Nach Tisch schlief er gewöhnlich zwei Stunden, um sich später den ganzen Abend matt und unbehaglich zu fühlen. Der Arzt hatte ihm das auch schon lange verboten, aber er behauptete immer, er dürfe seine gewohnte Lebensweise nicht unterbrechen, oder er ginge zu Grunde. Heute fand er keine Ruh; er lief die ganze Zeit im Zimmer auf und ab und blieb nur manchmal erschreckt stehen, wenn er die Bewegung der Thiere in seinem mißhandelten Körper zu fühlen glaubte.

Endlich – endlich kam der Doktor, nach welchem er indessen selber schon zweimal aber immer vergebens geschickt. Er war sehr ernst, wickelte aus einem Tuch, das er in der Hand hielt, ein Mikroscop heraus, stellte es, legte ein Präparat hinein und bat den Geheimen Regierungsrath dann feierlich einmal hindurch zu sehen.

Zitternd beobachtete ihn der Unglückliche, denn er wußte genau, was ihm bevorstand – was er da zu sehen bekam – seine Trichinen – die entsetzlichen Verwüster seines eigenen Körpers, die selbst in diesem Augenblick noch eifrig beschäftigt waren, ihn bei lebendigem Leibe zu verzehren. Er streckte auch abwehrend die Hand aus, aber der Doktor ließ nicht nach.

»Bitte, lieber Regierungsrath, Sie müssen sich selber mit eigenen Augen überzeugen, daß meine Vermuthung, daß der Verdacht, den ich geschöpft, nur zu gegründet gewesen. Sie stecken voll bis an die Haarwurzeln und es ist die höchste Zeit, daß wir eine ernste Maßregel dagegen ergreifen.«

»Und glauben Sie wirklich, daß da noch Hülfe möglich ist, Doktor?«

»Bah, möglich? Ich habe Ihnen nicht umsonst eine Wette angeboten. Wollen Sie meinem Rath folgen – aber sehen Sie sich nur erst einmal selber die Beester an – so stelle ich Sie in vier Wochen so vollständig her, daß Sie so gesund wie ein Fisch im Wasser – und auch ebenso frei von Trichinen sind – bitte, überzeugen Sie sich nur erst einmal.«

Der Geheime Regierungsrath folgte mit einem schweren Seufzer der Aufforderung und da waren sie richtig – nicht mehr geheim, sondern klar und offen in ihrer natürlichen Scheußlichkeit spiralförmig gewunden und zusammengerollt. Ein solches kleines Ungethüm hatte sich sogar in seiner ganzen Länge ausgestreckt.

»Es ist entsetzlich!« stöhnte der Unglückliche – »und die sind von mir?«

»Auf frischer That ertappt, ja,« schmunzelte der Doktor, denn er fühlte sich jetzt seines Opfers sicher, »und nun hören Sie aufmerksam zu und weichen Sie keinen Finger breit von meinen Vorschriften ab, oder Sie sind in vier Wochen, anstatt gesund und kräftig ein neues Leben zu beginnen, ein rettungslos verlorener Mann.«

»Und was soll ich um Gottes Willen thun? ich will Ihnen ja so gern folgen, wenn ich nur –«