»Hier?« sagte Bill und vergaß in dem Augenblick Essen und Trinken.

»Hier,« bestätigte aber die junge Frau. »Sie schliefen und haben ihn nicht gehört, aber mit Lebensgefahr schlich er sich durch die Posten der Feinde, um hier Sarah aufzusuchen, von der er wußte, daß sie allein ihm Auskunft über uns und unser Schicksal geben könne.«

Bill erwiderte nichts, aber die Tasse stellte er hin und über den Tisch hinüber reichte er seine breite, harte Hand der Frau, die nicht wußte, wie sie sich die Bewegung deuten sollte. Aber vorsichtig drückte er nur ihre zarten Finger, und fiel dann mit einem wahren Feuereifer wieder über die Bananen und Chokolade her.

Candelaria sah ihn erstaunt an, da er aber in seiner Beschäftigung fortfuhr und nur aufmerksam zu ihr hinüber sah, erzählte sie weiter: »Er brachte uns gute und schlimme Nachricht: gute, daß Mosquera mit einer ziemlich bedeutenden Macht schon in unmittelbarer Nähe von Buenaventura steht – schlimme, als dadurch das Schicksal der Gefangenen auf das Furchtbarste gefährdet wird, denn bis jetzt haben es sich die Godos fast zur Regel gemacht, sobald ihre Lage verzweifelt erschien, die Gefangenen entweder in die Wildniß mit hineinzuschleppen oder, wenn das nicht anging, zu tödten.«

»Bestien,« brummte Bill zwischen den Zähnen durch.

»Das wird die Zeit sein,« bat Candelaria mit angstbewegter Stimme, »in der Sie und Ihre Freunde uns beistehen müssen, wenn wir nicht Alle verloren sein sollen.«

»Das ist eine verfluchte Geschichte,« sagte Bill, sich hinter dem Ohre kratzend; »Daß wir uns gestern Alle bei den Godos angeworben haben, wäre das Wenigste, und ich würde mir auch nicht das geringste Gewissen daraus machen, der blutigen Gesellschaft ein Schnippchen zu schlagen; aber wie soll ich es nur den Kameraden beibringen, daß sie eigentlich gar nicht auf diese, sondern auf die andere Seite gehören? Ja, wenn ich sie einmal hierher bringen könnte, daß sie mit Ihnen sprechen und sich Alles erzählen lassen könnten: aber das geht nicht, da merkten die barfüßigen Lumpen am Ende Lunte und die Sache wäre noch schlimmer als vorher.«

»Aber sie haben auch einen Amerikaner gefangen genommen,« sagte Candelaria rasch.

»Einen Amerikaner?« rief Bill verwundert, »wo denn?«

»Jener Franzose Beaugead brachte die Nachricht mit. Gar nicht weit von der Stadt entfernt, auf dem Wege in's Innere, hatte Jener eine Kakaopflanzung angelegt und baute dabei Zuckerrohr und brannte Agua ardiente, das er zum Verkauf nach Buenaventura sandte. Dort scheinen die Godos unterwegs, kurz vorher, ehe sie diese Stadt nahmen, bös gewirthschaftet zu haben, denn einige der Gebäude fand ich, als ich den Platz passirte, niedergebrannt, und die Zuckerrohrfelder, in die sie wahrscheinlich ihre Pferde getrieben hatten, arg verwüstet. Der Amerikaner, wie Beaugead berichtet, muß sich aber widersetzt haben, ja die Neger auf der Estancia erzählten sogar, er hätte einen der Offiziere niedergeschossen und einen Anderen schwer verwundet, dann wurde er übermannt, ebenso, wie sie es in Karthago gethan, in eine frische Kuhhaut gebunden und von den übermüthigen Godos hierherzu nach Buenaventura geschleift. Möglich ist, daß sie ihn sogar getödtet haben, aber nicht leicht thun sie das mit Fremden; lebt er übrigens noch, so schmachtet er auch jedenfalls in dem nämlichen Gefängniß mit meinem Gatten.«