»Fort? — wohin?« riefen die Frauen.

»Kein Mensch konnte mir darüber Auskunft geben, gestern Abend war sie richtig dort angekommen, und ihres dürftigen Aussehns wegen in die Gesindestube gewiesen, und dort muß sie unglückseliger Weise ihren Namen genannt, vielleicht nach ihrem Bruder gefragt und das Schrecklichste gleich erfahren haben, denn sie war, selbst ihr Bündel im Stich lassend, hinausgelaufen in Nacht und Nebel und — und nicht wieder zurückgekehrt.«

»Du lieber Gott,« sagte Anna, »wenn sie sich nur kein Leides gethan.«

»Ich bin gleich zu Ledermann und dann auf die Polizei gegangen, diese aufmerksam zu machen,« sagte Kellmann etwas kleinlaut, »werde auch selber noch mein möglichstes thun das arme Ding wieder aufzufinden, aber — ich weiß wahrhaftig nicht wo man die eigentlich suchen soll, denn sie kennt ja keinen einzigen Menschen in der Stadt.«

»Und in ihres Bruders früherem Logis? — «

»Hat sie Niemand gesehn — ich war dort.«

[pg 227]»Waren Sie auch schon — auf dem Kirchhof?« frug ihn Marie jetzt leise und schüchtern.«

»Wahrhaftig, daran hatte ich gar nicht gedacht,« sagte Kellmann rasch seinen Stuhl zurückschiebend, »die Möglichkeit ist da, und ich will keinen Augenblick mehr versäumen — vielleicht ist es jetzt noch nicht zu spät.«

»Und Sie sagen uns Antwort?«

»Sowie ich etwas Bestimmtes über sie weiß — aber — aber was dann mit ihr anfangen? — hier in der Stadt kann sie nicht bleiben,« sagte Kellmann, die Thürklinke schon in der Hand, »und überhaupt scheint mir ihr schwächlicher Körper zu grober Handarbeit gar nicht geeignet.«