»Oh, Loßenwerder; Sie kennen ihn ja wohl?«
»Loßenwerder,« sagte der Actuar nachdenkend — »ist wohl schon eine ganze Weile in Ihrem Geschäft?«
»Schon zwölf Jahr; mit keinem Schatten irgend eines Verdachts; ich nahm ihn als einen ganz jungen Burschen in mein Haus; er muß aber gegen irgend Jemand davon gesprochen haben.«
»Hm, hm, wollen ihn uns doch einmal nachher besehn; also hier hinein hatten Sie das Geld gelegt?«
»Es ist ein Secretair, den meine Töchter gemeinschaftlich benutzen, und zu dem jede von ihnen ihren Schlüssel hat. Bitte lieber Henkel, lassen Sie doch einmal Sophie oder Clara einen Augenblick zu uns herüber rufen.«
»Ich habe schon das Mädchen geschickt, eine der jungen Damen ersuchen zu lassen,« entgegnete der junge Henkel, der indessen im Zimmer umhergegangen war, und sich überall umgesehen hatte, ob nicht vielleicht doch der Dieb irgend eine Spur, irgend ein Zeichen hinterlassen habe, an das man sich später einmal halten könne. —
»Und vermissen Sie weiter Nichts als das Geld?« frug der Actuar.
[pg 056]»Auch ein Schmuck meiner ältesten Tochter scheint mit geraubt zu sein,« sagte Herr Dollinger — »aber da kommt Clara, die Ihnen das Nähere davon selber angeben wird.«
Clara betrat in diesem Augenblick das Gemach; sie sah todtenbleich und angegriffen aus, und Henkel eilte ihr entgegen sie zu unterstützen.
»Clara, mein liebes armes Kind,« sagte Herr Dollinger, auf sie zugehend und die Hand nach ihr ausstreckend, »fehlt Dir etwas? — Der Schreck hat Dich wohl so angegriffen. Mach Dir doch nur keine Sorge, mein Herz; vielleicht bekommen wir Alles wieder und wenn nicht — nun ein Unglück ist es dann auch nicht; wenn Ihr mir nur Alle gesund bleibt, können wir die paar tausend Thaler schon verschmerzen.«