»Schlange,« rief der Capitain, »Du willst mich auf falsche Fährten locken, daß ich Deine Spur verlieren soll und nachher keine Ansprüche mehr an Dich machen könnte. Mag Tcha-to-ga zum Teufel gehen, Du bist der Mann, an den ich mich halte.«
»Ah tiesch ti,« lachte höhnisch der Gelbe, »Papier gegen Papier – das gleiche Waffe ist – Blaßgesicht weiß best, ob Dodge Recht finden kann oder nicht – by'm by!«
Er wandte sich ab und wollte in die Stadt hinein, Burkner aber, der die finstere Entschlossenheit in des indianischen Händlers Zügen sah, und zu spät bereute, dem listigen Feind die Waffen gegen sich selber in die Hände gegeben zu haben, ergriff Dodge's Arm, während dieser lächelnd stehen blieb und über seine Schulter weg nach dem Fluß hinüber schaute.
»Tcha-to-ga ist Dein Feind?« frug lauernd der Weiße.
»Er ist ein Hund,« lautete die finstere Antwort.
»Und Dodge wird seine weißen Freunde führen und unterstützen?«
»Dodge geht nach Hause – er weiß nicht, bei was er das Blaßgesicht unterstützen soll,« knurrte der Wilde, und ohne eine weitere Erwiederung abzuwarten, machte er sich von der Hand des Capitains los, und verschwand bald darauf mit seinen Wagen in der Straße, die durch die Stadt hin dem Inneren des Landes zuführte. Die Bevölkerung des kleinen Ortes war, wie sich das gar nicht verkennen ließ, gegen den Weißen sowohl wie auch gegen ihn, da er doch mit die Ursache des ganzen Vorfalls gewesen, gereizt, und er mochte nicht, durch zu langes Zögern vielleicht, das Ziel werden, gegen das sich der Ausbruch ihres Zornes richten mochte.
In dumpfes zürnendes Brüten versenkt, blieb der Capitain, seinem eigenen Nachdenken überlassen, am Ufer zurück – und er stampfte in ohnmächtiger Wuth den Boden, wenn er daran dachte, wie machtlos er jetzt hier, der Weiße, Amerikaner, den grinsenden »rothen Hunden« von Indianern gegenüber stände. Sollte er, ein Spott und Gelächter dieser »kupferfarbenen Bande,« den Ort verlassen? und blieb ihm eine andere Möglichkeit, Genugthuung für den Schimpf sowohl als Ersatz für den Schaden zu bekommen? – An Gewalt hier durfte er nicht denken; er hätte wohl sein eigenes Boot selbst gegen eine Uebermacht vertheidigen können, aber an's Land durfte er sich nicht in feindlicher Absicht wagen; die verschiedenen Trupps, die kampfgerüstet und bewaffnet überall auf den einzelnen und höchsten Punkten der Uferbank zerstreut standen, würden seine kleine Schaar schon durch ihre Ueberzahl erdrückt haben – und die Gesetze – er hatte dagegen gehandelt, und es blieb ihm nur wenig Hoffnung, daß ihm der Staat da beistehen würde, wo er sich selbst im Unrecht fühlte.
»Zur Hölle mit dem Gesetz,« murmelte er leise vor sich hin – »hätt' ich nur zwanzig Hände mehr an Bord!«
»Capitain,« sagte da die Stimme des Mate, der an's Ufer gekommen war, den Zögernden aufmerksam zu machen, wie der Fluß wirklich noch im Fallen und die Gefahr also vorhanden sei, daß sie auf dem Sande könnten zurückgelassen werden – »wenn wir noch länger warten, steh' ich für nichts.«