Bill's Frau schien sich aber noch immer nicht um ihn zu kümmern und stand, während die Negerin auf den Herd Achtung gab, oben an ihrer »Treppe,« um sich noch mit den unten einen Augenblick verweilenden Damen zu unterhalten, bis ein plötzlich einsetzender Regenschauer jede solche Unterhaltung abbrach. Der Besuch mußte selber eilen, um unter Dach und Fach zu kommen.

Bill hatte indessen Zeit und Gelegenheit gehabt, die junge Frau näher zu betrachten, und mußte sich gestehen, daß es wirklich ein reizendes Wesen sei. Sie war allerdings braun und möglicher Weise eine reine Indianerin, obgleich auch Viele der Mischlingsrasse die nämliche Färbung tragen, aber von zartem und doch vollem Gliederbau, mit langem, weichem, gelocktem, vollkommen schwarzem Haar und großen dunklen Augen, gerade wie sie das Kind auch hatte, die von mächtig langen Wimpern überschattet wurden. Sie ging dabei sehr einfach, ja fast ärmlich in ein dunkles, an vielen Stellen schon zerrissenes Kattunröckchen gekleidet, und doch bewegte sie sich in demselben mit Anstand, und Bill selber war erstaunt über das fast würdevolle Benehmen, mit dem sie ihre zudringlichen Besuche verabschiedete.

Jetzt wandte sie sich zu ihm, und der sonst so kecke und zuversichtliche Matrose gerieth wirklich in Verlegenheit, wie er sich gegen die junge Frau benehmen solle, die er da drunten am Strand nichts weniger als freundlich angelassen hatte – und dann die zwei englischen Worte, die sie ihm zugeflüstert. Sie selber schien aber nicht zuversichtlicher als er, denn noch an der Schwelle blieb sie stehen und warf wie scheu den Blick zurück und umher in dem jetzt leeren Raum, als ob sie sich erst noch einmal überzeugen wolle, daß sie wirklich allein seien. Erst jetzt ging sie auf den Matrosen zu und ihm die Hand entgegenstreckend sagte sie mit vor innerer Bewegung gepreßter Stimme, aber in vollkommen gutem, reinem Englisch: »Was müßt Ihr von mir denken, Fremder, daß ich Euch auf solche Weise in mein Haus geführt?«

»I'll be« – Bill verschluckte das rauhe Wort, das ihm, alter Gewohnheit nach, unwillkürlich herausschlüpfte, denn er war wirklich überrascht. Erstlich erstaunte er über das fertige Englisch, das die braune Frau sprach, und dann wäre es ihm vielleicht nicht einmal so unangenehm gewesen, wenn sie ihn jetzt noch etwas länger als ihren Mann behandelt hätte. Fast ohne daß er es selber wußte, flog auch sein Blick nach der am Herd kauernden Negerin hinüber; die junge Frau aber, der das nicht entging, sagte rasch:

»Wir haben nichts zu fürchten – Sarah ist eine treue Freundin und versteht, was wir sprechen. Aber vor Allem bin ich Euch eine Erklärung über mein wunderliches Verhalten schuldig, und die will ich so kurz fassen, wie nur irgend möglich – Setzt Euch – Ihr werdet von Eurer langen Fahrt hungrig und ermattet sein, und darin wenigstens kann ich Euch helfen – Sarah, laß uns das Essen haben, wenn es fertig ist – Setzt Euch, Freund!«

Bill sah sich etwas verlegen in dem Haus um – es war keine Spur von irgend einem Stuhl zu entdecken, und der gedeckte Tisch, der mitten im Haus stand, höchstens einen Fuß hoch vom Boden. Die junge Frau aber ließ sich ohne Weiteres daneben auf einer kleinen Matte nieder, und der Seemann, mehr um nicht unhöflich zu sein, als weil es ihm etwa bequem gewesen wäre, folgte ihrem Beispiel.

»Aber, Madame,« sagte er dabei, indem er sie selber verlegen halb lächelnd von der Seite ansah, »haben Sie mich denn wirklich für Ihren Mann gehalten?«

Ueber die lieben Züge der jungen Frau flog ein leises, wehmüthiges Lächeln, als sie erwiederte: »Wenn Sie meinen Gatten kennten, würden Sie das nicht für möglich halten, denn er ist viel kleiner wie Sie und hat rabenschwarze Haare und dunkle Augen.«

»Ja, aber da – nehmen Sie es mir doch nicht übel –«

»Ah bitte, hören Sie mich erst an,« bat die Frau, »Sie sollen ja Alles wissen, Alles erfahren und werden mir dann gewiß nicht böse sein.«