Um elf Uhr war sämmtliches Gepäck des Professors, dem sich von Hopfgarten angeschlossen und ihm erklärt hatte die Reise nach Indiana in seiner und seiner Familie Gesellschaft machen zu wollen, gelandet und revidirt, und zum großen Theil auch schon auf den dort gebräuchlichen drays (zweirädrigen Karren mit einem Pferd) abgegangen, an Bord der Jane Wilmington geschafft zu werden. Henkel drängte aber jetzt den Professor, seine Familie hinauf zu führen sich dort an Bord einzurichten, und zugleich mehr Sicherheit zu haben daß der Dampfer wirklich nicht eher abführe, bis sämmtliches Gepäck auf ihm eingeladen sei; Eduard konnte indeß bei dem kleinen Rest der Sachen zurückbleiben, und mit der letzten Ladung nachfolgen.
Die Damen hatten ihre Sachen schon voraus geschickt, und hielten es ebenfalls für nöthig daß sie sich dort ihre Coyen vor Abfahrt des Bootes ein wenig einrichteten. Allerdings bedauerten sie, so nahe an New-Orleans nur eben vorbei zu gehen, ohne mehr von der Stadt zu sehn als die dem Wasser zunächst gelegenen Häuser, der Professor tröstete sie aber damit daß sie, wenn ordentlich eingerichtet, leicht einmal eine Vergnügungstour hierher machen konnten, wo sie täglich, an ihrem Hause vorbei, drei-, viermal Schiffsgelegenheit haben würden. Dann waren sie auch im Stande das Leben in New-Orleans mehr zu genießen als jetzt, wo sie die Sorge um ihre nächste Zukunft, ihre nächste Heimath doch nicht ruhig ließe, und außerdem der Aufenthalt in einem Hotel, zu dem dann erst ihre sämmtlichen Sachen geschafft werden mußten, ein böses Geld gekostet hätte.
Henkel hatte indeß einen viersitzigen Wagen besorgt der, von einem Mulattenknaben gefahren, dicht unter der Levée herankam und den ausgeschobenen Planken gegenüber hielt.
»Aber wir müssen erst von Clara Abschied nehmen« sagte Marie, als der Vater sie rief und aufforderte sich zu eilen, damit der Wagen nicht so lange zu warten brauche — »lieber Gott es ist so traurig genug daß wir sie jetzt krank zurücklassen, und ihr nicht beizustehen suchen in dem fremden Land.«
»Ich sagte ihr gern Adieu« versicherte die Frau Professorin, »wenn ich nicht fürchtete sie vielleicht gerade in ihrem jetzigen Zustand noch mehr aufzuregen.«
»Sie würden mich unendlich verbinden« erwiederte Henkel mit einem bittenden Blick auf die alte Dame, »wenn Sie Alles vermieden Clara zu beunruhigen; sie ist so nervös, daß das Geringste sie in Thränen ausbrechen macht.«
»Aber ich begreife nicht was ihr um Gottes Willen so plötzlich kann zugestoßen sein« sagte Anna — »Clara war, so lange ich sie kenne, stets so gesund und wohl, und heiter und vergnügt, und jetzt auf einmal ist sie in einem Zustand von Schmerz und Aufregung, den ich mir nicht zu erklären weiß.«
»Laß nur mein Kind« sagte die Frau Professorin freundlich, »das wird, und hoffentlich bald, vorübergehn. Gern hätt' ich sie freilich selber noch einmal gesehen, Herr Henkel hat aber ganz recht, wir vermeiden am Besten jede Aufregung, und ich bitte Sie nur Ihre liebe Frau noch recht herzlich von uns zu grüßen, und ihr alles Gute und Liebe zu wünschen was sie sich nur selber wünschen kann.«
»Die Jahreszeit ist noch früh und der Herbst bringt gewöhnlich das schönste Wetter in Nordamerika, oft bis tief in December hinein« sagte Henkel rasch und freudig, »hat sich dann Clara erholt, und erlauben es nur irgend meine Geschäfte, wie ich nicht den mindesten Zweifel habe, dann besuchen wir Sie, vielleicht eher als Sie glauben, auf Ihrer Farm. Ich kenne die Gegend wohin Sie ziehen, und werde Sie dort schon finden.«
»Oh das wäre herrlich, das wäre wunderhübsch« rief Anna — »Clara wird gewiß recht bald besser werden.«