»Pest und Gift!« schrie Burkner vom Hurricanedeck aus, »das ist Gewalt, und das sollt Ihr mir theuer genug bezahlen. He Tom, Ben, Jim – vor, Ihr Burschen; die Pest über die rothen Hunde, nehmt Eure Büchsen, und – den ersten, der Hand an Euch legt, schießt über den Haufen – ich verantwort' es. Wenn etwas Ungesetzliches durch Weiße geschieht, so dürfen sie sich bei der Regierung der Vereinigten Staaten darüber beklagen, aber nie selber mit eigener Hand ihr Recht durch Gewalt erzwingen.«
Burkner konnte von da, wo er stand, das ganze Ufer leicht, bis in die Straßen hinein überschauen, und er sah recht gut und mit einem Blick, daß er von den versammelten Indianern, die fast alle unbewaffnet am Ufer standen, nichts zu fürchten hatte. Virginny kam auch in diesem Moment naß und wüthend die kiesige Bank herauf gesprungen und wollte sich im ersten Zorn rücksichtslos auf den Häuptling werfen; dieser aber behauptete ruhig seinen Platz, trat nur mit dem rechten Fuß einen Schritt zurück und hob seine, mit dem scharfen Stahl bewaffnete Keule, der Blick aber, den er dabei auf den Heranstürmenden schoß, war so fest und voll so tödtlichen Hasses, daß dieser trotzig wohl, aber doch eingeschüchtert anhielt, und endlich, mit einem bitteren Fluch auf den Lippen, über das Faß hinweg wieder auf die Planke sprang, die zum Boot hinüber führte.
Dort eilten aber auch jetzt die beiden Lootsen, der Mate, die Ingenieure und der Capitain, Alle bis an die Zähne bewaffnet, herbei, und Burkner selber, der die Cajütentreppe in aller Eile mehr herunterstürzte als sprang, erklärte jetzt dem ruhig dabei stehenden Tomson, sie selbst die Indianer, hätten den Frieden gebrochen und zuerst Hand an einen weißen Mann gelegt; auf ihre Gefahr also auch die Folgen, soviel aber versicherte er sie und schwöre es bei seinem Manito, einen Schwur, den er nie gebrochen – er log das, als er es sagte, aber er sah aus als ob er die Wahrheit rede, – daß er den ersten, der sich der Arbeit seiner Leute thätlich entgegenwerfen, und dadurch die »Bewegungen frei geborener Amerikaner« behindern würde, mit eigner Hand über den Haufen schießen wolle.
Nun hat der Indianer, was offenen Kampf betrifft, eine eigene Natur; er ist nicht feige, aber er hält es auch für eine sehr große Thorheit, und nicht Tapferkeit, sich auf freiem Plan einer gezogenen Büchse frei entgegen zu stellen. Wo er zum Handgemenge kommt, kämpft er mit ruhiger und verzweifelter Entschlossenheit, aber er benutzt auch jede Gelegenheit seinen Körper zu decken und hält es, seinen Kriegsgesetzen nach, keineswegs für unmännlich oder gar feige, aus dem Hinterhalt eine günstige Gelegenheit zu erwarten, seinen Feind unschädlich zu machen.
Hier also standen die drei Häuptlinge, fast unbewaffnet, denn was konnten sie mit ihren Kriegskeulen gegen die rasche und tödtliche Kugel ausrichten, den Amerikanern gegenüber, die, wenn es später vor den Gerichtshof der Vereinigten Staaten gekommen wäre, doch am Ende recht bekommen hätten, so lange sie nur der Gewalt ebenfalls wieder mit Gewalt entgegentraten.
Tcha-to-ga allerdings schien nicht übel Lust zu haben seinen Platz, auf jede Gefahr hin, zu behaupten, denn sein Blut war dadurch, daß er zuerst selbst Hand angelegt hatte, erregt worden, ein paar von Tomson in indianischer Sprache geflüsterte Worte aber bewogen ihn doch von solchem Vorhaben, wenn das überhaupt, in seinem Plan gelegen, abzustehen, und er und Ko-ha-tunk traten, den Weg frei lassend, von der Planke zurück und nur Ko-ha-tunk wandte sich gegen den Capitain, der diese Bewegung mit höhnischem triumphirenden Lächeln beobachtete.
»Es ist nicht gut, Blut zu vergießen,« sagte der Indianer, »das Feuerwasser hat schon zu viel Blut vergossen, und deshalb wollen wir es gerade von uns fern halten – wäre das erreicht, wenn jetzt die weißen Männer auf uns schössen? – nein, Tomson, Tcha-to-ga und Ko-ha-tunk würden fallen, aber keiner der Weißen würde seinen Wigwam wieder sehen. Der Geistervogel würde Nachts in den Zweigen über seinen Zeltstangen sitzen und über der rauchlosen Stätte sein Todtenlied singen, dem unten die schluchzenden Squaws horchten; Gras würde in dem Pfad wachsen und Waldblumen, den sonst der Jäger betrat, wenn er unter seinem Thierfelle vorschritt, dem Wild zu folgen. Und mit der Sonne würden viel Krieger kommen den Tod ihrer Brüder zu rächen – weh! – Ko-ha-tunk sieht die Erde roth mit dem Blut der Krieger wie das Ende jenes Fasses ist.«
»Es ist nur gut, daß Ihr Verstand genug habt das einzusehn!« lachte der Capitain.
»Gut so« – fuhr der Wilde ruhig fort. »Indianer ist friedlich – er hält seine Streitkeule ruhig im linken Arm, aber Indianer hat auch weißen Mann verboten das Feuerwasser in seine Jagdgründe zu bringen – Feuerwasser macht rothen Mann faul und träge – kann nicht jagen, legt sich unter einen Baum bis dunkel ist, und Squaws sitzen in Wigwam und kochen Wurzeln – kein Fleisch – Whiskey macht Indianer fechten – schießt seinen Bruder und seinen Vater – Whiskey ist nicht gut.«
»Das ist eine sehr schöne Rede,« erwiederte ihm Capitain Burkner, der den geschwätzigen Wilden sehr zum Aerger seines Mate ruhig und geduldig angehört – »ich will mich auch gar nicht darauf einlassen das darin Gesagte etwa zu bestreiten, aber jetzt, meine wackeren Burschen, gebt Raum da vorn. Denn, bei Gott, ich warte nun nicht länger mehr. Der Fluß fällt, und ehe eine Viertelstunde vergeht, muß der Whiskey am Ufer sein!«