ich auch – ich ebenfalls,« tönte es von den meisten Seiten, und nur einige der jüngeren Leute versuchten eine kleine Opposition, wurden aber so vollkommen überstimmt, daß sie gar nicht in Betracht kommen konnten. Major Rollok hatte mit finster zusammengezogenen Brauen daneben gestanden und das Resultat beobachtet, aber er war auch klug genug einzusehen, daß hier und in dieser Versammlung, in der überhaupt ein dem Süden nichts weniger als freundlicher Geist zu herrschen schien, kaum etwas würde auszurichten sein. Er mußte deshalb seine Zeit abpassen, und – war auch gerade der richtige Mann dazu.
»Gentlemen,« sagte er, als er flüchtig den Blick umhergeworfen und sich die von den jungen Leuten, die auf seiner Seite standen, rasch gemerkt hatte, »die Frage hier kommt mir nicht mehr zweifelhaft vor. Wie ich sehe, sind Sie fest entschlossen, ihre eigene Heimath zu vertheidigen, und das Land in Betracht gezogen, in dem Sie nun einmal leben, kann ich Sie kaum deshalb tadeln. Lassen wir das also. – Mr. Bockenheim, Ihr Whisky ist ausgezeichnet, ich bitte um eine andere Flasche, denn wir haben vom vielen Reden Durst bekommen.«
»Meiner ist gelöscht,« erwiederte Klingelhöffer, indem er seine Büchse über die Schulter warf und hinüber zu seinem Poney ging – »ich denke Boys, wir sind hier fertig und um eine »Spree«[1] zu halten, ist die Zeit zu ernst. Ich gehe heim.«
[1]: Spree (sprie gespr.) ein lustiges Trinkgelag – ein vergnügter Abend.
»Ich auch – wir Alle,« rief es von verschiedenen Seiten und wenn auch manche der jungen Leute noch gern den Nachmittag dort geblieben wären, folgten doch die Meisten den älteren. Nur zehn oder zwölf etwa, von denen die Meisten in Perryville selber wohnten, blieben noch zurück, um, wie sie sagten, von dem Major Näheres über den Krieg zu hören, und da diese jetzt eine verhältnißmäßig kleine Gruppe bildeten, war die kleine Stadt bald wieder so still und öde als vorher.