»Eine Frau?« – aber Bill wurde die Antwort erspart. Aus dem Schwarm der umherdrängenden jubelnden Menschen stürzte ein junges blühendes Weib, und sich ohne Scheu an des Matrosen Hals werfend, drückte sie einen heißen Kuß auf seine Lippen.
»Madame!« sagte Bill ganz verdutzt, aber mit leuchtenden Augen den Arm des neben ihr stehenden geretteten Gatten ergreifend, rief das junge Weib: »Euch und Gott habe ich die Befreiung meines Mannes zu danken, o möge Euch einst der Himmel lohnen, was Ihr an uns gethan.«
»Wackere Bursche!« rief auch jetzt der Mann, »wie soll ich euch je Eure Hülfe danken, wo mir die Räuber auch das Letzte genommen haben.«
»War vollkommen gern geschehen, Sirrih,« nickte Bill, der bis hinter die Ohren roth geworden – »die junge Frau da ist ein braves Weib, und kein Amerikaner würde sie im Stich gelassen haben.«
»Und Ihr zürnt mir nicht mehr meines Ueberfalls – meiner Lüge wegen?« lächelte das junge Weib.
»Ich« – sagte Bill, noch viel röther werdend – »ich – ich wollte, es wäre wahr gewesen – aber was kann's helfen! Kommt, Jungen, die Zeit vergeht. Der Alte hat schon die Flagge aufgezogen.«
»Bei Gott!« rief der Harpunier emporfahrend – »dort geht sie auf und nieder! Fort an Bord – an Bord!«
»Und Ihr wollt wieder fort?«
»Matrosenleben,« sagte Bill achselzuckend, indem er ihr seine breite Hand reichte und die ihrige herzlich, aber vorsichtig drückte. »Lebt wohl und – und wenn es Euch wieder gut geht, denkt zuweilen an Euren – zweiten Mann – good bye –« und ohne eine weitere Antwort abzuwarten, sprang er, den Uebrigen voran, zum Boote hinab.
Die beiden Boote waren rasch flott gebracht, und aus dem jetzt vollständig verödeten Wachthaus wollten sie nun ihre Riemen und ihr Segel herunter holen. Zwei von den Riemen waren auch wirklich noch da – weiter nichts. Die drei anderen und das Segel, wie die eine Harpune und Lanze hatten irgendwo einen Liebhaber gefunden. Aber es blieb ihnen keine Zeit mehr, sich danach umzusehen, wäre auch wahrscheinlich nutzlose Arbeit gewesen.