»Da, Freund – nehmt die Sachen und tragt sie mir –«
»Bertha,« flüsterte da eine Stimme, die ihr das Blut zum Herzen zurückdrängte, und als sie sich erschreckt danach umwandte, stand ein mit einem Poncho behangener fremder Mann auf ihrer Schwelle. Sie kannte ihn nicht – er trug einen großen dunklen Bart und den Hut fest in die Augen gezogen, rührte sich auch nicht, und nur als sie ihn erstaunt anstarrte, wiederholte er, mit der nämlichen Stimme das eine Wort, das ihren Herzschlag stocken machte: »Bertha!«
»Um der Wunden Christi Willen!« stöhnte die Frau, »wer ist denn das der – der meinen Namen –«
»Und kennst Du mich nicht mehr?«
»Ja – wach' ich denn oder träum' ich – Casper?«
»Hab' ich mich denn so verändert?« lachte er und streckte ihr die Arme entgegen, aber mit einem lauten, gellenden Freudenschrei stürzte sie auf ihn zu und umschlang ihn krampfhaft mit ihren Armen.
»Casper! Du bist's – Du – und oh mein Gott, wie lange hast Du mich warten lassen – oh wie ewig lange. Wo, wo bist Du nur gewesen?«
»Und wenn ich ein klein wenig später gekommen wäre,« lächelte der Mann, ohne die Frage für jetzt zu beantworten, »so hätte ich Dich am Ende gar nicht mehr getroffen. Du wolltest verreisen –«
»Nach Deutschland zurückkehren!« rief die Frau, »was sollte ich länger allein hier in dem fremden Land? Ich hielt es nicht mehr aus und mußte Dich ja todt glauben, da Du mir nicht ein einziges Mal geschrieben. – Ach, das war nicht Recht, Casper.«
»Ja, schreiben,« nickte dieser, »liebes Kind! Wo ich mich die ganze Zeit herumgetrieben habe, gab es weder Feder noch Dinte noch Papier, viel weniger Posten, und ich hätte einen Brief selber nach San Francisco tragen müssen.«