»Aber Lobsich, ich bitte Dich um Gottes Willen,« flüsterte die Frau in Todesangst — »Du machst Dich und mich unglücklich wenn Du Dich nicht änderst — was soll daraus werden?« —

»Laßmch — frieden,« stammelte aber der Mann, sie unwillig von sich abschüttelnd, aber er verließ den Thorweg wenigstens und taumelte durch den Garten fort, seitwärts vom Hause ab — »Weibervolk,« murmelte und fluchte er dabei — Himmelsakkrments Weibervolk — Unsinn — violettblaues — ist mir doch — ist mir doch was Unbe — Unbedeutendes — « und er verschwand damit hinter den Büschen. Die Frau aber blieb, den Ellbogen auf das Thürschloß gestützt und das Gesicht in den Händen bergend, allein zurück, richtete sich aber rasch wieder auf, als sie Schritte auf sich zukommen hörte, und wollte nach dem Haus zurück.

[pg 209]»Frau Lobsich,« sagte Kellmann, der es war, gutmüthig, ja fast herzlich — »macht denn das Lobsich jetzt öfter daß er so über die Schnur haut?«

»Ach Sie sind es Herr Kellmann,« sagte die arme Frau beruhigt. »Lieber Gott, ich weiß meinem Herzen keinen Rath mehr, wenn er's so fort treibt; wie soll das enden?«

»Aber ich habe Ihren Mann so doch noch in meinem Leben nicht gesehn,« sagte Kellmann verwundert.

»Ach ja,« seufzte die Frau — »es ist nicht das erste Mal, aber ich habe immer gesucht es so viel als möglich zu verheimlichen, es giebt gar solch ein böses Beispiel für die Leute. Es sind auch eigentlich nur einige Wochen erst daß er so scharf zu trinken anfängt. Lieber Gott, im Kopf hat er früher schon manchmal eins gehabt, aber er artete doch nie aus, jetzt jedoch geht der Spiritus mit ihm durch, und er wird zum Thier. Ach guter Herr Kellmann, wenn Sie einmal ein recht ernstes aber doch freundliches Wort mit ihm sprechen wollten; auf Sie hält er etwas. Mir verspricht er's wohl auch,« setzte sie leiser hinzu, »aber — er vergißt es immer nur zu rasch wieder.«

»Ich will mein Möglichstes mit ihm versuchen, Frau Lobsich,« sagte Kellmann freundlich — »aber,« setzte er rascher und leiser hinzu — »dort glaub' ich kommt er schon wieder zurück, es wird besser sein wenn Sie versuchen ihn heute Abend zu Bett zu bringen; mit einem betrunkenen Menschen läßt sich Nichts anfangen.«

»Na? — Donnrrwttrrr,« stammelte aber in diesem Augenblick der Wirth, der auf seinem Zickzack Cours wieder nach der[pg 210] Thür zurückkam, und die Arme einstemmend einen, wenn auch vergebenen Versuch machte, mit gespreitzten Beinen vor seiner Frau stehen zu bleiben — »Dnnrrrwttrrr,« wiederholte er, herüber und hinüber schwankend — »was's das vor Wirthschaft heh? wo gehört die — gehört die Frau hin, heh? — in die Hofthür mit fremden Kerlen schwatzen heh? — ist mir doch — ist mir doch was Unbe — Unbedeutendes.«

»Aber lieber Lobsich,« nahm hier der jetzt auch hinzugetretene Schollfeld das Wort, »sein Sie doch vernünftig und gehn Sie — «

»Hallo?« rief aber der Wirth, sich halb nach dem Redner herumdrehend, in dessen hell vom Mond beschienenen Zügen er den Apotheker erkannte — »sin' wir auch hier? heh? — haben auch mit g'holfen mein' besten Freund — mein' besten Freund mit hinaus zu werfen — heh? Sie — Sie Giftmischer Sie — Sie — «