»Die Sache ist unendlich einfach,« erwiederte Doktor Asmus, »denn darauf beruht gerade jene amerikanische Entdeckung. Die Trichine ist nämlich ein Geschöpf, das Alles ertragen kann, bis zur ausgesprochenen Siedehitze, mäßiges Räuchern, Salzen, oberflächliches Kochen, unter Wasser setzen, kurz Alles, wodurch sie nicht in direkter Verbindung mit frischer Luft kommt – wird sie aber dieser ausgesetzt, so ist sie rettungslos verloren und muß sterben.«
»Aber ich begreife Sie noch immer nicht.«
»Sie sind furchtbar schwer von Begriffen, Regierungsrath,« sagte der Doktor mit dem Kopf schüttelnd. »Sie sollen sich oben im Wald – und bei der Hitze, die wir diesen Sommer haben, kann Ihnen das nur behaglich sein – vollkommen nackt ausziehen – eine sehr schmale Schwimmhose mögen Sie meinethalben anbehalten – und eine volle Stunde lang im Wald spazieren gehen. Nachher ziehen Sie sich wieder an und steigen langsam und ohne sich zu erhitzen, in Ihr Hotel hinab. Haben Sie mich jetzt verstanden?«
»Und das soll die Trichinen tödten – unbegreiflich.«
»Lieber Freund,« sagte der Doktor, »es liegen noch eine Menge von Geheimnissen in der Natur, die wir mit unsern groben Sinnen nicht gleich fassen können und oft bleibt es nur dem Zufall vorbehalten, solche geheimnißvolle Wirkungen zu erkennen und festzustellen. Uebrigens machen Sie, was Sie wollen; das sage ich Ihnen aber, es ist Ihre einzige und letzte Rettung, und wenn Sie nicht unverzüglich an die Kur gehen, stehe ich Ihnen selbst nicht einmal dafür, daß selbst das Ihnen etwas nützen kann.«
Der Geheime Regierungsrath sah wieder in das Mikroscop hinein, um sich noch einmal vor seinen zahllosen Quälgeistern zu entsetzen. Der Anblick war aber zu furchtbar, als daß er ihn hätte lange aushalten können.
»Wie Gott will,« stöhnte er endlich – »aber noch Eins, Doktor, schreiben Sie mir meine Verhaltungsregeln etwas auf, denn es sind deren so mancherlei, daß ich sie am Ende nicht im Gedächtniß behalten könnte.«
»Von Herzen gern.«
»Und wenn ich dort nun – wenn ich dort nun einen Arzt finden sollte – glauben Sie nicht, daß es gut wäre, ihn ebenfalls um Rath zu fragen?«
»Warum nicht?« sagte Doktor Asmus ruhig, »schaden kann es auf keinen Fall. Er wird Sie dann jedenfalls zuerst harpuniren –«