»Hört Ihr das Brausen, Bob?«

»Wo, Sir?«

»Gleich dort drüben hinter unserem Boot, aber ich weiß nicht in welcher Richtung, denn wir haben uns wer kann sagen wie oft herumgedreht.«

Bob horchte eine Weile, ohne ein Wort zu erwiedern, dann griff er in die Tasche und nahm eine alte Blechbüchse heraus, in der er sein Feuerzeug verwahrte. Den Kompaß trug er ebenfalls bei sich, und nachdem er diesen auf die Bank gestellt, schlug er mit Stahl und Schwamm Feuer und brannte dann eines der mitgenommenen Schwefelhölzer an. Im nächsten Moment aber auch, wie nur die Flamme so weit aufflackerte, daß er die Stellung der Nadel erkennen konnte, rief er jubelnd aus: »Die Brandung! Hurrah, Jungens! Auf mit euch, das Wetter klärt auf und Brandung voraus! Hurrah!«

Die Leute taumelten in die Höh' und hörten auch wohl, wie sie nur erst munter geworden, das dumpfe rollende Geräusch, aber es war doch noch zu unbestimmt, um es deutlich unterscheiden zu können; es klang wie aus weiter Ferne und doch wußten sie auch recht gut, wie leicht gerade dieser Laut, besonders bei schwerer, nebliger Luft täuschen kann und wie manches Schiff schon dadurch verloren gegangen ist, daß es die Warnung nicht früh genug beobachtete. Mit einem leichten Wallfischboot aber, das ja danach gebaut ist, um eben so rasch zurück wie vorwärts getrieben zu werden, hatten sie Nichts zu befürchten, und es wurde jetzt beschlossen, ohne Weiteres jener Richtung zuzufahren, damit man sich, wenn der Nebel endlich wich, doch auch sicher in unmittelbarer Nähe des Landes wußte. Im Nebel durften sie natürlich nicht anlaufen.

Die Leute griffen nach den Rudern, und Bob bat den Bootssteuerer, seinen alten Platz wieder einzunehmen – aber er weigerte sich. Er wollte nicht selber die Richtung von ihrem Schiff ab angeben, wenn es die Matrosen thaten, konnte er es nicht ändern – aber er half rudern.

Und die Brise wuchs – je weiter es gegen Morgen vorrückte, desto lebendiger wurde es auf dem Wasser. Deutlich schon kam ein großes Stück blauen Himmels zum Vorschein, und sie konnten sehen, wie die Nebelmassen anfingen nach links hinauf zu rücken. Jetzt endlich tauchte die Sonne aus dem Meer empor – die leichten Wolken, die sich hoch über ihnen erkennen ließen, waren von dem rosigen Licht übergossen, und nun plötzlich fingen die Wellen an sich zu kräuseln, und im Nu warfen die Matrosen mit einem Jubelruf ihre Ruder in's Boot und setzten die Segelstange ein. – Wer hätte noch einen Arm rühren mögen, wo ihnen der Wind jetzt selber vorwärts half!

Aber die Brandung? – Deutlicher und deutlicher unterschieden sie den dumpfen Laut – und wie das um sie her wogte und drängte. Manchmal war es, als ob die Bahn vor ihnen frei würde, und offene Gänge und Wölbungen bildeten sich in den dichten weißen Schwaden – dann plötzlich hüllte es sie wieder in dunkle Nacht, daß der am Steuer Sitzende nicht einmal den vorderen Theil des Bootes erkennen konnte. Die erwachende Brise hatte den Nebel zerrissen und schob ihn in aufgerollten Massen vor sich her, und jetzt plötzlich brach die Sonne hindurch – wie ein Schleier riß es von einander – und vor ihnen, dicht und unmittelbar vor ihnen, daß es aussah, als ob man mit einer Büchsenkugel hinüber schießen könnte, lag das grüne, bewaldete Land, während darunter die Brandung aber nur über niedere Sandbänke schäumte und zischte.

Unwillkürlich lenkte der am Steuer sitzende Bob den Bug des Bootes etwas vom Lande ab, wobei der Wind das Segel besser fassen konnte, und aller Blicke hafteten in gespannter Erwartung an dem Ufer – aber ein Landungsplatz ließ sich dort nicht erkennen, denn so weit das Auge reichte, schäumten die Brandungswellen über den Sand.

»Ja, Boys,« sagte da Bob, »in Amerika wären wir – oder wenigstens dicht bei, aber hier läßt sich auch nichts machen, so viel ist sicher, und da bleibt uns denn keine andere Wahl, als nach Norden aufzulaufen, bis wir die Möglichkeit sehen, irgendwo einzufahren. Nach Süden müßten wir dem Wind gerade in die Zähne laufen.«