»Das lügt das Bleichgesicht!« zürnte der Krieger und richtete sich, die Falten des Büffelfells von seinem rechten Arm zurückwerfend, hoch auf.
Durch den Wortwechsel herbeigelockt, näherten sich von rechts und links her einige der bewaffneten und jetzt noch vereinzelten Trupps, und der Mate, nicht mit Unrecht bei einem so ungleichen Kampf für ihre Sicherheit besorgt, ergriff den Arm des Capitains und flüsterte ihm zu, an Bord zurückzukehren. Capitain Burkner sah auch selbst wohl ein, wie gefährdet er hier unter den wilden drohenden Gestalten sei, aber sich nicht versagen konnte er es, den Feind wenigstens die Waffe fühlen zu lassen, die er, gerade gegen ihn, in Händen halte:
»Es ist gut, Tcha-to-ga,« rief er boshaft lächelnd aus und wandte sich, im Gehen begriffen, noch einmal nach diesem um – »aber ehe die Sonne untergeht, die dort schon im Westen über den Wipfeln der Bäume hängt, zahlt mir der tolle Büffel den Preis für den Whiskey – und mehr noch, wenn ich es verlange oder – der weiße Mann macht sich selbst bezahlt!«
Und mit raschen Schritten eilten die beiden Männer an Bord ihres Bootes. Hier aber standen die Deckhands, auf des Mate's Befehl, schon zu augenblicklicher Abfahrt bereit, das eine Tau wurde rasch gelöst, die Planke eingezogen, der bis jetzt der Strömung zugekehrte Bug fuhr herum, und wenige Minuten später schoß das Boot mit der Strömung hinab, und so dicht am diesseitigen Ufer hin, als es das hier nicht übermäßig tiefe Fahrwasser nur irgend erlaubte.
Tcha-to-ga aber hatte mit der gespanntesten Aufmerksamkeit jede Bewegung des Bootes beobachtet, und jetzt war es auf einmal, als ob ihn zum ersten Mal der Gedanke an die Gefahr durchzuckte, der seine eigene Heimath preisgegeben sei, wenn die weißen Männer während seiner Abwesenheit dort landeten. Ein eigenthümlich ausgestoßener, scharf gellender Ton rief mit Blitzesschnelle eine Anzahl der jungen Leute an seine Seite – einige rasche Worte genügten – fort stob die Schaar, im Laufe noch Andere anfeuernd, aufmunternd, und als das Boot, das allerdings zu Wasser eine kürzere Bahn hatte, wie sie, die sie der vollen Biegung des Stromes am Ufer folgen mußten – kaum der jenseitigen Spitze gegenüber war, sprengte auch schon eine Anzahl ungesattelter Ponneys, die rothen kecken Reiter mit den wehenden Federn und Büffelhäuten auf ihren Rücken, in flüchtigen Sätzen am Ufer hin, der Wohnung ihres Häuptlings Tcha-to-ga zu.
Etwa zwei englische Meilen unterhalb Redtown, mündete ein kleiner Bach, oder eigentlich eine Art Bayo in den Arkansas, die nicht weit vom Creekdorf ab, aus der Red Fork selbst entsprang und nur bei hohem Wasserstande dessen Bett die rothlehmige Fluth entführte und dem größeren Strome zu leitete. Hier lag, ziemlich einsam und abgeschlossen, Tcha-to-ga's, des tollen Büffels, Hütte, wohl eine halbe Meile von den letzten Häusern, oder vielmehr Wigwams, des kleinen Städtchens entfernt, denn der untere Theil desselben war fast ganz indianisch und wurde sogar noch von Insassen bewohnt, die nicht selten, dem alten Nomadenleben treu, ihre Heimath gänzlich wechselten, die Zelte auf die Rücken ihrer Lastthiere warfen und dorthin zogen, wo die frischen Spuren der Büffel ihnen Nahrung und Jagdlust versprachen.
Tcha-to-ga dagegen hatte sich für einen nicht unbeträchtlichen Theil der Summe, welche die Vereinigten Staaten an alle Häuptlinge als Entschädigung der östlich vom Mississippi in Besitz genommenen Ländereien ausgezahlt, Neger-Sclaven gekauft und durch diese eine vortreffliche Farm, die sich eine volle englische Meile am Flußufer hinunterzog, anlegen lassen. Er selbst aber arbeitete natürlich nichts; als Häuptling lag ihm nur die Bekämpfung der Feinde und die Jagd ob, und am Berathungsfeuer lauschten die jungen Männer des Stammes mit athemlosem Schweigen seinen Worten.
Eigenthümlich war dabei die Mischung von Civilisation und alter ursprünglicher Lebensweise, die besonders auffallend in seiner eigenen Wohnung wurde. Mit Widerstreben nur hatte er nämlich alles das angenommen, was die »bleichen Männer« den rothen Kindern der Wälder von Sonnenaufgang gebracht. Lange hing er mit kaum zu besiegender Hartnäckigkeit an den alten Gebräuchen, Sitten und Geräthschaften seines Stammes, und wich nur Schritt für Schritt den wirklichen Verbesserungen menschlicher Zustände, die sein sonst gesunder und leicht empfänglicher Sinn doch recht gut zu würdigen wußte.
Zuerst war es die Schießwaffe der Weißen gewesen, deren Vorzug gegen den, tausend Zufällen unterworfenen, Bogenschuß er doch nicht ableugnen konnte; auch den Stahl hatte er zu gleicher Zeit vortrefflicher für Waffe und Werkzeug erkannt, als den schwer zu bearbeitenden Feuerstein, und manches fand solcher Art und ganz allmälig den Weg in seine Wohnung, was er im Anfang, als seinem Stamme feindlich, verschmäht und verachtet hatte.