»Soll ich den Whiskey hier im Stich lassen, und nicht meine Rache an den rothen Hunden nehmen können?« rief zürnend der Amerikaner.

»Ugh!« rief plötzlich ein tiefer Gaumenlaut dicht an seiner Seite, und als sich Burkner rasch wandte, stand Tcha-to-ga neben ihm und schaute finster und wild zu ihm nieder – »Ugh – das Bleichgesicht schreitet in den Fährten des rothen Mannes und tritt seinen Schatten mit Füßen – er speit auf die Gräber seiner Väter und nennt die Kinder Hunde. Tcha-to-ga sieht einen Wolf und die Kriegskeule regt sich in seiner Hand!«

Der Weiße warf einen Blick voll giftigen Hasses auf den alten Mann und der Gedanke an den gerathenen Raub zuckte ihm durch's Hirn.

»Tcha-to-ga ist ein Thor,« zischte er endlich durch die zusammengebissenen Zähne hindurch, »daß er den Wolf noch reizt, der seine rechte Hand doch zwischen den Fängen hält!«

Der Indianer stutzte – es lag ein eigner Ausdruck, ein zu sicheres Bewußtsein in den Worten, als daß sie der alte schlaue Krieger hätte mißachten sollen – aber was konnten die dunklen Worte bedeuten?

»Bah!« sagte er endlich verächtlich – »der weiße Mann hat die Zunge des Hehers – er äfft die Stimme des Raubvogels nach, und sucht Würmer auf den Zweigen. Tcha-to-ga ist reich – aber er gäbe Alles hin, was er besitzt, wenn seine Augen nicht mehr auf den bleichen Gesichtern der Fremden zu ruhen brauchten – ihr Anblick ekelt ihn an!«

Es lag ein bitteres Wort auf Burkners Lippen, die stahlbewehrte Keule ruhte aber so fest in des zürnenden Kriegers Hand, daß er dem Grimm, der in ihm kochte, nicht Worte zu geben wagte – desto gährender wuchs der aber auch mehr und mehr in ihm – desto heißer trieb und drängte die rachedürstende Seele nach Befriedigung ihrer Leidenschaft – nur die Furcht hielt ihn noch zurück. Wie dann, wenn er die Indianer hier in ihrem eigenen Lande thätlich beleidigte und – verlor? – Sein scheuer Blick schweifte fast unwillkürlich nach den Scalpstreifen nieder, die mit dem flatternden Haupthaar an Tcha-to-ga's Leggins hingen. Dem Häuptling entging aber der Blick nicht – ein höhnisches Lächeln umzuckte seine Lippen und er sagte:

»Der weiße Mann nennt die rothen Kinder Manitos Hunde, aber er sieht scheu nach den Spuren, die sie im Sande zurücklassen – geh! Tcha-to-ga's Arm hat den falschen Creek Indianer gestraft, weil er der rothen Frucht gleicht, die Labung verspricht und die Zunge brennt – Tcha-to-ga ist stark und der weiße Mann ein Thor!«

»Wenn ich dem Schuft nur eins zwischen die schwarzen Augen hineindrücken dürfte!« brummte der Mate halblaut vor sich hin – »hui, wie mir's in den Gelenken juckt!«

»Tcha-to-ga ist ein Dieb, der dem Weißen sein Gut raubt, weil er vielleicht selber heimlich damit handelt!« rief eben jetzt der Capitain, der zum Aeußersten gereizt und getrieben, seine Wuth nicht länger mäßigen konnte, und ihr wenigstens Worte geben mußte.