Sein Hausarzt, der Doktor Asmus, war ein ganz vernünftiger Mann, der die Ursache seiner Krankheit bald erkannte, und sie einfach durch eine veränderte Lebensweise des Patienten zu heben suchte. Der geheime Regierungsrath hatte zu schweres Blut; er lebte dazu außerordentlich gut, aß sehr starke und fette Speisen, trank sehr schweren Wein und starken Kaffee und machte sich dazu nicht die geringste Bewegung, ja verschlief sogar noch seinen halben Nachmittag, so daß das Uebel immer hartnäckiger bei ihm auftrat. Verlangte aber der Arzt von ihm, daß er diese täglichen Sünden an seinem Körper unterlassen solle, so war die regelmäßige Antwort, das sei unmöglich und der Körper schon zu sehr daran gewöhnt. Der Geheime Regierungsrath meinte dann auch wohl resignirt: »wozu auch, ich habe doch nur noch eine so kurze Spanne Zeit zu leben, und will mir daher wenigstens nicht unnöthige Entbehrungen auferlegen.«

Der Doktor schlug nun ein anderes, unfehlbares Mittel vor, um ihn allen derartigen Phantasieen zu entziehen und auf andere Gedanken zu bringen – nämlich zu heirathen. Aber auch das wies der Patient entschieden von der Hand, obgleich er mit seinem Alter – er war erst 48 Jahre alt – noch immer Zeit dazu hatte. Erstlich wußte er Niemanden, wenigstens keine junge Dame, die er für würdig befunden hätte, sie auf einmal zur Geheimen Regierungsräthin zu machen und überdies behauptete er, sie würde den Titel »verwittwete« doch augenblicklich dazu bekommen.

Dr. Asmus verlor endlich die Geduld. Erstlich hatte er gerade in dieser Zeit außerordentlich viel zu thun, da ein hartnäckig auftretender Typhus in der Stadt grassirte, und es paßte ihm dabei gar nicht, jeden Augenblick zu einem Patienten gerufen zu werden, der seinem Rath doch nicht folgte, weil er sich über seinen wahren Zustand täuschte. Mit dem mußte er deßhalb ein anderes Mittel versuchen, und ihn dabei auch womöglich auf eine Zeit lang los werden. Aber wohin mit ihm? In irgend ein Bad? Der dortige Badearzt würde augenblicklich gemerkt haben, daß ihm gar Nichts fehle und er durfte sich vor einem Collegen, der die näheren Umstände nicht kannte, keinesfalls soweit blamiren, den Zustand seines Patienten falsch beurtheilt zu haben. Dabei wurde die Quälerei des Geheimen Regierungsraths immer unerträglicher, denn er hatte ihn in der letzten Woche sogar zweimal mitten in der Nacht herausklingeln lassen, weil er behauptete, keine Luft mehr zu bekommen. Dem mußte unter jeder Bedingung ein Ende gemacht werden.

»Regierungsrath!« sagte der Doktor eines Tages zu ihm, als er ihn wieder besuchte, denn er ließ den »Geheimen« immer hartnäckig weg, »Ihr Zustand fängt an, mir selber Besorgniß zu erregen.«

»Und Sie haben es mir immer nicht glauben wollen, Doktor,« wimmerte der Kranke erschreckt, »ach, ich fühlte den Wurm, der an mir fraß.«

»Ein Wurm?« sagte der Doktor ernsthaft, indem er ihn stier ansah – »Sie haben eine Million Würmer in sich. Sie stecken voll Trichinen.«

»So bin ich verloren,« stöhnte der Unglückliche und sank wie vernichtet auf seinen Stuhl zurück.

»Bah, deßhalb noch lange nicht,« erwiederte aber der Arzt, indem er ein chirurgisches Besteck aus der Tasche nahm – »jedenfalls muß ich Sie untersuchen, um vorher Gewißheit zu bekommen.«

»Aber, bester Doktor,« fuhr der Geheime Regierungsrath wieder in die Höhe, denn er hatte einen heiligen Respekt vor der Harpune, »das ist ja doch rein unmöglich, denn ich habe von dem Moment an, als das erste Mal das entsetzliche Wort Trichine in einer Zeitung stand, keinen Bissen Schweinefleisch mehr genossen.«

»Das ist gleichgültig,« sagte der Doktor ruhig, »Sie können sie auch in anderem Fleisch von einem nicht ordentlich gereinigten Hackklotz bekommen haben; das ist schon mehrfach vorgefallen. Kommen Sie nur her, es thut nicht weh; es hilft eben Nichts, wir müssen die Gewißheit haben, nachher kurire ich Sie rasch genug.«