In diesem Sinne schien er auch seine Hütte erbaut zu haben. Wohl den Vorzug erkennend, den das feste, solide, auf kräftigen Stämmen ruhende Dach gegen den schwanken, leicht beschädigten Wigwam haben mußte, errichtete er endlich für sich selbst ein solches Haus, aber nicht um darin zu wohnen, sondern um seinem eignen Wigwam, den er jetzt ganz nach der Sitte seiner Väter im Innern aufstellte, Schutz gegen Sturm und Wetter zu verleihen. Von außen glich also das Gebäude gänzlich einer der geräumigen westlichen Blockhütten, wie sie in den Ansiedlungen der Weißen von Baumwollen- und Maisfeldern umgeben liegen; kaum aber betrat der Fremde den, durch eine hölzerne Thür verwahrten niederen Eingang, als er sich plötzlich inmitten einer indianischen Fellhütte sah, in deren Mitte an schwankenden Stäben der große eiserne Kessel hing, und von wo aus der Rauch zu einem riesigen, mit wunderlichen Zierrathen behangenen und geschwärzten Büffelkopf emporstieg, diesen umkräuselte und durch die über ihm gelassene Oeffnung seinen Weg in's Freie suchte. Ueber dem Rauchfang aber, an langer, wohl dreißig Fuß hoher Stange, von Adlerfedern und anderem symbolischen Schmuck umweht, hingen und flatterten die Scalpe der von Tcha-to-ga's eigener Hand erschlagenen Krieger – eine fürchterliche Siegstrophäe über der friedlichen Heimat.

Die Sonne neigte sich ihrem Untergang – tief nach Westen sank sie hinab, und die Gipfel der stattlichen Baumwollenholzbäume, die sich dicht um die Lichtung herum dem Ufer wieder zudrängten, glühten und leuchteten in dem rosigen Licht. Aus dem niederen Sumpfland zogen leichte dunstige Schwaden heraus und strichen wie dünne Nebelwolken über die ruhig dahin strömende Fluth hin. Die Krähen und Blackbirds strebten schon gen Westen ihren altgewohnten Lagerplätzen zu und die langen Schatten der Waldriesen fielen, über Feld und Hofraum hinüber, bis weit in den blinkenden Strom.

Tcha-to-ga's Hütte lag ziemlich still und fast wie verlassen, nur weit hinten im Feld arbeiteten die Neger mit einigen indianischen Squaws, und dicht neben dem Haus flogen, in ziemlich regelmäßigen Zwischenräumen, Schaufeln voll Erde aus einem frisch gegrabenen Loche heraus und verriethen den Platz, wo der Häupling, nach Art der Weißen, einen Keller graben ließ, um über diesem später noch einen kleinen Nachbar-Wigwam zu bauen. Dicht vor der Thür des Hauses waren zwei Negermädchen mit der Zubereitung einer großen aufgespannten Büffelhaut beschäftigt, an der sie die Fleischseite mit scharfen Steinen abrieben, um sie dem Gerbestoff leichter zugänglich zu machen, und ein alter Neger zog eben, mit Anstrengung aller seiner Kräfte, ein leichtes Canoe aus dem Strome herauf an die höhere Uferbank, weil ein Dampfboot – dasselbe, was einige Zeit bei Redtown gelegen – gerade auf diese Seite des Ufers zukam und den kleinen Kahn leicht mit seinen Ruderschaufeln zerdrücken, oder wenigstens füllen und sinken machen konnte.

»Große Golly,« sagte der greise Afrikaner, als er von seiner Arbeit ausruhte und sich den Schweiß von der Stirne wischte, »piff – piff – piff – piff – piff – hui – wie geschwind großes Canoe stromab kommt, und – law de Mercy – wie dicht am Ufer hier – kann doch kein Holz haben wollen, hat rechts und links noch ganze Menge. – Buckra schlauer Kopf – kommt Geld zu verdienen zu Guinea und Indian – bis weit hier in Wildniß ein und bringt guten Whiskey und Pfannkuchenmehl – großer Mann Buckra – Gäbe was d'rum, wenn Sip sein Krug aus Küche hätte, ohne daß Missus was 'von merkt –«

Der Neger sah sich mit komischer Verzweiflung nach dem Haus um; denn er ließ nur höchst ungern eine so gute Gelegenheit vorüber gehen, ohne seinen sorgfältig versteckten Krug mit Whiskey zu füllen. Das Verbot seines Meisters lautet nämlich auf das Bestimmteste, auch keinen Tropfen des »giftigen Feuerwassers« im Hause zu dulden; das Boot näherte sich aber zu reißend schnell, und schon winkte ihm, während der Fox im Fluß mit dem Bug herumkam, um gegen die Strömung anzulanden, der vorn an der Larbordseite stehende Matrose zu, das Tau, was er zum Wurf bereit in der Hand trug, sobald es das Ufer berühre, zu erfassen, und dort um Stamm oder Wurzel zu schlagen und fest zu machen.

Vorn auf dem Boot, und zwar auf dem unteren Deck, standen der Capitain, der Mate, der Ingenieur und die vier Deckhands – die letzteren mit der Planke zwischen sich, die sie in dem nämlichen Augenblick an's Ufer hinauswerfen wollten, wo das Boot in erreichbare Nähe kam.

»Capitain,« rief jetzt der Lootse aus seinem kleinen Pilotenhaus herunter – »das ist doch ein Reiter, den wir hinter den Büschen am Ufer sahen.«

»Aus der Stadt schon?« rief dieser rasch zurück – »das ist nicht möglich – der Fluß macht hier den Bogen, da müßte er Flügel gehabt haben.«

»Nein, er reitet ganz langsam,« lautete die Antwort, »es scheint auch kein Indianer und trägt selbst keine Büchse.«

»Desto besser für ihn,« lachte Burkner – »sonst die Küste klar? wie weit sind die Reiter zurück?«