Das abgemacht, ging er in das Gasthaus zurück, wo er zum letzten Male sein frugales Diner verzehrte und als Nachkur eine halbe Flasche Rothwein darauf setzte. Endlich kam auch der Wagen; es war indessen schon ziemlich spät geworden; der kleine Koffer wurde hinten aufgeschnallt und fort ging es, aus dem Dorf hinaus – aber er war noch nicht erlöst. Vor sich im Weg sah er plötzlich eine ganze Gesellschaft von Herren und Damen, die jedenfalls von einer Waldpartie zurückkamen – das waren heilig die unglückseligen Berliner, und er drückte sich scheu in seine Wagenecke zurück.

Der vielen Menschen wegen, die nicht so rasch auswichen, mußte aber der Wagen langsam fahren und der Schnittwaarenhändler hatte ein Auge wie ein Falke.

»Das ist der carrirte Rock,« rief er plötzlich aus, »und der Strohhut – guten Abend, Herr Geheimer Regierungsrath! Recht glückliche Reise!«

»Zufahren, Kutscher! Zufahren!« rief der Reisende, während er aber doch mit seiner alten Höflichkeit vor den Damen den Hut lüftete und jetzt auch diesen nicht den geringsten Zweifel über seine Persönlichkeit ließ. Aber der Postillon hieb in die Pferde und wenige Sekunden später rollte der leichte Wagen rasch das freundliche Thal hinab, den murmelnden Bach überholend und doch immer wieder verfolgend in das offene Land hinaus.

Am nächsten Tag gegen Abend erreichte er seine Heimath und hatte dem Doktor schon telegraphirt, mit welchem Zug er zurückkehre, damit er ihn gleich in seiner Behausung finden und über seinen Zustand befragen könne. Der Doktor hatte sich auch eingefunden und lachte mit dem ganzen Gesicht, als er ihn frisch und munter und mit rothen Backen aus seiner Droschke springen sah.

»Nun,« rief er ihm entgegen, »hat die Kur angeschlagen?«

»Wunderbar, Doktor!« rief der Geheime Regierungsrath, die Hand des Arztes schüttelnd – »ich bin wie ein neuer Mensch geworden, habe dabei einen Appetit wie ein Wolf, und schlafe Nachts wie ein Bär.«

»Bravo und haben Sie sich streng nach meiner Vorschrift gehalten?«

»Als ob es ein Evangelium gewesen wäre. Aber glauben Sie nicht, daß ich jetzt wieder eine – eine etwas andere Lebensweise führen darf?«

»Die Luftbäder setzen wir hier in der Stadt aus –«