Die Aufmerksamkeit der Matrosen wurde aber doch jetzt ausschließlich auf ihre unmittelbare Umgebung gerichtet, denn wieder fielen drei, vier Schüsse dicht hintereinander, während der Offizier der Kolonne ein Kommando gab und die übrigen Soldaten jetzt im Sturmschritt weiter liefen – immer durch den Schlamm. Dabei fing es wirklich an zu regnen, und sie sahen sich im nächsten Augenblick vor den Schanzen, in deren Nähe der Boden durch die Erdarbeiten fast grundlos geworden war. Ein Feind ließ sich aber nicht blicken, und die Schüsse waren wohl auch nur von den tapferen Vaterlandsvertheidigern abgefeuert worden, um sich selber Muth zu machen – wenigstens hatte sich noch kein Gegenstand gezeigt, auf den sie wirklich zielen konnten – ein Schwarm von Papageien ausgenommen, der aber kreischend in den Wald abstrich.

Indessen regnete es »tropisch.« Wie mit Bindfaden kam es herunter; dabei wehte kein Luftzug, was es erdrückend schwül machte, und Ordonnanzen liefen herüber und hinüber, und brachten Meldungen und nahmen Befehle wieder mit, so daß sich die Seeleute, die kein Wort davon verstanden, wie verrathen und verkauft dazwischen vorkamen. Außerdem wurden sie in diesem Augenblick von dem einen Offizier hier hinübergeschickt, und dann kam im nächsten ein anderer und frug, was sie denn da um Gottes willen wollten, und dann mußten sie wieder den eben gemachten Weg zurückmarschiren.

»Das ist eine reine Heidenwirthschaft,« sagte der Bootsteuerer, der zuletzt ungeduldig wurde, »und kein Mensch scheint hier ein Oberkommando zu führen. So viel ist sicher, hat dieser Mosquera nur eine Idee von einem Angriff, so sind wir Alle miteinander verloren.«

Indessen befanden sich die »obersten Behörden« von Buenaventura in nicht geringer Aufregung, denn das ansegelnde Schiff beunruhigte sie im höchsten Grad, da sie nicht wußten, was sie daraus machen sollten. Jedenfalls war es ein größeres Fahrzeug, als sie hier gewöhnlich zu sehen bekamen, und wenn es zu Mosquera's Partei gehörte, so kamen sie dadurch zwischen zwei Feuer und sahen sich den Rückzug nach allen Seiten zu abgeschnitten.

Nun behaupteten allerdings einige Personen am Land, daß es ein vollkommen friedlicher Wallfischfänger sei, der hier zufällig anlaufe, und mit ihren Parteien nicht in der geringsten Verbindung stünde. Dicker Rauch stieg sogar vom Schiff auf, ein Beweis, daß es ganz ruhig seinen gewonnenen Speck auskoche – die schon jetzt deutlich bemerkbaren Schießlucken an Bord seien nur gemalt. Andere bestritten das aber wieder. Der Rauch an Bord würde, wie sie meinten, nur unterhalten, um sie über den Charakter des Schiffes irre zu führen, damit sie sich sicher fühlen sollten, bis es nahe heran wäre, dann würde es seinen wahren Charakter schon zeigen. Wenn es wirklich ein Wallfischfänger sei, weßhalb führe es denn nicht seine Flagge, wie es alle Schiffe thun, wenn sie sich einem Hafenplatz nähern?

Unter der Zeit waren die Matrosen bald hier- bald dorthin geschickt worden, als der General den Befehl gab, sie zum Ufer zurückzurufen, da man sie hier, falls sich das fremde Fahrzeug wirklich als ein feindliches zeigen sollte, besser zu verwenden hoffte, als draußen bei den Schanzen. Kaum erreichten sie aber den ersten offenen Platz, von dem aus sie einen Blick über See gewinnen konnten, als Bob überrascht ausrief: »I'll be damned – the Martha's-vine-yard! – Jetzt ist der Teufel zu zahlen und kein Pech heiß!«

»Und sie kocht aus!« rief der Bootsteuerer – »beim Himmel, sie haben Fische gefangen und mehr an Deck, als sie gleich unterbringen können. – Da drüben hängt noch ein langer Streifen Speck am Blubberhaken, was lange herunter wäre, wenn sie nicht den Raum voll hätten.«

»Und was will die hier in Buenaventura?«

»Nach uns aussehen, natürlich,« sagte der Bootsteuerer. »Der »Alte« kennt die Küste hier gut genug und wird wahrscheinlich wissen, daß wir nirgends anders stecken können, wenn wir an Land gerudert sind.«

»Was ist das für ein Schiff?« frug jetzt der eine Offizier die Fremden, indem er mit dem Arm hinausdeutete. Sie verstanden wenigstens, was er meinte, bei seiner Bewegung.